26.09.2016, 09:47
Migrantenclans gehen in Stade aufeinander los

STADE. Gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen zwei Großfamilien mit südländischem Migrationshintergrund führten am Sonntag zu einem Großeinsatz der Polizei in der Innenstadt. Drei Störenfriede kamen in die Zellen der Stader Wache. 

Am Nachmittag gegen 16 Uhr trafen sich 15 bis 20 Angehörige der Clans mit türkischen und libanesischen Wurzeln im Bereich Pferdemarkt. Sie sollen mit Schlagstöcken und Baseballschlägern aufeinander losgegangen sein, berichtet Polizeisprecher Herbert Kreykenbohm auf TAGEBLATT-Nachfrage. Zeugenaussagen zufolge soll auch eine Machete im Spiel gewesen sein. Hintergrund könnte ein Vorfall gegen 2 Uhr gewesen sein, dessen Hintergründe den Ermittlern noch nicht bekannt sind. Offenbar kam es bereits in der Nacht zum Streit zwischen Mitgliedern der Familien.

Die Polizei rückte an und trennte die rivalisierenden Gruppen, die in zunehmender Personenzahl vertreten waren. Weil sich gegen 17.30 Uhr wieder mehrere Dutzend Clanangehörige vor dem Zeughaus aufhielten, „hat die Polizei hochgerüstet“, erklärt Kreykenbohm. Rund 50 Beamte waren im Einsatz, einige kamen aus den Nachbarlandkreisen Rotenburg/Wümme, Harburg und Lüneburg. Nach TAGEBLATT-Informationen hatten sich alleine aus dem Harburger Umland fünf Streifenwagen mit Blaulicht und Martinshorn auf den Weg nach Stade gemacht.

Verfahren wegen Körperverletzung laufen

Das Großaufgebot habe dafür gesorgt, dass sich die Lage zunehmend beruhigt hat, sagte der Polizeisprecher. Mit richterlicher Bestätigung kamen drei Personen in die Zellen der Stader Wache. Es laufen zwei Verfahren wegen Körperverletzung. In einem Fall, der sich gegen 16 Uhr eigneten haben soll und den die Ermittler nun untersuchen möchten, sind allerdings die Namen von Täter und Opfer noch nicht bekannt. In einem zweiten Fall hat die Polizei Kenntnis von einem Verletzten, der gegen 17.30 Uhr vor einem Schnellimbiss am Pferdemarkt mit blutverschmiertem Gesicht aufgegriffen worden war. „Wir müssen jetzt die Hintergründe klären“, sagt Kreykenbohm am Montagmorgen.

Um weitere Aufeinandertreffen der gewaltbereiten Migranten zu verhindern, hielten die Beamten ihre starke Präsenz über mehrere Stunden aufrecht. Bis zum späten Abend umstellten Streifenteams die Zufahrten ins Altländer Viertel. Polizisten aus Lüneburg, Rotenburg/Wümme und Winsen hatten die Kreisel an der Steinkirchener Straße und der Jorker Straße im Blick. Sie patrouillierten mehrfach durch das multikulturell geprägte Quartier mit Wohnblöcken und Hochhäusern. Nach Aussagen von Anwohnern sollen zwischenzeitlich auch Mannschaftsbusse in dem Gebiet unterwegs gewesen sein.

Stadtbekannte Großfamilien sind weiter aktiv

Gegen 23 Uhr hatte sich die Lage beruhigt, sodass der Einsatz beendet werden konnte. Nun stehe die Aufarbeitung des Geschehens an, sagt der Polizeisprecher. In den nächsten Tagen sollen die Beteiligten befragt und vernommen werden. Insgesamt sei es in den letzten Jahren im Altländer Viertel ruhiger geworden, wenngleich die beiden stadtbekannten Großfamilien weiter aktiv seien. Zu Konfrontationen komme es eher außerhalb des Viertels. Ihre Angehörigen, die regelmäßig auf der Anklagebank der Stader Gerichte sitzen, seien zum Teil in andere Teile der Kommune gezogen. 

Die Polizei sucht Zeugen, die Hinweise über den Ablauf der Auseinandersetzungen geben können. Sie werden gebeten, sich unter der Rufnummer 04141/ 102215 zu melden. Speziell bitten die Ermittler eine ältere Dame, die vor dem Restaurant Boltes gestanden haben soll, sie zu kontaktieren. Vermutlich hat die Frau mit ihrem Smartphone Aufnahmen von dem Streit angefertigt, die den Beamten als Beweismittel dienen könnten. 

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