Immobilienmarkt mit massiven Einbrüchen
Gutachter legen Grundstücksmarktbericht 2005 für den Landkreis Stade vor
Kreis Stade.
Das zarte Pflänzchen Konjunkturbelebung hat die harte Erde des Immobilienmarktes im Landkreis Stade bisher nicht durchbrochen. Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte, neuerdings bei der Behörde für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften (GLL) in Otterndorf angesiedelt, spricht sogar von einem „massiven Einbruch“ beim Grundstücksmarkt 2004.
„Es ist keine Trendwende erkennbar“, bedauert Heinrich Kranz, als Leiter des Stader Katasteramtes bis Ende 2004 auch Vorsitzender des Gutachterausschusses. Das zehnköpfige Gremium aus Architekten, Landwirten und Maklern wertet die von Notaren übermittelten Daten aus Immobilienverkäufen regelmäßig aus.
Das Ergebnis ist für 2004 im Landkreis Stade besonders ernüchternd, weil im 2003 für den Immobilienmarkt eine „positive Trendwende“ zu verzeichnen war. So sank der Geldumsatz des Grundstücksmarktes im Landkreis Stade von 358 Millionen Euro im Jahr 2003 auf 261 Millionen Euro im Jahre 2004. Das ist der niedrigste Stand seit zwölf Jahren.
Der sinkende Umsatz ist nicht nur mit den miserablen Grundstückspreisen – ob nun bebaut oder unbebaut – zu erklären. Es wurden auch weniger Grundstücke verkauft. Ein Vergleich mit 1993 zeigt die dramatische Entwicklung. Damals wechselten gut 4000 Grundstücke im Landkreis Stade den Eigentümer – 2004 waren es gerade noch 2631 „Kauffälle“, so das Gutachtergremium. Wer‘ s lieber in Prozent hat: 13,9 Prozent weniger Verkäufe als 2003 und sogar 35 Prozent weniger als im Jahr 1993 verzeichneten die Immobilienexperten.
Für Stades Katasteramts-Chef Kranz sind nicht nur konjunkturelle Gründe maßgeblich dafür, dass der Markt 2003 noch deutlich besser ausfiel: „Viele Kaufentscheidungen wurden vermutlich auf das Jahr 2003 vorgezogen, weil in der Politik über den Wegfall der Eigenheimzulage diskutiert worden wurde.“
Die „Stagnation bei den Baulandpreisen“ im Jahre 2004 ist für den gesamten Landkreis Stade feststellbar. Das Süd-Nord-Gefälle zwischen Buxtehude und Balje in Nordkehdingen bleibt bestehen (siehe nebenstehende Karte). Abgesehen von den besonders teuren Innenstädten ergeben sich die höchsten Bodenrichtwerte für begehrte Wohnlagen im Süden Buxtehudes (allgemeines Wohngebiet 210 Euro pro Quadratmeter)oder auf der Horst mit Blick auf die Schwinge in Stade (reines Wohngebiet 180 Euro pro Quadratmeter). In Nordkehdingen liegt der Bodenrichtpreis für Wohnen zwischen 40 Euro in Freiburg und 15 Euro in Balje – der niedrigste Wert kreisweit. Im Vergleich zu 2003 blieben die Baulandpreise – eine Ausnahme mag in Horneburg erkennbar sein – relativ konstant.
„Eher nachlassende Preise“, so Kranz zeigten sich bei den bebauten Grundstücken. 18 Prozent weniger Verkäufe waren zu verzeichnen. Ähnlich der Trend beim Markt für Wohnungseigentum, der durch ein Minus von 12,5 Prozent gegenüber 2003 gekennzeichnet war.
„Es wird weniger Wohneigentum angeschafft“, sagt Kranz. Aber auch hier lohnt sich der genaue Blick. So haben die Gutachter erkannt, dass sich Wohnungseigentum „in besseren Lagen“ immer noch recht gut verkauft. Schwierig wird es dort, wo es „Probleme im sozialen Umfeld gibt“ (Kranz). Damit sind auch Siedlungen an der Peripherie der Städte gemeint. Zwangsversteigerungen in Kombination mit Preisverfall – aus Sicht der Gutachter eine brisante Entwicklung.
Für die ländliche Region eine weitere interessante Zahl: Auch 21,5 Prozent Acker und Grünland wechselten im Jahre 2004 weniger den Eigentümer als im Vorjahr. (ccs)
15.02.2005
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