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Hans-Jürgen Werner hat hinter seinem grünen Spargelfeld einen 275 Meter langen Unterstand gebaut, auf dessen Dach 4200 Quadratmeter Solaranlage Platz haben.  Foto Fehlbus
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Hans-Jürgen Werner hat hinter seinem grünen Spargelfeld einen 275 Meter langen Unterstand gebaut, auf dessen Dach 4200 Quadratmeter Solaranlage Platz haben. Foto Fehlbus
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Von den Erträgen der Solaranlage auf dem Schulzentrum Jork hat auch die Schule etwas.
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Von den Erträgen der Solaranlage auf dem Schulzentrum Jork hat auch die Schule etwas.
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Solaranlagen, so weit das Auge reicht


Starkes Anlagenwachstum in diesem Jahr auch im Landkreis Stade - Kapitalanlage Solarstrom hat sich für viele schon gelohnt

LANDKREIS. Der deutschlandweite Photovoltaik-Boom ist auch im Landkreis Stade sichtbar: Glitzernde Dachflächen sind mittlerweile ein häufiger Anblick. "Die Sonne scheint und schickt keine Rechnung", sagt Hans-Jürgen Werner aus Deinste, der die mit 4200 Quadratmetern derzeit größte zusammenhängende Solaranlage im Landkreis betreibt.
Der im Landkreis Stade produzierte Solarstrom wird durch die EWE als Netzbetreiber eingespeist. Im ersten Halbjahr 2009 waren es 72 Millionen Kilowattstunden - allein aus dem Kreis. In diesem Jahr muss der sonnige Juli erst einmal das Defizit der Monate Januar bis Juni wettmachen. Durch Schnee auf den Anlagen und wenige Sonnenstunden wurden im ersten Halbjahr 2010 laut EWE Netz von den gleichen Anlagen nur 58 Millionen Kilowattstunden eingespeist. Werden die in diesem Jahr neu in Betrieb genommenen Anlagen hinzugerechnet, schlägt allerdings ein ähnliches Ergebnis zu Buche. Dieses resultiert aus dem starken Anlagenwachstum in diesem Jahr.
Erste Bilanzen zeigen: Für viele hat sich die ökologische Kapitalanlage Solarstrom auch schon gelohnt. Im April 2007 ging die 30-Kilowatt-Photovoltaikanlage auf dem Dach des Schulzentrums Jork ans Netz. Elf Kapitalanleger haben damals insgesamt 140 000 Euro netto investiert. Der Anstoß ging von einer Schulinitiative aus, die dafür rund 10 000 Euro Spenden einsammelte, weitere Privatinvestoren schlossen sich an. Die Aussichten sind sonnig: Fast 60 000 Euro, also etwa ein Drittel der Investitionssumme, hat die Anlage bereits eingespielt, und sie läuft erst seit drei Jahren und drei Monaten. Der Abnahmepreis - damals waren es noch 49,21 Cent pro Kilowattstunde - wurde für eine Laufzeit von 20 Jahren garantiert. "Bis dahin wird die Anlage 270 000 Euro eingespielt haben", rechnet Johannes Schliecker vor. Seine Firma in Horneburg hat nicht nur die Anlage in Jork, sondern unter anderem die erste Buxtehuder Bürgersolaranlage auf dem Dach des Feuerwehrhauses am Westmoor installiert. 24 Gesellschafter investierten dort jeweils 5000 Euro, zusammen 120 000 Euro, in die 30-Kilowatt-Anlage. Seit Juli 2008 ist sie am Netz und spielte über das Jahr 2009 14164 Euro ein. Der über 20 Jahre garantierte Abnahmepreis war mit 46,75 Cent pro Kilowattstunde allerdings schon niedriger als bei der Jorker Anlage. Wer jetzt noch auf den Zug aufspringen und in Photovoltaik investieren möchte, muss mit noch niedrigeren Abnahmepreisen rechnen. "Aber die Herstellungskosten und damit auch die Preise für die Anlagen sinken kontinuierlich", erläutert Johannes Schliecker. Dadurch stimme die Rendite für Anleger nach wie vor.
Hans-Jürgen Werner hat auf seinem Hof in Deinste 2,4 Millionen Euro in Anlagen mit insgesamt 900 Kilowatt Leistung investiert. "Nach zwölf Jahren amortisiert sich die Investition", sagt Werner. Für die neue Anlage, die in diesem Jahr - aber vor dem 1. Juli - in Betrieb genommen wurde, gibt es noch die alte Förderung von 35,23 Cent pro Kilowattstunde. Nach der am 8. Juli im Bundestag beschlossenen Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wurde die Vergütung für neue Anlagen rückwirkend ab dem 1. Juli in der Größenordnung über 100 Kilowatt auf 30,65 Cent pro Kilowattstunde gesenkt. Im Oktober sollen es dann nur noch 29,73 Cent sein. Die Vergütung bleibt jeweils über 20 Jahre konstant.
Werners Anlage produziert im Jahr so viel Strom, dass davon 182 durchschnittliche Familien-Haushalte mit 4000 Kilowattstunden Jahresverbrauch versorgt werden können. Für den Deinster ist die Nutzung seiner Hallendächer nur logisch. "Die Dächer sind vorhanden, sie kosten nichts, aber sie bringen so auch nichts", sagt er. Mit den Solaranlagen darauf hat er über 20 Jahre lang einen über das EEG gesicherten Ertrag. Und auch danach geht der Deinster davon aus, dass sich der Handel mit Sonnenstrom lohnt. "Ich glaube, dass der Strompreis bis dahin so gestiegen ist, dass es sich rechnet", sagt der Landwirt, der zunehmend Energiewirt ist. Steigende Pacht- oder Düngerpreise gebe es bei der Solarstrom-Produktion nicht.
Für alle, die nicht vom Energieverkauf profitieren können, bleibt die Kritik, dass die enorme Zunahme bei Photovoltaikanlagen den Strom im kommenden Jahr verteuern soll (siehe auch Hintergrund, Seite 3). Die Kosten der EEG-Umlage, der Differenz zwischen Solarstrom und den Strombörsenpreisen, belasten den Verbraucher derzeit mit circa zwei Cent pro Kilowattstunde. Es wird für 2011 mit einem Aufschlag von bis zu 3,5 Cent gerechnet - das wären für einen Durchschnittshaushalt gut zehn Euro pro Monat. Für Hans-Jürgen Werner sind die Atomkraftwerke keine Alternative. "Da ist das Risiko viel zu groß und keiner weiß, was mit dem Müll passieren soll, der schon überall lagert", sagt er. (ari/mf)


