TAGEBLATT-Leserbrief
18.05.2009 17:59
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Umwerfende Erkenntnisse
Stefan Kruijer, Kalmarweg in Stade schreibt zum Interview mit Landrat Roesberg „Der Klimawandel geht jeden an“ vom 14. April, zum Artikel „Umwelt schützen“ vom 28. April und zum „Bericht zum kommunalen Klimaschutz im Landkreis Stade“
(Leserbrief erscheint am 19. Mai 2009 im Stader TAGEBLATT):
Haben Sie schon mal versucht mit einem Eimer Wasser ein brennendes Haus zu löschen? Wohl eher ein hoffnungsloses Unterfangen. Was aber, wenn das jemand macht, der das Haus zuvor selbst angezündet hat? Das kommt einem, vorsichtig formuliert, doch seltsam vor. Und wenn sich der Brandstifter jetzt noch in aller Öffentlichkeit hinstellt und die Anschaffung des Eimers als neuste Innovation anpreist und sich auch noch applaudieren lässt, dass er die Brandbekämpfung revolutioniert hat? Spätestens jetzt sollte man entweder am eigenen, besser aber wohl am Verstand des vermeintlichen Super-Feuerwehrmanns zweifeln.
Sehr ähnlich kommt mir aber das vor, was ich in den letzten Wochen lesen musste, nachdem der Landkreis Stade seinen „Bericht zum kommunalen Klimachutz“ vorgestellt hatte. Begleitet von einem Interview mit dem Landrat und einer Ausstellung „Global denken – regional handeln“ wird dieser Bericht beworben. Da muss man dann solche umwerfenden Erkenntnisse lesen, wie zum Beispiel, dass es gut fürs Klima ist, wenn die Menschen mehr Busse und Bahnen oder sogar mal das Fahrrad benutzen. Wahnsinn. Gut, dass mal endlich jemand diese Erkenntnis gewonnen hat. Was würden wir nur ohne diesen Bericht machen?
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Jede der dort aufgeführten Maßnahmen wird von mir begrüßt, da jeder noch so kleine Beitrag helfen kann, unser Klima zu retten. Aber angesichts von drei Kohlekraftwerken, die im Kreis Stade geplant sind (und politisch unterstützt werden), und die zusammen jährlich über 15 Millionen Tonnen CO2 produzieren würden, erscheinen einem alle anderen Maßnahmen wie ein Tropfen auf den heißen Stein.
Da tut es doch gut zu lesen, dass der Landrat selbst anscheinend den Versuch aufgibt, sich als verantwortungsvoller Politiker darzustellen. Zitat: „Eines aber steht für mich fest: Im Alten Land wird es keine weiteren Windkraftwerke geben.“ Eben, denn Kohlekraftwerke mit 120 Meter hohem Kesselhaus, 180 Meter hohem Schornstein und 200 Tonnen Feinstaub-Emission pro Jahr fügen sich viel idyllischer in unsere Tourismusregion Altes Land als so ein Windrad.
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