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| Die Sturzgefahr geht mit: Der Parkplatz am Stadeum ist völlig vereist und nahezu unpassierbar. Foto Stief |
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Der blanke Wahnsinn auf den Wegen
Viele Bürgersteige, Straßen und Plätze sind vereist und spiegelglatt - Kommunen erinnern Bürger an die Streu- und Räumpflichten
LANDKREIS.
Gelegentlich scheinen die Nerven der Menschen so blank zu liegen wie das Eis, über das sie sich bewegen: Immer mehr Leser beklagen sich über vereiste Straßen, über nicht gestreute Bahnhöfe. Auf der anderen Seite weisen die Kommunen die Kritik zurück und erinnern die Bürger an ihre Streupflichten. Beide Seiten klagen über mangelnde Streumittel, teilweise ist in den Supermärkten das Speisesalz ausverkauft.
Besonders auffällig in Sachen Bürgerschelte ist derzeit die Gemeinde Jork. Die Diskussion hat dazu geführt, dass die Verwaltung einen eigenen Mitarbeiter beauftragt hat, der kontrolliert, ob Bürger ihrer Räumpflicht nachkommen. Er macht Fotos, die Sünder bekommen einen roten Zettel als Gelbe Karte und letzte Ermahnung. Die ersten Ergebnisse: "Es scheint zu wirken", sagt Werner Gerdes vom Ordnungsamt.
Andere Gemeinden, wie Buxtehude halten sich eher zurück. Das trifft nicht nur auf Zustimmung. Beispiel Buxtehude: Heinz Henning Jürges, Vorsitzender des Vereins Haus & Grund, hat den städtischen Bauhof aufgefordert, stärker an das Pflichtbewusstsein der Bürger zu appellieren, säumige Anlieger zu ermahnen. Nicht nur in Jork, auch in anderen Städten, habe das Erfolg gehabt. Einen Tag später sei das Problem in der Regel erledigt, die Straßen gereinigt oder abgestreut.
Ein Problem dabei ist der Mangel an Streumitteln. Streusalz ist in den Geschäften schon seit Tagen kaum noch zu bekommen. Inzwischen greifen die Bürger sogar auf Speisesalz zurück. Marktkaufleiter Hartmut Holst aus Buxtehude bestätigt, dass die Bestände inzwischen knapp sind. Einige ältere Kunden kauften in der Not gar Spülmaschinensalz, um damit die Gehwege zu streuen. Das sei zwar durchaus geeignet, aber wie der Glanzeffekt des Salzes sich auswirke, wisse Holst nicht. Überhaupt nicht glänzend stehen nach Ansicht vieler Leser die Gemeinden da. Bevor sie die Bürger ermahnten, sollten sie mit gutem Beispiel selbst ihrer Reinigungspflicht nachkommen, schreibt Jürgen Sommer aus Apensen mit Blick auf die Gemeinde Jork (siehe Leserbriefe 2. Lokalseite). Zumindest die beiden Städte behaupten von sich, ihre Pflichten noch weitgehend zu erfüllen. "Wir machen lieber ein bisschen mehr als zu wenig", sagt Matthias Riepe, Betriebsleiter der Kommunalen Betriebe Stade (KBS). Dennoch räumt er ein, dass hin und wieder mal etwas von den 70 Mann, die maximal im Einsatz sind, vergessen werde.
Schlecht geräumt und gestreut sind zahlreiche Radwege in Stade, die auch von Schülern zu den Schulzentren benutzt werden. Der Radweg am Hohenwedeler Weg ist eine fast durchgängige Eisbahn. Bei kombinierten Rad- und Fußwegen seien die Anlieger zuständig, sagt Riepe. Der Fischmarkt ist weitgehend vereist. Aber die Hauptverkehrsstraßen seien "schwarz", das heißt schnee- und eisfrei. Der Rest werde abgestreut.
Dass dabei dicke Eisplatten stehenbleiben, ist auch Torsten Voß, Leiter des Buxtehuder Betriebshofes klar. Er verweist darauf, dass viele Anlieger in Wohnstraßen nicht wüssten, dass sie für die Reinigung der Straßen und nicht nur der Gehwege zuständig sind (Straßenreinigungssatzung bei www.buxtehude.de). Manchen sei allerdings auch eine festgefahrene Schneedecke lieber.
Ob die beiden Kommunen in den nächsten kalten Tagen ihren Pflichten noch nachkommen können, hängt nicht zuletzt davon ab, ob sie noch genug Streumittel haben. Neue Lieferungen sind in beiden Städten für Dienstag angekündigt. Matthias Riepe aus Stade: "Ich glaube aber erst daran, wenn es wirklich da ist."
Drei gute Taten gegen den Frost
In eisigen Zeiten sind kreative Ideen gefragt. Der Lüneburger Bürgermeister hatte am schneereichen Daisy-Wochenende am 9. und 10. Januar seine Bürger zum kollektiven Schneeschippen aufgerufen, um Gehwege und Straßen zu räumen. Nach Auskunft seiner Pressesprecherin Suzanne Moenck hatte dies gut funktioniert. Bauern und Feuerwehren mit entsprechendem Gerät waren da im Einsatz.
Die Feuerwehren in der Samtgemeinde Horneburg sind am Sonntag das Eisproblem angegangen. Dort packte die gesamte Wehr mit an, um in einer spontanen Aktion die Straßen in allen Mitgliedsgemeinden abzustreuen.
Im Falle eines erneuten Wintereinbruchs mit heftigen Schneefällen halten sich im Flecken Freiburg Schüler einer 9. Hauptschulklasse bereit. Sie wollen vor allem älteren Bürgern ihre Hilfe beim Schneeschippen anbieten – gegen eine Spende für ihr Haiti-Projekt. (sh) (rsu)
09.02.2010
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