TEssen in Gemeinschaft – ein Angebot für Singles und Senioren
Udo Feindt mit den beiden ältesten Gästen in der Runde, Vera und Gerhard Schönfeld. Foto: Felsch
In Jork is(s)t keiner allein. Und das seit 2016. Vor zehn Jahren entwickelten Udo Feindt und Pastor Paul Benjamin Henke die Idee zu einem Mittagstisch im Gemeindehaus.
Jork. Kurz vor 12 Uhr. Der Parkplatz draußen füllt sich langsam, aber stetig. Die ersten älteren Herrschaften treffen ein, begrüßen die ehrenamtlichen Helferinnen und nehmen an den liebevoll eingedeckten Tischen im Gemeindesaal Platz.
Sie haben den Mittagstisch ins Leben gerufen: Pastor Paul Benjamin Henke (rechts) und Udo Feindt (links). Foto: Felsch
Dagmar Barg ist eine von den rund 40 Gästen, die sich lebhaft unterhalten und gespannt sind, auf das, was heute serviert wird. „Das Essen vom Restaurant Kirchenland schmeckt einfach hervorragend“, schwärmt sie.

Dagmar Barg freut sich, dass sie nicht alleine essen muss. Foto: Felsch
„Und man hat nette Gespräche, trifft Bekannte oder neue Leute. Nur in der Bude alleine hocken, das ist doch nichts“, fügt die 88-Jährige hinzu, die oft und gern auch draußen ist, am liebsten an der Elbe. Zu Fuß ist sie dann unterwegs, wie auch zu dem einmal im Monat stattfindenden Mittagstisch im Gemeindehaus von St. Matthias. „Ich habe es ja nicht so weit von der Borsteler Reihe“, freut sie sich.
Die Ältesten sind über 90 Jahre und von Anfang an dabei
Ihr gegenüber sitzt Alfred Jakubik, zum ersten Mal ist der 87-Jährige dabei. „Der Pastor hat mich eingeladen, und da meine Frau gerade im Krankenhaus ist, wollte ich das mal ausprobieren“, sagt Jakubik, dem es so gut gefällt, dass er wiederkommen will – dann mit seiner Ehefrau.

Alfred Jakubik ist zum ersten, aber nicht zum letzten Mal dabei. Foto: Felsch
Hildegard Lefers aus Ladekop ist Stammgast – so wie die anderen Damen am Achter-Tisch, die angeregt in Gesprächen vertieft sind. Warum sie hier sind? „Die Gesellschaft und das gute Essen“, sagen alle wie aus einem Mund. „Schmeckt doch gemeinsam besser als zu Hause alleine“, bringt es die 86-jährige Lefers auf den Punkt.

Hildegard Lefers (vorne) mit dem ältesten Paar Vera und Gerhard Schönfeld. Foto: Felsch
Mit anderen zu klönen – das ist ein Grund für Bärbel (80) und Helmut Kott (83). „Brauch‘ ich nicht zu kochen“, nennt Bärbel Kott kokett den zweiten. „Und ich nicht abwaschen“, kontert ihr Mann schmunzelnd. „Deshalb jedes Mal, wenn nichts dazwischen kommt“, sagt das Jorker Ehepaar.

Das Ehepaar Bärbel und Helmut Kott kommt regelmäßig. Foto: Felsch
Die Ältesten in der Runde sind Vera (91) und Gerhard Schönfeld (93). Die Ladekoper haben in den vergangenen zehn Jahren nur einmal gefehlt. Das Paar lebt noch im eigenen Haus. Gekocht wird täglich, aber sie freuen sich immer diebisch auf diesen Donnerstag. Wie eigentlich alle hier – denn viele sind Single und somit meistens allein. Da sind solche Angebote wie ein gemeinsamer Mittagstisch mehr als willkommen.
Angefangen hat alles mit einem Spendenlauf
„Wir haben das Glück, dass wir zentral in der Ortsmitte liegen und schöne große Räumlichkeiten mit reichlich Plätzen zur Verfügung haben“, sagt Pastor Paul Benjamin Henke, der nach dem italienischen Hauptgang - Hackbällchen, Tortellini mit Spargel und Tomaten, Kartoffeln und Geflügelbraten - Udo Feindt den Anwesenden vorstellt.

