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Dr. Uwe Schrader wirbt im Schaugarten Üplingen in Sachsen-Anhalt für die Grüne Gentechnik. Ein Weizenfeld ist - aus Sicherheitsgründen - mit einem Vogelschutznetz umgeben, im Hintergrund ist der Wachturm und das Genmaisfeld zu sehen, auch Pioneer ist vertreten. Vasel
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Dr. Uwe Schrader wirbt im Schaugarten Üplingen in Sachsen-Anhalt für die Grüne Gentechnik. Ein Weizenfeld ist - aus Sicherheitsgründen - mit einem Vogelschutznetz umgeben, im Hintergrund ist der Wachturm und das Genmaisfeld zu sehen, auch Pioneer ist vertreten. Vasel
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Für Dr. Degenhardt (Pioneer) ist der Genmais-Anbau ein Betrag zu Klimaschutz und Welternährung.
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Für Dr. Degenhardt (Pioneer) ist der Genmais-Anbau ein Betrag zu Klimaschutz und Welternährung.
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Genmais: Werbefeldzug hinter Gittern


Schaugarten Üplingen informiert über Gentechnik - Saatgut-Firma Pioneer aus Buxtehude unterstützt Projekt bei Magdeburg

Buxtehude/Üplingen. Kurz hinter der Gedenkstätte "Marienborn" steht ein neuer Zaun - mit Wachturm, Wachmännern und Bewegungsmeldern. Doch in Üplingen wird nicht an die innerdeutsche Teilung erinnert. Im Schatten des Turms wachsen in einem gesicherten Schaugarten der "BioTechFarm" gentechnisch veränderte Pflanzen - vom Mais bis zur Kartoffel. "Ohne den Schutzzaun wären diese Pflanzen längst zerstört", sagt Dr. Uwe Schrader ganz offen. Hier werben Firmen wie Monsanto, KWS und Pioneer aus Buxtehude "für den Nutzen" der Grünen Gentechnik.

Schrader weiß, dass die Masse der Verbraucher die Gentechnik ablehnt - "aus Unkenntnis und aufgrund von Desinformationskampagnen", sagt der Mitinitiator des EU-weit einzigartigen Projekts. Die Branche hat ein Imageproblem - und der Schaugarten ist ein Ansatz, um den Widerstand zu überwinden. "Wir wollen für Offenheit und Information sorgen", sagt Schrader, FDP-Landtagsabgeordneter und Vorsitzender von "InnoPlanta". Der Verein setzt sich für den Anbau von gentechnisch verändertem Mais ein und "kämpft für Forschungsfreiheit". Schließlich seien in Deutschland mittlerweile Freisetzungsversuche kaum noch möglich. Ein Grund, warum Universitäten wie Rostock und Zürich ihre Versuchsfelder auf dem gesicherten Ein-Hektar-Areal haben. In Ostdeutschland sei die Akzeptanz höher, heißt es.
"Hier wachsen keine Monsterpflanzen", sagt Dr. Heinz Degenhardt von Pioneer bei der Führung durch den Schaugarten. Die Teilnehmer nicken. "Es ist letztlich Fortsetzung der Züchtung - mit neuen Werkzeugen", sagt Degenhardt. Auf Einladung des Unternehmens informierten sich, neben Kreislandwirt Johann Knabbe und Stader Saatzucht-Geschäftsführer Axel Lohse, Landwirte und Lokalpolitiker in Üplingen. Der BT-Mais MON 810 wiegt sich im Wind - genauso wie die Hybridzüchtungen nebenan. Den kleinen Unterschied erkennen Laien nicht. Lediglich die Schilder "Pflanzen sind nicht zum Verzehr bestimmt. Betreten für Unbefugte verboten", Vogelschutznetze und Turm erinnern die Besucher, dass es kein Garten wie jeder andere ist. Eine Mantelsaat soll verhindern, dass Genmais-Pollen zu weit fliegen. Bereits im Info-Flyer steht unverblümt: "Wenn sie wissen wollen, ob gentechnisch veränderte Pflanzen zu einer nachhaltigen Landwirtschaft beitragen können - dann besuchen sie den Schaugarten." Die Antwort ist nicht überraschend. Es sei eine Frage der Zeit, wann Genmais auch in Deutschland flächendeckend angebaut wird: "Wir müssen jetzt aufpassen, dass Deutschland in der Grünen Gentechnik nicht den Anschluss verliert." Die Forschung und der Anbau müssten gefördert werden.
Not, Hunger, Umweltschutz und Klimawandel sprächen für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen wie Maiszünsler-resistentem BT-Mais. Wie funktioniert's? Dem Mais wird ein Gen eingebaut, damit die Pflanze sich selbst gegen den Fressschädling schützen kann. In diesem Fall ist das in der Natur vorkommende und auch im Bio-Anbau verwendete Bodenbakterium "bacillus thurengensis" die Basis. Deshalb ist von BT-Mais die Rede. Dass das Gift von MON 810 laut Bundesministerin Ilse Aigner (CSU) Lebewesen wie Wasserorganismen, Schmetterlinge und Marienkäfer schädigt, stimmt laut Degenhardt nicht. BT-Eiweiß wirke im Darm der Maiszünslerlarve "spezifisch" und sei für höher entwickelte Lebewesen unschädlich. Rückstände im Boden seien unbedenklich. Das gelte auch für Pollen, die mehrere 100 Meter weit fliegen können. Diese seien nicht mehr fruchtbar. Dass Genmais die Bauern weiter in die Abhängigkeit großer Konzerne treibt, glaubt Degenhardt nicht. Es werde wie heute Lizenzen für kleine Saatzuchtunternehmen geben.
Der Anbau sei sicher, das habe auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit wiederholt geäußert. Es gelte, Schaden von der Landwirtschaft abzuwenden. "Die Anbauverbote sind politisch motiviert, das Standortregister ist eine Hürde", sagt Schrader und kritisiert den Bund. Für Degenhardt ist das Etikett "gentechnikfrei" bei der Lebensmittelkennzeichnung ohnehin "Verbrauchertäuschung". Schon heute werde Gen-Soja verfüttert. Auch dürfen für das Tierfutter gentechnisch hergestellte Vitamine und Zusatzstoffe verwendet werden, auch Bio-Tiere bekämen Gen-Medizin. "Kaum ein Mensch würde Insulin ablehnen", sagt Degenhardt. Ihnen ist klar: "Wir sind eine satte Gesellschaft." Verbraucher und Handel müssten ins Boot. Die Landwirtschaft im Kreis Stade sitzt in den Startlöchern. Gentechnik ist "ein Werkzeug", sagt Saatgut-Chef Lohse. Kreislandwirt Knabbe ist noch reserviert: "Der Anbau muss sich wirtschaftlich lohnen." Haftungsrisiken seien noch zu hoch, außerdem bestehe gegenwärtig kein Bedarf für BT-Mais: "Der Schädling ist bei uns kein Problem."

