Kinder-Armut im Kreis Stade
Hohe Quoten in Stade und Drochtersen
Kreis Stade / Hannover.
„Die Armut ist nicht mehr alt, sondern sehr jung“, mit diesem Fazit hat jetzt Professor Lothar Eichhorn die neuesten Zahlen zur Kinderarmut in Niedersachsen vorgestellt. Der Landkreis Stade macht keine Ausnahme: Besonders in Stade und Drochtersen leben viele Kinder, die von Sozialhilfe abhängig sind.
Die beiden Kommunen sind die einzigen nicht nur im Kreis, sondern im gesamten Elbe-Weser-Dreieck, die eine Quote von 13 Prozent und mehr Kindern bezogen auf die entsprechende Bevölkerungsschicht aufweisen, die von Sozialhilfe abhängig sind (siehe Grafik). Im Stader Sozialamt gilt als ein Erklärungsansatz für diese Situation, dass die größeren Städte ein Anziehungspunkt für sozial schwächere Bevölkerungskreise sind und es besonders in Stade günstigen Wohnraum, oft ohne Kautionszahlung gebe. Der Landesschnitt an unter 15-Jährigen, die Sozialhilfe erhalten, liegt bei 8,6 Prozent. Oberhalb dieser Quote liegen im Kreisgebiet nur noch Nordkehdingen mit neun bis elf Prozent und Buxtehude mit elf bis 13 Prozent. Alle anderen Kommunen liegen unter dem Schnitt.
Die Zahlen beziehen sich auf Ende 2003, neuere Daten liegen noch nicht vor. Landesweit sind über 110 000 Kinder unter 15 Jahren Sozialhilfeempfänger. Professor Eichhorn: „Die Armut ist damit nicht mehr alt, sondern sehr jung“. Bei den Kleinkindern unter drei Jahre war sogar jedes 10. Kind landesweit auf Sozialhilfe angewiesen. Der Grund dafür, so Eichhorn, liege vor allem in der Situation der Eltern, vor allem der Muter. Durch den Betreuungsaufwand, den besonders Kleinkinder verursachen, werde eine eigene Erwerbstätigkeit zumindest erschwert. Dies betreffe natürlich in erster Linie Alleinerziehende und damit überwiegend Frauen. Besonders hoch sind die Quoten in den Ballungsgebieten wie Hannover, Celle, Oldenburg, Wilhelmshaven, Salzgitter oder auch Lüneburg, während das direkte Umland meist recht günstige Werte aufweist. (rsu)
25.01.2005
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