Zähl Pixel
Kommunalwahlen 2026

T„Ich bin kein Chef“: Was Gerd Dehmel als neuer Bürgermeister in Lühe ändern würde

Gerd Dehmel (CDU) will neuer Samtgemeindebürgermeister in Lühe werden.

Gerd Dehmel (CDU) will neuer Samtgemeindebürgermeister in Lühe werden. Foto: Buchmann

15 Jahre in der Kommunalpolitik, 25 Jahre als Speditions-Prokurist: Gerd Dehmel (57) bringt viel Erfahrung mit in den Wahlkampf - und will im Rathaus Grundlegendes anpacken.

author
Von Steffen Buchmann
30.08.2026, 11:50 Uhr

Grünendeich.

TAGEBLATT: Der Wahlkampf geht in die heiße Phase. Über die letzten Monate kamen Sie sicherlich mit vielen Menschen ins Gespräch. Was waren die wichtigsten Themen?

Dehmel: Sehr überrascht war ich, wie stark das Interesse an der Situation des Jugendzentrums ist. Ich stehe zu dem aktuellen Standort und würde, wenn ich gewählt werde, am 14. September umgehend mit dem Vermieter Kontakt wegen einer Verlängerung aufnehmen. Die Containerlösung lehne ich ab.

Auch die Parkgebühren am Lühe-Anleger waren oft Gesprächsthema, selbst hier in Grünendeich. Ich frage mich, wieso fährt man da überhaupt mit dem Auto hin? Entweder gehe ich zu Fuß oder fahre kurz mit dem Fahrrad hin.

Die Parkplätze waren schon immer gebührenpflichtig. Aber die wenigsten haben bezahlt. Die Samtgemeinde ist ihrer Kontrollpflicht da nicht genug nachgekommen, weil es an Personal mangelt. Das haben wir als Politik auch bemängelt. Ich stehe jedoch voll und ganz hinter dieser Gebühr.

Sie haben sich vorgenommen, die Verwaltungsfluktuation zu stoppen. Wie genau wollen Sie das machen?

Wir brauchen eine deutlich bessere Stimmung im Rathaus. Wir merken das in der Politik, dass die Sitzungen nicht mehr so gut vorbereitet sind, wie wir das gewohnt sind. Das steht und fällt auch mit dem Personal.

Wenn alle gerne morgens zur Arbeit kommen und alle Lust zur Arbeit haben, nur dann kann ich überhaupt etwas bewirken. Alleine schaffe ich gar nichts. Neben einem funktionierenden Rathaus brauchen wir auch einen funktionierenden Bauhof. Auch da fehlt uns reichlich Personal.

Das hängt natürlich zum großen Teil mit den schlechten Löhnen und Gehältern zusammen. Wir müssen mindestens genauso gut wie unsere Nachbargemeinden bezahlen. Und gute Arbeit soll auch gut entlohnt werden.

Was gehört für Sie zu einem attraktiven Arbeitsplatz in der Verwaltung dazu?

Wenn jemand im Homeoffice arbeiten will, dann würde ich das auf jeden Fall gewährleisten. Natürlich muss die EDV und die Sicherheit gegeben sein.

Weil wer im Büro keine Lust hat, der hat auch im Homeoffice keine Lust - aber auch anders herum. Also, ob ich hier sitze oder im Büro in Hamburg: Wenn die Einstellung stimmt, wird das genauso gut funktionieren. Das macht für mich keinen Unterschied und ist zudem familienfreundlich.

Was sind aus Ihrer Sicht aktuell die größten Baustellen der Samtgemeinde?

Das größte Thema ist natürlich der Ganztag. Aber die Umbaumaßnahmen haben leider noch nicht begonnen. Das ist aber nicht die Schuld des derzeitigen Amtsinhabers allein, da ist die Politik ebenso beteiligt und ich zähle mich auch mit dazu.

Wir haben viel zu lange über die Standorte diskutiert. Die drei Schulstandorte sind eine Riesenherausforderung und deswegen müssen wir unbedingt die Position der Bauamtsleitung wiederbesetzen.

Was mir noch sehr am Herzen liegt, ist das Projekt Einheitsgemeinde. Den Vorstoß würde ich mit den Gemeinden noch mal wagen. Wir wollen alle Bürokratieabbau und das wäre der erste Schritt. Wie Einheitsgemeinde gut funktionieren kann, sehen wir bei den Nachbarn in Jork.

Die AfD will nach fünf Jahren wieder in den Rat einziehen. Wie würden Sie damit umgehen, wenn die Partei Erfolg hätte?

Ich hoffe natürlich, dass Sie möglichst mit geringer oder gar keiner Anzahl in den Samtgemeinderat einziehen. Ich habe schon einen Teil einer Legislaturperiode (Anm. d. Red.: Die AfD hatte 2016 bis 2021 zwei Sitze im Samtgemeinderat) mit der AfD zusammengearbeitet. Im Rat fiel sie eigentlich nur auf durch Themen wie etwa Zuwanderung in der Samtgemeinde und das Leugnen des Klimawandels. Eine konstruktive Mitarbeit habe ich nicht erlebt.

Wenn es dazu kommt, sind sie gewählt und dann sind sie auch ein Teil des Samtgemeinderates. Und das gilt es von uns allen zu akzeptieren. Und ich weiß, dass ich mich als Samtgemeindebürgermeister überparteilich verhalten muss und auch werde. Wir brauchen einen starken Ratsvorsitz, der bei entsprechenden Verfehlungen umgehend eingreift.

Es ist aber eine Chance, diese Personen argumentativ zu stellen. Und einfach die Wählerinnen und Wähler, die da ihr Kreuz gemacht haben zu überzeugen, dass sie da die falsche Wahl getroffen haben.

Sie sind ja bekennender HSV-Fan. Was macht für Sie einen guten Mannschaftstrainer aus - auch sinnbildlich für das angestrebte Bürgermeisteramt?

Ganz wichtig für mich ist der Wir-Gedanke. Man braucht klare Ziele. Es müssen alle mitgenommen werden: Vom Zeugwart über den Physiotherapeuten bis zum Star-Spieler. Ich finde die Gleichbehandlung aller Personen wichtig und dass man alle Personen gleich wertschätzt. Und ich bin kein Chef. Das ist ein Wort, das ist mir fremd. Ich bin eher der Mannschaftskapitän.

Die TAGEBLATT-Leser sind gefragt

Am 2. September treffen die beiden Kandidaten Gerd Dehmel (CDU) und Timo Gerke (parteilos) bei einer Podiumsdiskussion in Hollern-Twielenfleth aufeinander. Die Veranstaltung ist bereits ausverkauft. Das TAGEBLATT sammelt zur Kommunalwahl weiterhin Fragen und Anliegen der Leser. Schreiben Sie uns einfach eine Mail an: kommunalwahl@tageblatt.de.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel