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| Thomas B. Morgenstern setzte sich literarisch auf die Spur des Hochstaplers, Betrügers und Deichbauers Jacob Ovens. Foto Bissinger |
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Das Porträt eines Halunken
Ganz neu: Thomas B. Morgensterns historische Kriminalerzählung "Jacob Ovens"
Sabine Bissinger. DROCHTERSEN.
In der Realtität möchte wohl niemand mit einem Typen, wie ihn der Drochterser Autor Thomas B. Morgenstern in seinem gerade erschienenen Buch vorstellt, etwas zu tun haben. Als historisch-literarische Figur liefert "Jacob Ovens", so der Buchtitel, spannende Unterhaltung. Schon der Untertitel "Hochstapler - Betrüger - Deichbauer" gibt den Hinweis: Hier ist das Porträt eines ausgemachten Halunken dokumentiert.
Jacob Ovens hat es wirklich gegeben. Er kam Ende des 17. Jahrhunderts in Dithmarschen zur Welt und seine Spur verliert sich - nach Verhaftung und Folter - 1726 mit seiner Einkerkerung ins Zuchthaus von Celle. Dazwischen liegt ein Lebensweg, der geleitet war von Streben nach Besitz und gesellschaftlicher Anerkennung, von Hochmut und Größenwahn, Gottlosigkeit, Dominanz und Menschenverachtung. Aber auch geleitet vom geistigen Aufbruch in eine neue Zeit, in der individuelles Denken sich in wissenschaftlichen Experimenten und technischen Erfindungen niederschlug.
Jacob Ovens wirtschaftet den elterlichen Bauerhof innerhalb kurzer Zeit in den Ruin. Mit Akribie widmet er sich nicht nur der Pflege seines Rufs als Schönling und Frauenheld, sondern: der Konstruktion von Mühlen. Auch ein von ihm entwickelter Schlammbagger hatte in Hamburg Erfolg. Mit messerscharfem Sinn fürs Opportune laviert sich Ovens mit hochfliegenden Plänen durch Amts- und Regierungsstuben, in Kopenhagen und London, Hannover und in Stade.
So wird er nach der verheerenden Weihnachtsflut von 1717 mit der Schließung des Deichbruchs in Wischhafen beauftragt, ein Projekt, das er großspurig, aber ohne große Qualifikation angeht, und das in erneuten Sturmfluten untergeht, mit ihm viel Geld und auch Jacob Ovens selbst.
In einer - wohl gefälschten - 1724 erschienenen Biografie Jacob Ovens' hat Thomas Morgenstern sein Thema gefunden. Und er präsentiert es in origineller Form: Fiktive Zeitzeugen schildern das jeweilige Wirken Ovens - der Pfarrer, die Schwester, die verlassene Ehefrau, ein Hamburger Baumeister, ein Kehdinger Landrat und viele andere. Zwischen deren Aussagen erläutert ein Erzähler das Geschehen.
So entsteht ein literarisch anspruchsvolles, spannend zu lesendes Porträt eines windigen Hallodris, dessen Höhenritt durch Unverfrorenheit gelang, dem aber auch naive Gläubiger, zerstrittene Auftraggeber und gierige Wegbegleiter die Steigbügel hielten.
Der Autor und sein Werk
Thomas B. Morgenstern (57) betreibt ökologische Landwirtschaft im Aschhorner Moor und schreibt Bücher. Er startete mit Literatur für Kinder. 2005 veröffentlichte er mit „Der Milchkontrolleur“ seinen ersten Kriminalroman, der ein großer Erfolg wurde und für den der Autor den Osteland Kulturpreis erhielt. 2008 folgte – ebenfalls im MCE-Verlag – „Der Aufhörer“, in dessen Mittelpunkt erneut der Milchkontrolleur Almers als Ermittler steht. Mit „Jacob Ovens“ begibt sich Morgenstern auf für ihn schriftstellerisches Neuland: die Mischung von historischer Authentizität und literarischer Fiktion ergibt das vielschichtige Porträt einer schillernden Figur in einer spannenden Zeit.
Thomas B. Morgenstern: „Jacob Ovens. Hochstapler – Betrüger – Deichbauer“. Gebundene Ausgabe, MCE-Verlag Drochtersen 2009. 160 Seiten, 13,90 Euro.
www.medien-contor-elbe.de
10.10.2009
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