02.06.2016, 09:07
Hamburgs Landstromanlage geht in Betrieb

HAMBURG. Sie kommt später als erwartet und startet mit nur einem Kunden, bleibt aber weiterhin ein Vorzeigeprojekt in Europa: Hamburgs Landstromanlage für Kreuzfahrtschiffe. Sie soll die schwimmenden Hotels im Hafen direkt mit Energie versorgen.

Die luftverschmutzenden Dieselgeneratoren können abgeschaltet werden. «Die Emissionen von Schiffen während ihrer Liegezeiten in den Häfen müssen zukünftig weiter reduziert werden», hatte Hamburgs Wirtschaftsenator Frank Horch (parteilos) in der Planungs- und Bauphase seit Mitte 2014 immer wieder betont.

Nicht alle Kreuzfahrtreedereien machen mit

Eine Forderung, die Umweltschützer seit langem stellen. Eine Aufgabe für Ingenieure, die alles andere als einfach ist. Und obendrein machen bislang nicht alle Kreuzfahrtreedereien mit. Die «Aidasol» der Rostocker Reederei Aida Cruises ist das einzige Passagierschiff, das in diesem Jahr bei sechs Besuchen in Hamburg Energie aus der Mega-Steckdose bezieht. Unter den Augen von Politikern, Ingenieuren und Kunden wird die Anlage am Freitag (3. Juni) offiziell in Betrieb genommen.

Vier weitere Schiffe könnten nach Senatsangaben ihre Bordgemeinde mit Landstrom versorgen, machen unter anderem wegen ihrer Größe jedoch an anderen Hamburger Terminals fest. Bei insgesamt 160 Schiffsanläufen 2016 in Hamburg ein kostspieliges Experiment? «Es ist ein Anfang, der hoffnungsfroh stimmt», sagt Helge Grammerstorf, der in Deutschland den Clia-Weltverband der Kreuzfahrtindustrie vertritt. Denn Investition von mehreren hunderttausend Euro in die notwendigen Installationen an Bord rechnen sich eher, je mehr Landstrom-Angebote es entlang der Routen gibt. Vorreiter weltweit sind Häfen an der US-Westküste und in Kanada. «Eine Landstromversorgung ist nicht trivial, sondern eine anspruchsvolle technische Leistung», ergänzt Grammerstorf.

Komplexe Technik mit Tücken

Für das Altonaer Terminal hat der Elektrokonzern Siemens die Versorgungsanlage entwickelt, die Stromspannungen von Land auf die erforderlichen Werte an Bord umformen kann. Als «Herzstück der Anlage» gilt der Frequenzumrichter. Außerdem wurde ein für den Tidenhub ausgelegter, fahrbarer Roboterarm entwickelt, der die Stecker der Kabel wie auf einem Tablett durch die Außenluke in das Schiff bringt.

Die komplexe Technik hatte offensichtlich ihre Tücken, die für Sommer 2015 vorgesehene Fertigstellung fiel ins Wasser. «Einige Testläufe haben länger gedauert, deshalb ist es zu Verzögerungen gekommen», zitierte das «Hamburger Abendblatt» einen Siemens-Sprecher. Im Dezember 2015 bestand die Anlage ihre Prüfungen unter Volllast, berichtet die verantwortliche Hamburg Port Authority (HPA). Sie nahm im Winter die Anlage ab, da war die Hochsaison der Kreuzfahrt vorbei.

Jährlich 24.000 Euro Fixkosten

Die Kosten für die Landstromanlage betragen nach HPA-Angaben rund 10 Millionen Euro und sind Teil des Hamburger Gesamtpakets der «Alternativen Energieversorgung Kreuzfahrt» im Volumen von 14,4 Millionen Euro zu Baubeginn. Es umfasst auch die Infrastruktur am Terminal Hafencity für die LNG-Barge, die über die Verbrennung von verflüssigtem Erdgas Strom für Schiffe liefert. Auch hierfür gibt bislang nur einen Abnehmer, ebenfalls die «Aidasol».

Für das Gesamtprojekt hat der Bund 3,7 Millionen Euro bewilligt, die EU 3,5 Millionen. Die HPA rechnet wegen einer «Unterschreitung der Projektgesamtkosten» mit einem Anteil von 6 Millionen Euro. Für den Betrieb fallen nach früheren Angaben Fixkosten von rund 24 000 Euro jährlich an sowie Kosten für eine Strom-Grundlast. Eine seriöse Kalkulation für den Betriebspreis könne sie erst nach dem Betrieb mit echten Schiffen aufstellen, teilte die HPA mit.

Wer den Altonaer Landstrom nutzt, bekommt von der HPA Rabatte beim Hafengeld. «So sollen für die Reedereien Anreize gesetzt werden, in umweltfreundliche Technologien zu investieren.» Denn ist der bisher im Hafen verbrannte Marinediesel mit 0,1 Prozent Schwefelgehalt günstiger als Landstrom, dürfte renditegetriebene Reedereien das Umschalten auf Öko-Strom aus erneuerbaren Energien schwerer fallen. Und der wird in Altona bezogen, wie die HPA versichert: «mit einem CO2(Kohendioxid)-Emissionsfaktor von Null». (dpa)

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