Standpunkt

VON MIRIAM FEHLBUS

Gute Anlage für die Zukunft


Das Argument scheint schlagkräftig: Solarstrom lohnt sich nur, weil er gefördert wird. Subventioniert von uns allen via Stromrechnung. Und was ist jetzt mit dem „billigen“ Atomstrom?
Seit 1950 haben der Staat und damit die Bundesbürger laut Greenpeace-Recherche die Atomenergie zusätzlich zu den Stromkosten mit mindestens 165 Milliarden Euro gefördert. Dies entspricht einer Subventionierung des Atomstroms von 3,9 Cent pro Kilowattstunde.
Das beweist: Neue Entwicklungen brauchen Unterstützung, bis sie sich lohnen. Die Betreiber der Atomkraftwerke – Eon, RWE, Vattenfall und EnBW – machen heute mit ihren abgeschriebenen Atomkraftwerken (AKW) ordentlich Gewinn. Die vier Stromkonzerne erwirtschaften mit diesen laut Greenpeace täglich etwa eine Million Euro – pro AKW. Darüber reden die Betreiber nicht so gerne. Lieber über steigende Kosten durch erneuerbare Energien.
Dabei kostet allein der Rückbau des Kraftwerks in Stade nach Angaben des Betreibers Eon rund 500 Millionen Euro. Und die ungeklärte Endlagerproblematik für die radioaktiven Abfälle aus den Kernkraftwerken kommt hinzu. Erneuerbare Energien haben neben dem Klimaschutz aus Sicht der ländlichen Räume noch einen weiteren Vorteil: Sie bringen Wirtschaftskraft und Perspektiven in Regionen, die es gut gebrauchen können. Jeder Euro, der in erneuerbare Energien fließt, ist gut angelegtes Geld.

29.07.2010
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