Hintergründiges zur Lage
Alles Hanse, oder was?
Nun haben wir offiziell unseren Frieden mit den Hamburgern: Nach 750 Jahren ist die angeblich offene Fehde zwischen den Hansestädten Hamburg und Stade beigelegt, der entsprechende Friedensvertrag wurde gestern beim Hafenfest unterzeichnet. Ein kluger Einfall der Stader Marketing-Organisatoren, keine Frage, auch wenn Ole von Beust entgegen seiner ursprünglichen Zusage wieder abgesagt hat. Kein unfreundlicher Akt, sagen die Stader, die Verständnis dafür haben, dass der Hamburger Bürgermeister die CDU-Präsidiumssitzung mit Kanzlerin Merkel dem Besuch in Stade vorgezogen hat. So ganz nebenbei sollte aber schon noch darauf hingewiesen werden, dass der Friedensvertrag symbolischer Art ist und das Kriegsbeil gegen die Hamburger schon lange nicht mehr geschwungen wird. Was nicht heißt, dass es endgültig zu vergraben ist. Alleine schon die von den Hamburgern nur schleppend verfolgte A26-Planung sollte ein Grund sein, das Kriegsbeil nicht ganz so tief zu verbuddeln...
Apropos Hanse: Genervt vom "inflationären Gebrauch" des Begriffs "Hansestadt" ist der Stader CDU-Ratsherr Andreas Schwander. Man lese in jedem zweiten Satz "Hansestadt" oder "hansestädtisch", bemängelte der Zahnarzt unlängst im Ausschuss für Stadtentwicklung. Auch andere Politiker beobachten einen gewissen Übereifer der Verwaltungsmitarbeiter, die offenbar beim großen Chef punkten wollen. Denn die Ansage, den Begriff "Hansestadt" immer im Schriftverkehr und auch am Telefon zu benutzen, kommt aus der Führungsetage - vom Bürgermeister der Hansestadt Stade persönlich...
"Wir haben doch keine Buxtehuder Verhältnisse", entrüstete sich in der vergangenen Woche Stades Erster Stadtrat Dirk Kraska. Und weil das so sein soll, schwieg auch er zu den Plänen über die Zukunft des ehemaligen Hertie-Kaufhauses in Stade. Alles mal wieder ganz geheim. Pech nur, dass der Projektentwickler Frank Kiefaber mehrmals im Umfeld des leerstehenden Kaufhauses gesehen wurde. Also Anlass zur verschärften Recherche für TAGEBLATT-Redakteur Steffen Kappelt, dem das Journalisten-Glück gleich in doppelter Hinsicht hold war, denn erst begründete Kraska sein Schweigen mit dem Hinweis, dass Rat und Verwaltung sich einig seien, dass die ganze Angelegenheit diskret und ohne Öffentlichkeit verhandelt werde. Danke für den Hinweis: Wenn alle Ratsmitglieder informiert sind, ist das für einen Journalisten nicht schwer, an die Fakten zu kommen. Letzte Gewissheit bekam Kappelt dann vor Ort: Als er ein Foto von dem leerstehenden Gebäude machen wollte, traf er auskunftsfreudige nette Herren, die wussten, dass das alte Kaufhaus abgerissen werden und ein Shopping-Center entstehen soll. Es waren die Planer eines Handelskonzerns, die sich vor Ort ein Bild über ihre potenzielle neue Filiale machen wollten...
Es ist ein typisch Buxtehuder Streit: Der in Buxtehude nicht ganz unbekannte Kapitän und Verwaltungskritiker Gerhard Siemens (Hafengestaltung, L 127 Kreuze) hatte sich für vergangenen Sonnabend eine "Informationssäule" zur Bundestagswahl vor dem Rathaus genehmigen lassen. Unmittelbar neben dem Stand der CDU. Aber die Christdemokraten fanden die Botschaften des Gerhard Siemens nicht sonderlich lustig. Denn es ging handfest gegen die Union. "Fast jeder Kapital-Verzocker, der die Bundesrepublik an den Rand des Ruins gebracht hat, stammt aus den Reihen der CDU" oder: "Herr Ackermann: Die CDU-Kanzlerin Frau Merkel bittet zu Tisch. Es gibt lecker gebratene Steuergelder". CDU-Ratsmitglied Petra Möhle griff zur Selbsthilfe und entfernte die Infosäule. Was Gerhard Siemens für einen Eingriff in die Meinungsfreiheit hält, wurde von der Stadt anschließend abgesegnet. Die Thesen seien über die Grenze der freien Meinungsäußerung hinausgegangen, so Ordnungsamtsleiter Heinz-Uwe Pieper. Ob die Möhlsche Selbstjustiz abgesegnet war? Die Zweifel sind groß...
Albrecht Beyer, der ausgeschiedene und von der Buxtehuder Hochschule 21 nicht offiziell verabschiedete Professor wird künftig im TAGEBLATT-Kompetenzbeirat mitarbeiten. Das alleine wäre noch keine Meldung wert. Die Begründung aber, warum der als Retter der Hochschule einst gefeierte Professor bei der nächsten Sitzung nicht teilnehmen kann, lässt aufhorchen. Er ist nach Spanien eingeladen: Mit der Hochschule in Satander haben die Buxtehuder seit Jahren eine Partnerschaft. Und die Spanier wollen Albrecht Beyer offiziell verabschieden...
Hoffen wir, dass die Buxtehuder Hochschulleitung dies so versteht, wie es ist und freuen wir uns auf
ein schönes Wochenende
Ihr Wolfgang Stephan
19.09.2009
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