Der Rückkehrer will den Titel
Weitspringer Nils Winter startet am Sonnabendnachmittag bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften in Karlsruhe
Hamburg/Buxtehude.
Mehr als vier Monate harter Trainingsarbeit hat er hinter sich - jetzt will er die Saat einholen. Die Deutschen Hallenmeisterschaften an diesem Wochenende in Karlsruhe sind der erste sportliche Höhepunkt für Weitspringer Nils Winter seit dessen Rückkehr zum Buxtehuder SV. Obwohl die Vorbereitung nicht optimal verlief, hat er Medaillenchancen. Der Titel liegt im Bereich des Möglichen. Das TAGEBLATT besuchte den Vize-Europameister des Vorjahres bei seinem Abschlusstraining in Hamburg-Winterhude.
Bereits vor dem ersten Satz in die Karlsruher Weitsprunggrube am Sonnabendnachmittag ist die Stimmung bei Nils Winter meisterlich. Während des Abschlusstrainings mit Weitsprung-Bundestrainer Uwe Florczak wird in der Hamburger Leichtathletik-Halle viel gelacht. Der Flachs blüht. Unmittelbar vor dem Wettkampf wirkt Weitspringer Nils Winter locker und gelöst. "Die Woche vor den Deutschen ist immer die schönste", sagt Nils Winter und grinst. Vergessen die knüppelharten Trainingswochen im Herbst mit endlosen Waldläufen und Sprints zum Aufbau der Grundlagenausdauer - "weniger ist mehr" lautet nun Winters Motto. Anstatt wie üblich 18 Stunden in der Woche trainiert der Buxtehuder unmittelbar vor dem Saison-Höhepunkt gerade einmal fünf. Unter Anleitung von Bundestrainer Florczak wurde an den vergangenen Tagen nur noch am Feinschliff gefeilt.
Viel zu Lachen gab es für Nils Winter in diesem Jahr bisher nicht: 7,58 Meter beim internationalen Meeting Ende Januar in Karlsruhe und 7,42 Meter eine Woche später in Stuttgart - die Ergebnisse der aktuellen Hallensaison sind durchwachsen. Gerade einmal acht Wettkampfsprünge hat Winter im Vorfeld der Meisterschaften absolviert. Das sind rund ein Dutzend weniger als zum selben Zeitpunkt im Vorjahr, als er mit einer Weite von 7,99 Meter national Dritter wurde und nur zwei Wochen später mit seiner persönlichen Bestleistung von 8,22 Meter gar zur Vize-Europameisterschaft sprang. "Im vergangenen Jahr hat einfach alles gepasst", sagt Winter.
Von diesen Weiten ist Winter zurzeit ein ganzes Stück entfernt. Eine muskuläre Verletzung in der linken Wade bremste den Trainingseifer des ehrgeizigen Sportlers zuletzt aus. Eine Standortbestimmung fällt deshalb schwer. "Ich weiß selbst nicht so genau, wo ich stehe", sagt der 32-Jährige. Damit er in Karlsruhe in den Kampf um die Medaillen eingreifen kann, muss alles stimmen. An die acht Meter, glaubt Uwe Florczak, seien für den Sieg nötig. Eine Weite, die der Bundestrainer seinem Schützling aber durchaus zutraut. Florczak: "In den letzten Trainingseinheiten hat er einen sehr guten Eindruck gemacht." Einen Favoriten sieht Florczak nicht. Dafür sei die Leistungsdichte in Deutschland zu hoch.
Winters größter Trumpf bei den Deutschen Meisterschaften ist seine Erfahrung. Insgesamt vier Mal stand er bei nationalen Titelkämpfen ganz oben auf dem Treppchen - zwei Mal davon in der Halle. Winter ist ein Wettkampftyp. "Ich fahre nicht zur Deutschen, um Vierter zu werden", sagt er. Ob er sich auch Chancen auf den Titel ausrechnet? "Daran glaube ich fest."
Bewegte Bilder der Deutschen Hallen-Meisterschaften der Leichtathleten sind am Sonnabend und Sonntag live im Internet zu verfolgen. Der Wettkampf der Weitspringer startet am Sonnabendnachmittag um 14.15 Uhr. Ein Live-Stream wird angeboten auf
www.leichtathletik.tv (stu)
Dt. Bestenliste 2010
1. Christian Reif 7,89 Meter
2. Lucas Jakubczyk7,88 Meter
3. Remigius Roskosch 7,59 Meter
4. Nils Winter 7,58 Meter
4. Marcel Kirstges 7,58 Meter
6. Christoph Stolz 7,57 Meter
7. Patrick Rädler 7,56 Meter
8. Christian Böhm 7,55 Meter
8. Simon Bräuchle 7,55 Meter
10. Christ. Kaczmarek 7,51 Meter
Deutscher Hallenrekord (2009):
Sebastian Bayer 8,71 Meter
27.02.2010
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