07.02.2016, 11:25
CSCL Indian Ocean sorgt für Verkehrschaos im Alten Land
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Das Wasser reicht noch nicht
Mehrere Hundert Millionen Euro gestrandet
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LüHE. Verkehrschaos im Alten Land: Tausende von Schaulustigen strömen an den Deich, um einen Blick auf den Havaristen "CSCL Indian Ocean" vor Grünendeich zu werfen. Die Straßen sind voll, viele Parkplätze dicht. Die Gastronomie am Lühe-Anleger und entlang des Deiches ist aus dem Winterschlaf erwacht - und macht Umsätze wie im Hochsommer oder bei der Passage von Kreuzfahrtschiffen.

Sonntag, 16.00 Uhr: Die Buxtehuder Polizei meldet: Noch immer ist der Bär los im Alten Land. Das Abschlepp-Konzept soll laut Havariekommando am Montag vorgelegt werden.

Sonntag,15.00 Uhr: Stau bis nach Jork-Mitte. Alle Zufahrtsstraßen sind verstopft. Imbisse, Hofläden und Restaurants sind überfüllt, nicht nur beim Elbfischer bilden sich lange Schlange. Das Regionale Bündnis gegen Elbvertiefung demonstriert am Lühe-Anleger; sie lehnen Mega-Schiffe auf der Elbe, wie den 18000-TEU-Frachter, ab. Das Havarierisiko sei angesichts der schmalen Fahrrinne zu hoch. Die ist an dieser Stelle nur 250 Meter, der Havarist ist aber 400 Meter lang.

 

Sonntag, 14.14 Uhr: Das Havariekommando teilt mit, dass kein Schweröl mehr an Bord der 150.000 Tonnen schweren CSCL Indian Ocean ist.

Sonntag, 11.24 Uhr: Die Parkplätze - vom Kirschenland in Wisch bis zum Gewerbepark in Grünendeich sind voll. Wer zum Havaristen will, sollte einen kleinen Spaziergang einplanen. Busse - sogar aus NRW - halten am Deich, aus Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und sogar Sachsen-Anhalt reisen die Schaulustigen an.

Sonntag, 11.00 Uhr: Tausende strömen ins Alte Land, um den Havaristen anzugucken. Tausende stehen auf dem Deich. Die Parkplätz am Elbdeich sind dicht, viele Parken auf der Kreisstraße am Deich oder in den wenigen Nebenstraßen. Die Gastronomie brummt. Zwei große Baggerschiffe sind, mit der Causeway und der  Barent Zanen, jetzt - bei Ebbe - vor Ort, um den Container-Giganten "freizulegen". Hinzu kommt ein Ponton mit einem Bagger. Ein Peilschiff umkreist die "Indian Ocean", das Ölüberwachungsflugzeug des Havariekommandos dreht regelmäßig seine Runden. Das  Schiff liegt schief. In der Nacht wurde die Elbe an der Steuerbordseite tiefer gelegt, das Schiff liegt an einer Unterwasserböschung.

 

Sonntag, 9.00 Uhr: Der Hopperbagger "Barent Zanen" und der Spülbagger 'NJÖRD', im Fachjargon als Wassereinspritzbagger bezeichnet, setzen ihre Arbeit unterhalb und rechts des Schiffes fort. Die Arbeiten können vom Deich gut beobachtet werden.

Sonnabend, 21.00 Uhr: Der Hopperbagger "Barent Zanen" (siehe Nachtfoto) nimmt - wie ein riesiger Unterwasserstaubsauger - das Sediment um den Havaristen auf. 8116 Kubikmeter Sand-Wasser-Gemisch (14335 Tonnen) kann der Bagger in seinen Laderaum saugen. Zwei Schlepper sichern die erleuchtete "Indian Ocean", auch die Wasserschutzpolizei kreuzt vor dem Container-Giganten. Auf den Deichen sind weiter Schaulustige unterwegs. Das Schiff neigt sich leicht nach Steuerbord.

