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Es ist nicht zu übersehen: Arnim Vittinghoff liebt seine Bonsais. Hier zupft er mit der Bonsai-Schere vorsichtig ein Blättchen aus einer 30-jährigen chinesischen Ulme.  Fotos: Knappe
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Es ist nicht zu übersehen: Arnim Vittinghoff liebt seine Bonsais. Hier zupft er mit der Bonsai-Schere vorsichtig ein Blättchen aus einer 30-jährigen chinesischen Ulme. Fotos: Knappe
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Schnipp-schnapp – Zweiglein ab


Bonsai-Freak Arnim Vittinghoff aus Helmste sieht seinen Bäumen liebend gerne beim Wachsen zu

Helmste. Otto Normalverbraucher ist stolz auf üppig wachsende Pflanzen: Was ewig klein bleibt, „mickert“ vor sich hin. Arnim Vittinghoff aus Helmste tickt anders. Er beobachtet zwar gerne seine Bäume und Gehölze beim Wachsen und das mit Andacht und Ausdauer – aber groß werden, das sollen sie nicht. Sondern, im Gegenteil, schön klein bleiben.

Denn Vittinghoff ist Bonsai-Freak. „Die Ehrwürdigkeit des Baumes“ – die fasziniert ihn. Nachdem der 53-Jährige vor drei Jahren seinen Angestellten-Job in einem Möbelhaus verlor, hat er sich 2004 mit seiner Bonsai-Stube selbstständig und sein Hobby zum Beruf gemacht. Seinen Lebensunterhalt könnte er davon zwar noch nicht bestreiten. Aber es macht Spaß. Als junger Selbstständiger in Sachen Bonsai bietet der Helmster Pflanzen, Zubehör, Pflegetipps, Schnitt und Urlaubspflege an, steht mehrmals in der Woche vor Verbrauchermärkten in Harsefeld, Stade und Buchholz.
„‘Bonsai‘ bedeutet eigentlich ‚Baum in der Schale‘“, erläutert Vittinghoff. Die chinesische Tradition ist älter als 1000 Jahre und wurde später in Japan weiterentwickelt: Normale Pflanzen, Bäume oder Gehölze, werden regelmäßig so geschnitten, dass sie klein bleiben und dabei doch formschön die ursprüngliche Wuchsform widerspiegeln. Auch das Wurzelwachstum dieser Miniaturgewächse passt sich über die Jahre hinweg langsam dem kärglichen Raumangebot an. Bonsais können mehrere 100 Jahre alt werden und wurden traditionell von Generation zu Generation weitergegeben.
Vor etwa 20 Jahren – bei einem Besuch im Heidelberger Bonsai-Museum – fing Arnim Vittinghoff Feuer. Er gestaltete seine ersten Bonsais. „Erst habe ich wie ein Gärtnerlehrling Stecklinge im Wald gesammelt, später halbfertige Bonsais oder gedrungene Pflanzen aus Gärtnereien geholt, die dort sonst auf dem Müll gelandet wären“. „Man kann fast aus allen Bäumen und Gehölzen einen Bonsai gestalten“, sagt Vittinghoff und zählt auf, welche Pflanzen er schon zur Miniatur gemacht hat: Unter anderem Kiefern, Teebäume, Buchen, Birken, Ulmen, Pfennigbäume, Wacholder, Olivenbäume, Pfefferbäume, Fuchsien, Pistazien. „Von Haus aus sind Pflanzen mit kleineren Blättern besser geeignet. Bei europäischen und asiatischen Nadelgehölzen bevorzuge ich deshalb meist die asitatischen, weil die kleinere Blätter haben. Kastanien eignen sich weniger als Bonsai: Die riesigen Blätter und der kleine Baum – da stimmen die Proportionen nicht“, erzählt Vittinghoff. Die ersten zwei bis vier Jahre lang darf die Pflanze „normal“ wachsen. Dann kommt der erste Schnitt. Dort, wo die Spitze gekappt wird, wächst der Baum einige Jahre lang neu aus, da muss sorgsam nachgeschnitten werden. „Wichtig ist, dass man das Wuchsbild, das man erzielen will, vorher schon im Kopf hat. Ich habe es mir manchmal auch auf ein Blatt Papier skizziert“, verrät Vittinghoff.
Das A und O sind der richtige Schnitt, regelmäßiges Umtopfen und Jahre der Geduld. Gedüngt wird normal, bloß Stickstoff-Gaben werden stark reduziert. „Am Anfang war ich noch sehr ungeduldig. Und habe auch manchen Baum verschnitten. Das ist so bei Anfängern. Dann habe ich gelernt abzuwarten.“
Jetzt, als Bonsai-Profi, beobachtet er manchmal über Wochen, wo und wie seine Bäumchen treiben, und überlegt dabei, welche Blättlein und welche Triebe mit der Bonsai-Schere geschnitten beziehungsweise „herausgezupft“ werden.
Manche Zweige werden für eine Wuchsperiode mit Drähten in Form gebogen oder mit Bleigewichten beschwert, damit sie später herabhängen: „Bei großen Bäumen hängen beispielsweise die unteren Zweige oft herunter“.
Das soll bei der Miniatur-Ausgabe nachempfunden werden. Dem asiatischen Vorbild entsprechend werden aus Hauptästen oft mehrere „Etagen“ gestaltet; eine ungerade Zahl sollte es möglichst sein. Es gibt diverse Formen, von der Besenform bis zum Bonsai-Wald mit mehreren Pflanzen in einer Gruppe. Nadelgehölze gelten als besonders schwierig im Schnitt.
Bonsai-Freunde treffen sich gerne, um dann zusammen über den passenden Schnitt für einen mitgebrachten Baum zu beraten: Form-Ästheten unter sich.
Inzwischen hat Vittinghoff um die 200 Bonsais, darunter mehr als 20 verschiedene Sorten. Auf 36 Jahre bringt es sein roter Fächerahorn. Und ist immer noch ein Baby-Bonsai im Vergleich zu manchen 500 Jahre alten Miniaturen. Bonsais sind wertvoll: Zwar bietet Vittinghoff absolute Jungpflanzen schon ab sieben Euro an. Aber die 30-jährige chinesische Ulme würde schon um die 600 Euro kosten, der 36-jährige Fächer-ahorn 1000 Euro. Die Preise für Bonsais richten sich nach Alter, Form und Wüchsigkeit der Pflanzen. „Einige Sammler verstecken ihre schönsten Stücke auch, weil sie so wertvoll sind, bis zu 10 000 Euro kosten“, weiß Vittinghoff.
Ganz wichtig: Bonsais in ihren kleinen Töpfen dürfen nicht austrocknen. Einen Spruch von Ratsuchenden hat er schon oft gehört: „‘Ich hatte auch mal einen Bonsai, der ist aber eingegangen‘.
Das kommt daher, weil in den Supermärkten schnell hochgepowerte und früh gekappte Importware aus Asien angeboten wird, die oft lange in den Märkten steht, wo sie nicht entsprechend gepflegt wird. Außerdem landen viele Bonsais wie andere Topfpflanzen in der Wohnung, obwohl sie nach draußen gehören und die Käufer wissen nichts über die Pflege“ , so Vittinghoff. (knk)

27.07.2005

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