19.03.2017, 18:38
Heinz Rudolf Kunze in Drochtersen
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DROCHTERSEN. Klavier, Gitarren, Mikrofon: Mit diesem Arrangement könnte eine ganze Band spielen. Doch Heinz Rudolf Kunze braucht keine Band. Als Solokünstler zog er am Sonnabend 800 Zuhörer fast drei Stunden lang in seinen Bann.

Heinz Rudolf Kunze sitzt mit geschlossenen Augen am E-Piano. Seine Finger finden automatisch die richtigen Tasten. Mehr als zwei Stunden hat Kunze es hinausgezögert, dann spielt er seinen großen Hit. Beim Refrain geht im Saal das Licht an und 800 Menschen reißt es von den Stühlen. Unisono singen sie: „Dein ist mein ganzes Herz, du bist mein Reim auf Schmerz.“ Kunze öffnet die Augen und sieht sich das Spektakel vor der Bühne an.

Im Rahmen seiner „Einstimmig“ Tournee und anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Gewerbevereins kam Heinz Rudolf Kunze am Sonnabend in die Drochterser Sporthalle. Sein Programm war perfekt durchkomponiert. Der 60-Jährige spielte sich quer durch sein musikalisches Werk: angefangen mit dem Titel „Bestandsaufnahme“, der 1980 seine künstlerische Laufbahn einleitete, bis zu neuen Songs von den aktuellen Alben „Deutschland“ und „Meisterwerke: Verbeugungen“.

Grandioser Komponist und genialer Sprachkünstler

Heinz Rudolf Kunze beherrscht nicht nur mehrere Instrumente, sondern weiß auch seine Worte gezielt einzusetzen. Ein grandioser Komponist und genialer Sprachkünstler, dessen Lieder Geschichten erzählen: von der Liebe, aber auch von Einsamkeit, von Abschied und Sterben. „Ich weiß, das ist harter Tobak“, sagt Heinz Rudolf Kunze schon zu Beginn. Die meisten im Saal hören ihm trotzdem gern zu. Ein Paar Konzertgäste unterhalten sich jedoch lieber hinten am Tresen in einer Lautstärke, dass ihr Gequassel selbst in den vorderen Reihen noch stört.

Zwischen den Songs zeigt sich eine weitere Facette von Heinz Rudolf Kunze. Denn nicht nur das gesungene, auch das gesprochene Wort ist Teil seiner One-Man-Show. Kunze liest selbstverfasste Gedichte und Prosa, die mal ernsthaft, gesellschaftskritisch, mal kabarettistisch oder gar absurd daher kommen. Er geht mit der „Hair-Force One“ Donald Trump und seinen alternativen Fakten ebenso ins Gericht wie mit der Bundeskanzlerin. Kunze reimt aus der Zwangsjacke und redet mit verschiedenen Stimmen über die Tücken eine Viererecksbeziehung. Für Kinder gebe es nur einen Beruf, mit Zukunftsperspektive: „Liebe Kinder, werdet Gefährder. In turbulenten Zeiten wie diesen, hat man als Gefährder seine Schäfchen im Trockenen.“

Komponist, Wortakrobat, Entertainer: Auch wenn er solo auf der Bühne steht, nimmt Heinz Rudolf Kunze die Halle mit seiner leidenschaftlichen Künstlerpersönlichkeit ein. Es gelingt ihm, das Publikum gleichzeitig zu zustimmendem Nicken und zu gedankenverlorenem Wippen zu bewegen. Sein Set spielt er ohne Pause, ohne auch nur einen Schluck zu trinken. „Das Leben ist ein fauler Trick“, singt Kunze. Die Bühne ist seine Wahrheit.

Als nach mehr als zwei Stunden die letzten Takte von „Dein ist mein ganzes Herz“ gespielt sind, geht Kunze von der Bühne. Das Publikum verfällt in Beifallsstürme. Heinz Rudolf Kunze kommt zurück – und stimmt die erste von sechs Zugaben an.

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