 |
 |
| So ein lebendiges Museum macht (noch?) vielen Menschen Freude: Oldtimertreffen in Drochtersen. Foto: Kanitz-Kabel |
 |
Der Steuer-Schock aus Berlin
Wilfried Heidhoff warnt: Oldtimerbesitzer sollen noch mehr zur Kasse gebeten werden
Kreis Stade (mk). .
Oldtimerbesitzer erfreuen zahlreiche Menschen mit dem Anblick ihrer historischen Fahrzeuge im Straßenverkehr, bei Treffen und Rallyes. Jetzt droht Liebhabern dieses schönen Hobbys Ungemach aus Berlin.
Nach der jüngsten Steuererhöhungsorgie soll es nun auch dem Kulturgut auf zwei und vier Rädern an den Kragen gehen.
Wilfried Heidhoff aus Assel, Organisator des Oldtimertreffens beim alljährlichen Blütenfest in Drochtersen und selbst Eigner historischer Fahrzeuge, warnt: „Verlieren werden viele – die Oldtimerbesitzer, die Oldtimerfreunde, und viele gute Ideen in Gemeinden für Veranstaltungen werden damit erledigt sein. Die Bereitschaft der Oldtimerfreunde, ihre Schätze auch weiterhin zu erwerben und zu unterhalten, wird abnehmen.“
Hintergrund sind Pläne des Bundesverkehrsministeriums, die Anforderungen für das H-Kennzeichen erneut drastisch zu verschärfen. Dann dürften nur noch Fahrzeuge in den Genuss dieses relativ steuergünstigen Kennzeichens gelangen, die sich in einem guten Pflege- und Erhaltungszustand befinden, so der Bundesverband für Clubs klassischer Fahrzeuge (Deuvet).
Sie dürfen maximal leichte Gebrauchsspuren aufweisen. Reparaturen oder Unfallschäden dürfen nicht erkennbar sein.
Eine Nichteinhaltung der erforderlichen neuen Zustandsnote soll im Ergebnis zu einem Wegfall der H-Zulassung und damit zu einem Verlust der steuerlichen Förderung kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes führen.
Über 120 000 H-Kennzeichen seien akut gefährdet, rechnet der Deuvet, wenn die neue Klassifizierung mit Inkrafttreten der neuen Fahrzeugzulassungsverordnung zum 1. März 2007 eingeführt wird.
Nach Schätzung mehrerer Experten könnten dann bis zu 80 Prozent aller Oldtimer, die heute ein H-Kennzeichen haben, künftig leer ausgehen und damit vom Oldtimer zum alten Gebrauchsfahrzeug mutieren.
Heidhoff kritisiert: „Große Museen wie in Berlin werden gefördert, die Museumsinsel oder das Pergamonmuseum kosten den Staat sehr viel Geld. Und wer kann schon häufig aus unserer Region diese Museumswelt besichtigen?“
Vielmehr sollten doch die rollenden Museumsstücke, die in unserer Region lebendige Einblicke in die Vergangenheit bieten, mit vertrtetbarem Aufwand erhalten werden – zur Freude der Besitzer und der Betrachter.
Das JOURNAL präsentiert regelmäßig Menschen mit ihren rollenden Schätzen. Das muss nicht der perfekt restaurierte Oldtimer-Mercedes sein: Ob Moped oder Traktor, Lkw oder Auto – Hauptsache, der rollende Untersatz ist alt und wird heiß und innig geliebt. Das darf gern der schon in die Jahre gekommene VW Käfer, Opel Kadett oder Ford Scorpio von nebenan sein, dessen Lack nicht mehr richtig glänzt, der aber seiner Besitzerin oder seinem Besitzer treu und brav dient, das dürfen Fahrzeuge aus deutscher oder ausländischer Fertigung sein, die ein Stück Geschichte repräsentieren und Geschichten zu erzählen haben. Wer mitmachen möchte, kann sich beim JOURNAL unter dem Stichwort „Motor“, Glückstädter Straße 10, 21682 Stade, Fax 0 41 41/ 93 62 88, E-Mail: motor@tageblatt.de bewerben.
12.07.2006
|