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TDesaster abgewendet: Statik-Debakel bringt Schulpläne im Alten Land ins Wanken

Die Grundschule in Hollern konnte nicht wie geplant umgebaut und erweitert werden.

Die Grundschule in Hollern konnte nicht wie geplant umgebaut und erweitert werden. Foto: Vasel

Die Samtgemeinde Lühe wollte bis zum Sommer 2026 einen Grundstein für die Ganztagsbetreuung legen. Pustekuchen. Was ist passiert?

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Von Steffen Buchmann
Samstag, 03.01.2026, 09:50 Uhr

Steinkirchen. Wohl kaum ein Thema sorgte in der Samtgemeinde Lühe im vergangenen Jahr für so viel Wirbel wie die Zukunft der Schulen. Dabei sah es im Mai zunächst noch so aus, als könnte die Samtgemeinde ihren Plan, die Grundschule in Hollern für den Ganztag zu sanieren, umsetzen. Doch es kam anders.

Die Samtgemeinde unterhält derzeit drei Grundschulen: die Appelsnut Grundschool in Hollern-Twielenfleth, die Grundschule in Guderhandviertel und die Grundschule in Steinkirchen. Verwaltung und Politik prüften in den vergangenen Jahren intensiv, wie ganztagstauglich diese Grundschulen sind. Denn ab dem 1. August 2026 haben bundesweit alle Erstklässler einen Rechtsanspruch auf täglich acht Stunden Unterricht und Betreuung in der Schule. Die Länder wollen so eine Betreuungslücke schließen, die meist nach der Kita-Zeit für Familien entsteht.

Mangelhafte Statik bringt Schulpläne ins Wanken

Alle drei Grundschulen sollten für den Ganztag fit gemacht werden, um den Rechtsanspruch schrittweise ab 2026 erfüllen zu können. Das hatte der Samtgemeinderat bereits 2023 beschlossen. Die Grundschule in Hollern-Twielenfleth sollte hierfür ursprünglich umgebaut und erweitert werden, mit der Fertigstellung wurde im Sommer 2026 kalkuliert. Kostenpunkt: Rund 12,5 Millionen Euro.

Doch am 19. Mai 2025 zog der Samtgemeindeausschuss plötzlich die Notbremse bei dem Bauprojekt. Aktuelle Untersuchungen am Mitteltrakt der Grundschule hatten erhebliche Mängel in der Statik gezeigt, die einen Umbau für die Samtgemeinde unwirtschaftlich gemacht hätten. Die Geschossdecken waren nur 5 anstatt der angenommenen 16 Zentimeter dick. Zudem hätten Brand- und Schallschutzvorgaben nicht erfüllt werden können. Die Standsicherheit des Gebäudes und der aktuelle Schulbetrieb sei jedoch nicht gefährdet, wie der Landkreis Stade im Juli nach einer Prüfung mitteilte.

Schuldebatte flammt erneut auf

Die Planung lag danach wochenlang auf Eis, und die Debatten um die Schulstandorte nahmen in der Politik wieder Fahrt auf. So trat etwa Anfang Juli trotz Sommerferienzeit der Schulausschuss zusammen, wo Ratsmitglied Nicola Hahn (FDP) die Entscheidung für drei Schulstandorte erneut infrage stellte. Ihr Alternativvorschlag: eine vierzügige Grundschule für alle Schüler der Samtgemeinde an einem zentralen Standort. Als Begründung nannte sie die „maroden Finanzen“ der Kommune.

Unter den Augen einer Besuchertribüne voller Eltern diskutierten die Ratsmitglieder über die Zukunft der Schulen. Hahns Antrag fand letztlich keine Mehrheit, die Samtgemeinde hielt an den drei Standorten fest. Es war eine von vielen Debatten, die sich bis in den Herbst durch Rats- und Ausschusssitzungen zogen.

Zeitplan längst nicht mehr haltbar

Im Oktober hatten Politiker und Architekten nach etlichen Runden einen neuen Vorschlag ausgearbeitet: Die sogenannte Variante 2b-neu (Süd) soll in Hollern umgesetzt werden - im Grunde ein Neubau auf alter Fläche, ergänzt um eine Erweiterung für acht Klassenräume.

Doch der ursprüngliche Zeitplan ist längst nicht mehr zu halten: Das Architektencontor Agather Oschkinat Bielenberg aus Hamburg rechnet mit den Unterrichtsstunden in der neuen Ganztagsschule nach den Weihnachtsferien 2029/2030. Zumal sich die Frage stellte: Wohin mit den Schulkindern während des Umbaus? Kurzzeitig stand für den Übergang eine Containerschule in Steinkirchen im Raum.

Containerschule ist vom Tisch

Mit einer knappen Mehrheit entschied sich die Politik im Oktober jedoch für die günstigere Interimslösung an der Alten Schule in Hörne. Dort war von 1971 bis 2024 eine Kita untergebracht. Neuer Kostenpunkt für den Neubau und die Übergangslösung: 17,1 Millionen Euro.

Ein dicker Brocken im Haushaltsplan, zumal für die Grundschule in Steinkirchen bis 2027 voraussichtlich 3 Millionen Euro und für die Schule in Guderhandviertel noch mal rund 10 Millionen Euro bis 2029 im Haushalt eingeplant wurden - und das trotz leerer Kassen und fehlender Rücklagen.

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