Sie haben den Mittagstisch ins Leben gerufen: Pastor Paul Benjamin Henke (rechts) und Udo Feindt (links). Foto: Felsch
Viele kennen ihn, aber für alle anderen erzählt der Pastor noch mal den Hintergrund dieser besonderen Veranstaltung, die 2016 mit einem Spendenlauf - initiiert von Udo Feindt - begann.

Pastor Paul Henke begrüsst die Gäste von „Keiner i(s)st allein“ im Gemeindehaus in Jork. Foto: Felsch
Gemeinsam mit Pastor Henke wurde das Projekt, das es mittlerweile in vielen Kirchengemeinden in Deutschland gibt, damals angestoßen. Bald sprach es sich herum, dass jeder willkommen ist - zum gemeinsamen Genießen eines immer wechselnden Mittagsessen mit Dessert. Heute steht Kaffee und Kuchen auf dem Speiseplan. Serviert - wie das Hauptgericht - von den Ehrenamtlichen Anke Boisch, Theresa Lesle, Rosemarie Adelheidt und Monika Knetsch. Fünf weitere Frauen gehören zum Team, das Verstärkung sucht. Wer einmal im Monat mithelfen möchte, kann sich bei Pastor Henke oder Udo Feindt melden.
Ehrenamtliche und Spender gesucht
Viele Jorker nutzen das kostenlose Angebot, das jeden dritten Donnerstag im Monat um 12 Uhr im Gemeindehaus der St.-Matthias-Kirche stattfindet.

Das „Keiner i(s)st allein“-Team der Jorker St.-Matthias-Gemeinde. Foto: Felsch
Da sich das Event allein durch Spenden finanziert und der Geldtopf irgendwann zur Neige ging, folgte 2021 zur 800 Jahr-Feier der zweite Spendenlauf. In diesem Jahr, am Sonntag, 7. Juni, startet der nächste und nunmehr dritte Spendenlauf, damit der monatliche Mittagstisch auch weiterhin angeboten werden kann.
Der Erlös ist bestimmt für das Essensprojekt in der St. Matthias Kirchengemeinde: „In Jork is(s)t keiner allein“. Das Konzept von Hobby-Läufern um Udo Feindt sieht vor, dass zehn Läuferinnen und Läufer eine festgelegte Strecke im Ortskern jeweils 60 Minuten laufen. Der Lauf beginnt um 8 Uhr und endet um 18 Uhr mit der Bekanntgabe der Spendensumme. Der Spendenlauf findet als Staffelwettbewerb statt. Der Erlös ergibt sich durch das Tragen von Sponsorenshirts. Jeder Läufer hat seinen eigenen Sponsor aus Jork und Umgebung.
„Jede Spende zählt“, bekräftigt Udo Feindt die Bitte, das Projekt zu unterstützen. Damit auch in Zukunft behauptet werden kann: „In Jork is(s)t keiner allein“.

Stehend von links: Jörn Rolker (Rolker Ökofrucht), Claus Gerkens (VGH Arnd Fitschen), Paul Henke in Vertretung von Annika Heinsohn (Recht Fruchtgroßhandel), Bürgermeister Matthias Riel (DRK OV Jork), Phillip Krohn (Sparkasse Stade-Altes Land), Organisator Udo Feindt (Fischer Bargstedt), Eike Bröde (Contor Pohlmann), Lars Woltmann (Herzapfelhof Lühs) und Kerstin Woiczik (Rotary Club Altes Land). Kniend von links: Johanna Gerkens in Vertretung von Sandra Freimane-Franke (GFP Buxtehude) und Marie Woiczik (Göller & Nickel Steuerberater). Foto: Martin Woiczik
Wer spenden möchte, kann sich an das Pfarrbüro St. Matthias unter 04162/ 345 wenden oder an Udo Feindt unter 0160/ 3256663. Auch interessierte Gemeindemitglieder können den Spendenlauf finanziell unterstützen.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.