Der Bagger gehört zur Flotte von Boskalis Hirdes. Diese Wasserbauunternehmen ist vom Wasser- und Schifffahrtsamt Cuxhaven - auf einer Strecke von 110 Kilometern - mit der Unterhaltungsbaggerung auf der Elbe beauftragt. Ein lukratives Geschäft: Jedes Jahr kassiert das Unternehmen 25 Millionen Euro für das Freihalten der Fahrrinne, das Sediment wird später wieder in der Elbe verklappt. Der Bund besitzt keine Baggerschiffe.

Sonnabend, 16.22 Uhr: "Die Bagger tragen den Boden nahe des Havaristen ab", teilte das Havariekommando in Cuxhaven mit. Ein Peilschiff hat die Lage der "Indian Ocean" im Flussbett erneut aufgezeichnet.

Das Ölüberwachungsflugzeug des Havariekommandos, eine DO 228, hat das Gebiet mehrfach überflogen. Schadstoffe seien nicht ausgetreten, hieß es. 

Sonnabend, 12.13 Uhr: "Das Ballastwasser wird ebenfalls abgelassen", sagte Michael Friedrich vom Havariekommando dem TAGEBLATT. Auch die Baggerarbeiten werden vorbereitet. Am Lühe-Anleger hat bereits der kleine Spülbagger 'NJÖRD' von "Van Oord" aus Holland festgemacht, ab 14 Uhr kreuzte das Schiff vor dem Havaristen auf der Elbe. Wann die Baggerarbeiten beginnen, ist noch offen, mehrere Bagger sind geordert. Wie berichtet, soll der am Mittwochabend nach dem Ausfall der Ruderanlage vor Grünendeich auf Grund gelaufene 400 Meter lange Containerfrachter am Dienstagmorgen mit der Springtide freigeschleppt werden. Havariekommando und Reederei hoffen, dass West-/Nordwestwind zusätzlich Wasser in die Elbe drückt. Durch das voraussichtlich 60 Zentimeter höher auflaufende Hochwasser, so hoffen die Ingenieure und Nautiker, könnten Schlepper es schaffen, den Pott wieder ins Fahrwasser zu ziehen. Ein Problem gibt es offenbar: Der Frachter liegt mittlerweile schief an der Unterwasser-Böschung.

Sonnabend, 11.00 Uhr: Am Sonnabendmorgen verschafften sich die Wasserretter der DLRG Horneburg/Altes Land einen Blick vor Ort - auch um zu gucken, wie in einem Notfall verletzte Seeleute von Bord geholt werden könnten. Aber: Die Lotsen-Luke liegt sehr hoch, die DLRG könnte zwar über die Lotsenleiter einen Notarzt an Bord des Riesen-Schiffes bringen, "einen Verletzten müssten wir aber mit Hilfe eines Schleppers aus Bützfleth oder größeren Booten von DRLG oder Feuerwehr von Bord holen", so Rainer Bohmbach. Er und seine Kameraden Karl-Heinz Laurich, Jan Cordes, Nicolas Schilling nahmen das TAGEBLATT mit auf den Erkundungstörn. 

Seit dem frühen Sonnabendmorgen kommt es im Alten Land zu Verkehrsbehinderungen, am Lühe-Anleger brummt das Geschäft, Tausende gucken sich - von  Wisch, Lühe und Grünendeich aus - den Havaristen an. Am Lühe-Anleger sind mehrere Buden offen, auch Sylke Oehr vom Imbiss "Wellenreiter" auf dem Ponton des Lühe-Anlegers hat extra aufgemacht. Die Gastronomie brummt, es bilden sich Staus. In einigen Restaurants war am Sonnabend mittags nur noch mit Reservierung ein Tisch zu bekommen. Neben- und Hauptstraßen wurden zugeparkt. Einige Touristen stiegen sogar auf der Brücke am Lühe-Sperrwerk kurz aus dem Auto, um Fotos zu machen.

Was sich rund um den Havaristen tut, kann auch unter www.marinetraffic.com verfolgt werden.

Der genaue Standort des havarierten Schiffes (hellgrünes Viereck):

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