16.03.2017, 16:41
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Schmidtparade im Stadeum
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STADE. Laut, farbenfroh und selbstverständlich schlüpfrig ging es bei der Schmidtparade im ausverkauften Stadeum zu – schließlich war das auf der Reeperbahn beheimatete Schmidt-Theater zu Gast. Ein sechsköpfiges Ensemble spielte, sang und tanzte die 70er und 80er Jahre herbei.

„Deutsche Schlager haben wir natürlich alle nicht gehört, sondern nur die Beatles und die Stones – aber die Lieder kennen wir schrecklicherweise trotzdem alle“, stellt Corny Littmann belustigt fest. Der Chef des Schmidt-Theaters weiß aus jahrelanger Erfahrung: Mit den 70ern kriegt er sein Publikum immer. So ist es auch diesmal, gleich von Showbeginn an, als die allerersten Töne der „Sendung mit der Maus“-Titelmelodie erklingen: Zahlreiche Zuschauer lehnen sich schmunzelnd in ihren Sitzen zurück. Los geht sie, die musikalische Zeitreise ins fröhlich-bunte Prilblumen-Jahrzehnt.

Die „Lieder der Nacht“ von Marianne Rosenberg eröffnen den Schlagerreigen. Die Sänger kommen in Rüschenhemden, oben sehr engen und unten sehr weiten Schlaghosen und hochhackigen Plateauschuhen, die Sängerinnen im rosa und sonnengelb-gestreiften Minikleid. Ein Hit jagt den nächsten: „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ von Jürgen Marcus, „Michaela“ von Bata Illic, „Anita“ von Costa Cordalis, „Fiesta Mexicana (Hossa!)“ von Rex Gildo und Gittes „So schön kann doch kein Mann sein“. Im Saal dürfte mittlerweile niemand mehr einen Gedanken an 2017 verschwenden, dort ist gerade 1975.

Sie war Corny Littmann

Peter Maffays „Es war Sommer“ ist auch dabei. Allerdings in einer stark verfremdeten Version, denn „sie“ ist plötzlich nicht mehr 32, sondern schon 46 und in Wirklichkeit Corny Littmann, der sich für diesen Part in die Verkleidung einer abgetakelten Blondine geworfen hat, die sich schließlich als – halbnackter – Mann herausstellt: „Es war Herr Sommer.“ Apropos nackt: Es ist nicht der Abend des subtilen Humors. Das hat natürlich auch niemand erwartet, aber manchem Scherz („Karel Gott, lebt der eigentlich noch? Weiß man nicht so genau.“) fehlt einfach der Witz.

Neben den Hits, die von dem sechsköpfigen Ensemble stimmsicher und gut gelaunt interpretiert werden, weckt das Bühnenbild mit orange-brauner Tapete und lindgrünem Samtsofa wohlige Wohn-Erinnerungen an die 70er Jahre. Kurze Sketche parodieren die Reklame des Jahrzehnts – wer kann sich nicht erinnern an das Verwöhnaroma von Jacobs Kaffee und an die Aprilfrische von Lenor?

Nach der Pause halten die 80er Jahre Einzug ins Stadeum. Die Hits heißen jetzt „Hello again“, Joana“, „Gloria“, Jessica“, „Verdammt, ich lieb dich“ und „An der Nordseeküste“. Schlaghosen sind durch Karottenhosen ersetzt, außerdem sorgen Netzhemden, Spencerjacken, Ballonröcke, Strickstulpen, Uniformen, Blousons und Stirnbänder für die charakteristische Optik dieses Jahrzehnts.

Passend dazu: Bürstenschnitt- und Vokuhila-Frisuren bei den Herren, Dauerwellen bei den Damen. Corny Littmann, der heute bereits mit Socken in Sandalen als Klischee-Urlauber und in Feinripp-Slip auf der Bühne stand und damit professionellen Mut zur Hässlichkeit bewiesen hat, schlendert im überraschend coolen Lässig-Look auf die Bühne – weißer Anzug, magentafarbenes Hemd, Sonnenbrille – und erinnert tatsächlich an, genau, „Miami Vice“-Star Don Johnson alias „Sonny Crocket“.

Nach Hits der Neuen Deutschen Welle von „Ich will Spaß“ über „Bruttosozialprodukt“ bis zu einer besonders fetzigen Version von „Skandal im Sperrbezirk“ beendet ein Nena-Medley den Abend. Zurück bleiben ein beglücktes Publikum und jede Menge – wahrscheinlich 99 – Luftballons.

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