Pioneer sieht sich als Klimaschützer


Bei der herkömmlichen Selektion sei die „Wissenschaft an ihre Grenzen gestoßen“, sagt Pioneer. Daher setzt der Konzern auf gentechnisch veränderte Sorten – als ein Allheilmittel gegen die Probleme dieser Welt. Mit Blick auf den Klimawandel könnten Sorten entwickelt werden, die trotz Trockenheit angemessene Erträge lieferten. Weil es wärmer wird, seien weltweit Schädlinge auf dem Vormarsch, an Monokulturen allein liege es nicht. Degenhardt: „Angesichts des Bevölkerungswachstums brauchen wir Gentechnik, sonst lässt sich der Hunger nicht stillen.“ Erträge könnten gesteigert werden, ohne die Steppen und Regenwälder urbar zu machen. Auch der Verbrauch an Wasser- und Pflanzenschutzmitteln sinke, weniger Kohlendioxid werde in die Atmosphäre gepustet.

Großkonzerne und Unis forschen im Osten


Buxtehude/Üplingen (bv). Der Schaugarten „Üplingen“ der BioTechFarm liegt zwischen Braunschweig und Magdeburg an der Autobahn 2. Der Schaugarten auf dem „Stiftsgut Üplingen“ ist von Juni bis September – täglich von 10 bis 18 Uhr – geöffnet. Anmeldung und Infos unter Telefon 03 94 04 / 66-372. Gruppen und Erinzelpersonen können gentechnisch veränderte Feldfrüchte und Getreidesorten – Mais, Kartoffeln, Weizen und Rüben – im direkten Vergleich mit den konventionellen Züchtungen sehen. Verschiedene Strategien zu Pflanzenschutz und Düngung werden erläutert. Eintritt und Führung sind kostenlos. Unis forschen in Üplingen, Großkonzerne wie Monsanto, BASF, KMS und DuPont sind mit Produkten vertreten.
www.schaugarten-ueplingen.de

Stichwort: Pioneer


Die Saatgut-Firma Pioneer Hi-Bred Northern Europe ist eine Tochter der US-Firma DuPont. Im Gewerbegebiet „Apensener Straße“ beschäftigt das in Pflanzenzüchtung führende Unternehmen 100 Mitarbeiter. Pioneer hat in Buxtehude die Zentrale für die Geschäftseinheit Nordeuropa mit 286 Mitarbeitern. Sie betreuen Märkte in 16 Staaten: Holland, Luxemburg, Dänemark, Schweden, Deutschland, Polen und das Baltikum sowie Tschechien, Österreich und die Schweiz. Zu den Aktivitäten gehören Züchtung, Saatgutaufbereitung und Vertrieb von Mais-, Raps- und Sonnenblumensaatgut sowie Herstellung und Vertrieb des Siliermittels für die Verbesserung von Mais- und Grassilagen. 2008 setzte die DuPont-Tochter mehr als 100 Millionen Euro um. Ausblick: Nachwachsende Rohstoffe gewinnen an Bedeutung: Biomaterialien aus Mais werden Kunststoff ersetzen; schon heute ist die Maisstärke in Lebensmitteln und Arzneien und enthalten.
www.pioneer.com/de
(bv)

25.08.2009
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