30.07.2016, 09:00
Trinationaler Schüleraustausch: 30 Freunde aus drei Nationen in Stade
Leserbrief

STADE. Die Trinationale Jugendbegegnung geht in eine neue Runde: Schüler aus den beiden Partnerstädten Givat Shmuel (Israel) und Goldap (Polen) waren jetzt in Stade zu Gast.

Der Austausch geht jeweils über zwei Jahre, in denen die Teilnehmer alle drei Länder kennenlernen. Die Gastgeber arbeiten ein anspruchsvolles Programm mit Workshops, Aktionen und Ausflügen aus. Je zehn Jugendliche aus den drei Städten machen mit. Sie zahlen für An- und Abreise, Unterbringung, Verpflegung und Eintritte während der Begegnungen lediglich 600 Euro, was durch die kommunale Förderung möglich wird. Auf die Besuche bereiten sich die Gruppen in ihrer Heimat bei mehreren Treffen vor.

Schüler reinigen Holocaust-Gedenksteine

Die 16- bis 17-Jährigen kamen während ihres zehntägigen Aufenthalts in Deutschland in den Familien der Stader Teilnehmer unter. Partnerschaftsbeauftragte Karina Holst aus dem Rathaus hat das Ausflugsprogramm mitkonzipiert. Dazu gehörte auch eine Führung durch die historischen Gassen. Die Gruppe stellte fest, dass die im Pflaster verlegten Stolpersteine, die an Holocaust-Opfer erinnern, verdreckt sind. Kurzerhand organisierten sie eine Reinigungsaktion. Sich in den jeweiligen Orten sozial zu engagieren, ist Teil des Programms. In den vergangenen Jahren haben die Jugendlichen zum Beispiel Rote Beete geerntet und an Bedürftige gespendet oder in einem Kindergarten ein Kunstprojekt auf die Beine gestellt.

Emotionale Erlebnisse für die Schüler

Mit Lappen und Putzmittel zogen sie nun durch Stade, machten in der Insel- und in der Salzstraße Halt, wo Metallplaketten unter anderem die Lebensdaten der Schneiderin Johanna Schragenheim zeigen, die wegen ihrer jüdischen Wurzeln 1942 in Theresienstadt ermordet wurden. Während die Gruppe vor ihrem einstigen Wohnhaus stand, übersetzte Betreuer Lars Peglau die Leidensgeschichte der Frau ins Englische. Plötzlich schwiegen die Teilnehmer, nur der Verkehrslärm durchbrach die Stille. Ein emotionales Erlebnis für die Schüler war auch der Besuch der Gedenkstätten in Bergen-Belsen und Sandbostel. Die Jugendlichen bereiteten eine Zeremonie zu Ehren der während der NS-Herrschaft getöteten Juden vor. Das gemeinsame Erinnern und Trauern helfe, die Vergangenheit aufzuarbeiten, sagt Organisationsleiterin Holst.

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