T Horneburg vs. Beckdorf: Ein Insider macht den Derbycheck
Jonas Gerkens ist beim SV Beckdorf zu einem Führungsspieler gereift und spielt nun für Fredenbeck. Foto: Jan Iso Jürgens (Archiv, nomo)
Es ist das ersehnte und elektrisierende Derby, wenn der VfL Horneburg am Samstag (17 Uhr) den SV Beckdorf empfängt. Einer fiebert dem Duell entgegen, und ist doch entspannt.
Horneburg. Derbys zwischen benachbarten Vereinen sind das Salz in der Suppe jeder Sportart. Am Samstagabend steht das direkte Aufeinandertreffen zwischen den Handballern des VfL Horneburg und des SV Beckdorf in der Regionalliga auf dem Spielplan. Fans und Spieler beider Vereine sind elektrisiert und strömen mit großer Anspannung in die Halle Hermannstraße.
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Einer kann ganz entspannt den Termin auf sich zukommen lassen, weil er nicht mitspielt und dem Spiel doch entgegenfiebert. Als beide Teams zuletzt das Derby austrugen, war Jonas Gerkens gerade drei Jahre alt.
Zwanzig Jahre später schaut der 1,98 Meter große Riese mit viel Handballerfahrung auf seine beiden früheren Vereine.
Gerkens entwickelte sich bei beiden Vereinen
Von der E- bis zur A-Jugend spielte Gerkens beim VfL Horneburg, dazu kamen Einsätze in der Herrenmannschaft. Dort lernte er das Handballspiel unter VfL-Trainer Stefan Hagedorn. Vor vier Jahren wechselte der Rechtshänder zum Konkurrenten SV Beckdorf in die Regionalliga. Vor dieser Saison folgte der nächste Entwicklungsschritt in die dritte Liga zum VfL Fredenbeck.
Der 23-Jährige kennt die Kontrahenten also wie kaum ein Zweiter. „Ich habe beide Teams schon mehrfach live in der Halle gesehen. Der VfL kann mit seinem Saisonstart ziemlich zufrieden sein, trotz der Niederlagen gegen Spitzenteams. Gegen direkte Konkurrenten wurde gewonnen“, so Jonas Gerkens über die Akteure aus seinem Heimatdorf. Nach vielen Jahren in unteren Spielklassen sei der Aufstieg für die junge Mannschaft ein Lernprozess.
Die größte Stärke des VfL Horneburg ist für ihn das Tempospiel. „Das ziehen sie gegen jeden Gegner durch. Das ist schon seit Jahren die DNA von Stefans Mannschaften. Das wird wohl auch der Fahrplan gegen Beckdorf sein“, sagt Gerkens.

Stefan Hagedorn hat auch Gerkens in Horneburg bestens ausgebildet. Foto: Berlin
Hagedorn sei immer für die Spieler da und brenne zu hundert Prozent für sein Team. Hagedorn fordere seine Mannschaft im Training, gebe konkrete Hinweise und habe zugleich für jeden ein offenes Ohr. Die Erfolge der vergangenen Jahre kämen nicht von ungefähr.
Beckdorf ist noch in der Findungsphase
Beim SV Beckdorf sieht Gerkens vor allem viel individuelle Qualität. Besonders auf den Außenpositionen sei die Mannschaft stark besetzt. Einige Spieler hätten Erfahrung auf Top-Niveau gesammelt, etwa Tjark Jonas in der dritten Liga oder der lettische Linkshänder Kristers Plume auf internationaler Ebene.
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Nach den Veränderungen im Sommer müsse sich das Team allerdings erst noch finden. „Ein paar Punkte mehr hätte man sich in Beckdorf vermutlich gewünscht, dennoch sehe ich die Mannschaft auf einem guten Weg. Auch dort sind die erwarteten Siege gegen Teams auf ähnlichem Leistungsniveau gelungen“, lautet die Analyse des Master-Studenten.
Wie sieht es konkret bei den Torleuten aus?
„Mit Rückkehrer Dennis Klingebiel und Luis Prochaska verfügt Horneburg für einen Aufsteiger über ein starkes Torwart-Duo. Dennis mit großer Erfahrung und Luis mit starken Leistungen bereits in der Jugend-Bundesliga“, so die Einschätzung zum VfL. Aber auch Beckdorf habe mit SV-Kapitän Markus Clever und Arsenij Kotenko, der von Fredenbeck aus der dritten Liga auf den Delm wechselte, eine sichere Bank im Tor.
Eine klare Favoritenrolle sei sehr schwer zu vergeben. „Die Teams sind ungefähr gleich stark einzuordnen“, denkt der 23-Jährige. Der Heimvorteil könnte Horneburg helfen, auch wenn viele Beckdorfer den Weg in die Hermannstraße finden werden. Vieles spreche für ein enges Spiel, denn es gebe vermutlich wenig, was beide Teams nicht voneinander wüssten.
Gerkens will sich selbst stetig weiterentwickeln
Gerkens hält ein Remis für ein realistisches Ergebnis, mit dem beide Mannschaften zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison sicherlich leben könnten. Für ihn ist das Derby mehr als ein Spiel zweier regionaler Rivalen. In Horneburg hat er seine gesamte handballerische Ausbildung durchlaufen. Er kam als Kind über den Trainer-Sohn Ole Hagedorn zum Sport und blieb einer Mannschaft treu, die über Jahre eng und erfolgreich zusammenwuchs. Viele kannten sich auch aus dem Alltag. Da entstand ein Freundeskreis.

Jonas Gerkens, hier im Test gegen seinen Ex-Club Beckdorf, stark. Foto: Potreck (Archiv, nomo)
Der Schritt nach Beckdorf war für Gerkens eine bewusste Entscheidung, um sich sportlich in einer höheren Liga weiterzuentwickeln. In Beckdorf fasste er schnell Fuß und übernahm früh Verantwortung. Vier Jahre lang sammelte er Regionalliga-Erfahrung, ehe sich nun die Chance bot, den nächsten Schritt zu gehen.
In Fredenbeck will sich der halblinke Rückraumschütze zunächst in der dritten Liga etablieren und weiterentwickeln. „Über weitere Schritte denke ich derzeit nicht nach. Erst einmal will ich mich auf dem neuen Niveau festigen“, sagt der junge Mann, der bereits mehrere Jahre Horneburger Jugendmannschaften trainiert hat und weiterhin die A-Jugend unterstützt, soweit es die Zeit erlaubt. Außerdem betreut er montags am Landesstützpunkt in Hollenstedt talentierte Nachwuchsspieler. Die Arbeit als Trainer helfe ihm auch, das Spiel aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
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„Der Unterschied zur Regionalliga zeigt sich für mich vor allem in der Athletik und in der Konsequenz, mit der Fehler bestraft werden. In der dritten Liga ist nicht nur die Spitze körperlich stark, sondern die gesamte Breite der Mannschaften“, beschreibt Gerkens seine Erfahrungen der vergangenen Monate. Jeder müsse jederzeit aufmerksam sein. Auch taktisch und mental seien die Anforderungen höher.
Am Samstag wird Jonas Gerkens nun konzentriert von außen verfolgen, wie sich seine beiden früheren Vereine auf Augenhöhe begegnen. Kleinigkeiten könnten den Ausschlag geben. Reizen würde ihn ein Derby sehr. Mal sehen, in welcher Liga das passiert. Und nicht erst in 20 Jahren.
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