Hydro-Mitarbeiter kämpfen und hoffen
Margrit Wetzel (SPD) hört positive Ansätze von der Konzernleitung – Dienstag in Berlin
Stade.
Es ist nur eine kleine Chance, aber im Kampf ums Überleben will die Belegschaft der Stader Aluminiumhütte nichts unversucht lassen. Mit politischer Unterstützung hoffen die Mitarbeiter die Schließung des Elbewerks wenigstens herauszögern zu können.
Der norwegische Konzern Norsk Hydro will die Aluminiumproduktion in seinem Stader Werk spätestens Ende 2006 stilllegen. Ziel der neuen Bemühungen ist es, die Restlaufzeit der Hütte im Bützflether Industriegebiet bis Ende 2008 zu verlängern. Damit soll Zeit gewonnen werden, für die 450 Beschäftigten des Werks neue Jobs zu finden.
„Es lohnt sich zu kämpfen“, sagt die Horneburger Bundestagsabgeordnete Margrit Wetzel (SPD) nach einem gemeinsamen Gespräch mit Dieter Braun, Chef der deutschen Hydro-Sparte, in Düsseldorf, und dem Stader Betriebsratsvorsitzenden Jörg Gabriel. Zwei Aussagen von Hydro-Manager Braun machen Margrit Wetzel dabei Hoffnung.
Hydro wolle sich nicht aus Deutschland zurückziehen, und der Konzern strebe für das Elbewerk eine Speziallösung an, zitiert die Bundestagsabgeordnete ihren Gesprächspartner Braun. Wetzel: „Hydro erzielt Rekordgewinne. Da muss es möglich sein, das Elbewerk noch länger zu betreiben.“
Ursprünglich sahen die Planungen von Norsk Hydro, das zu 43,82 Prozent dem norwegischen Staat gehört, vor, die Aluminiumhütte erst Ende 2008 zu schließen. Die gestiegenen Strompreise seit März 2005 hätten dann zum sofortigen Schließungsbeschluss geführt, so die Begründung des Unternehmens. Eine Rückkehr zur früheren Planung ist offenbar nur möglich, wenn Hydro von den Energieversorgern einen akzeptablen Strompreis bekommt. Wetzel: „Deshalb müssen wir den Druck auf die RWE erhöhen.“
Der Essener Konzern liefert bisher den Strom für das Stader Werk. Der Stromliefer-Vertrag zwischen Hydro und RWE läuft Ende des Jahres aus. „Man kann von einem Grundlastabnehmer wie Hydro nicht dieselben Preise verlangen, wie von einem normalen Endverbraucher“, so Wetzel. Das Problem: An der Strombörse in Leipzig liegt der Preis für die Megawattstunde bei über 50 Euro. In anderen europäischen Staaten können energieintensive Betriebe wie die Aluminiumwerke für den halben Preis Strom bekommen.
Hydro-Manager Dieter Braun habe in dem Gespräch auch die volle Unterstützung für die „Beschäftigungs- Entwicklungsgesellschaft“ zugesagt, die die neuen Arbeitsplätze für die Hydro-Mitarbeiter schaffen soll.
Nach Informationen des TAGEBLATT wird es am Dienstag in Berlin weitere Treffen geben, um für das Hydro-Werk eine Gnadenfrist heraus zu handeln. Wetzel, der Stader Betriebsratsvorsitzende Gabriel und mehrere seiner Kollegen werden sich mit dem norwegischen Botschafter und dem Wirtschaftsstaatssekretär Adamovic, der rechten Hand von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, treffen. Die Bundesregierung könnte an der Umsetzung des Emissionshandels etwas ändern. Auch der belastet derzeit die Strompreise. (kw)
13.07.2005
|