Angst und Albträume
Mobbing-Vortrag vor Kindern – Johannes Schmidt weist Wege aus Gewalt
Himmelpforten .
Statistisch wird jedes zehnte Schulkind ernsthaft gemobbt, jedes zehnte schikaniert selbst. Trietzen, knuffen, ausgrenzen, hinterm Rücken lästern, das Rad demolieren, über eine Schwäche herziehen – es gibt viele Arten, mit denen Schulkinder sich das Leben zur Hölle machen. „Holt euch Hilfe, tragt den Konflikt aus“, ermutigte am Mittwoch Johannes Schmidt die Mädchen und Jungen der Porta-Coeli-Schule Himmelpforten.
Schmidt ist Landesvorsitzender des Deutschen Kinderschutzbundes und hatte im März auf Einladung des Präventionsvereins an gleicher Stelle Eltern und Lehrer gebrieft. Der 56-jährige Familienberater aus Hemmoor ist ein Experte auf dem Gebiet Gewalt an Schulen und weiß das Thema plastisch zu vermitteln. Jetzt holte ihn Rektor Gerhard Meyer für eine Unterrichtseinheit mitten in den Schülerpulk. Meyer weiß: „Mobbing gibt es überall, auch bei uns.“ Aber das Drangsalieren wird nicht öffentlich. Das lässt Opfer leiden und schützt die Täter.
Stärker als andere Zentren schreibt sich die Porta-Coeli-Schule schon seit längerem den friedfertigen und respektvollen Umgang miteinander auf die Fahnen. Einen Akzent setzt sie mit den Regeln der Schulvereinbarung, die jedes Kind unterschreibt. „Das finde ich konkret und gut“, lobte Johannes Schmidt.
„Eine faustfreie Schule bringt für jeden mehr Spaß und Leistung. Sorgt dafür, dass das soziale Klima stimmt“, vermittelte der Sozialpädagoge den Jugendlichen, die sich im Foyer auf dem Fußboden niedergelassen hatten. Sehr konzentriert ließen sich über Formen und Gründe von Mobbing aufklären. Sie hörten von einst fröhlichen Kindern, die jede Nacht Albträume und jeden Morgen Ängste durchstehen, weil sie nicht mehr in die Schule gehen mögen. Die verspannt, nervös und krank sind und nur daran denken, wie sie sich vor einem Täter verstecken können.
Diese Opfer brauchen Helfer. „Sucht euch Freunde, habt Freunde“, appellierte Johannes Schmidt an die jungen Zuhörer, „und sprecht Erwachsene an“. Er nannte Eltern, Lehrer und Schulleitung aber auch den Bürgermeister, den Kinderschutzbund oder die Polizei. Ortspolizist Burkhard Bönnighausen nahm diesen Faden später wieder auf. Er bot Hilfe und Vermittlung an.
„Ihr müsst das Mobbing zum Thema machen und den Konflikt austragen, bis er geregelt ist.“ Der ehrenamtlich tätige Vertreter des Kinderschutzbundes weiß, dass das leicht gesagt ist. Aber auch Täter könnten siegen, wenn sie die Tat zugeben, sie verstehen, entschuldigen und wiedergutmachen.
(je)
04.11.2004
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