TAfD-Mann auf Platz verwiesen: Drochterser Schüler moderieren souverän
Pascal Wandt und Isabel Umland haben schon häufiger vor Publikum gesprochen. Foto: Wertgen
Die Podiumsdiskussion in Drochtersen leiten Schüler der KGS selbst. Die jungen Moderatoren sind gut vorbereitet und bestehen auf Spielregeln, selbst als ein AfD-Politiker aufbegehrt.
Drochtersen. Zur Bundestagswahl saß Isabel Umland bei der Podiumsdiskussion der Elbmarschenschule in Drochtersen noch im Publikum und meldete sich mit Wortbeiträgen aus dem Auditorium. Zur Kommunalwahl steht sie nun selbst auf der Bühne, ein Mikrofon in der Hand - und muss ihre Meinung für sich behalten, wo sie früher mitdiskutiert hätte.
Im September wählt die Gemeinde einen neuen Rat und einen neuen Bürgermeister. Wahlberechtigt sind Schüler ab 16 Jahren, und wenn sich die Kandidaten in der Mensa den jungen Wählern stellen, moderieren erstmals ausschließlich Schüler die gesamte Veranstaltung, aufgeteilt in mehrere Zweier-Teams.

Sechs Politiker stellten sich den Fragen der Schüler. Foto: Wertgen
Mehrere Teams im Einsatz
Riana Steffens und Ida Schacht eröffnen die Veranstaltung, die Achtklässler Aya Mahmmud und Elias Scherzinger leiten die erste Fragerunde mit den Ratskandidaten.
Die zweite und größte Diskussionsrunde übernehmen Isabel Umland und Pascal Wandt, 18 und 19 Jahre. Zum Abschluss führen Steffens und Schacht ins Duell zwischen Bürgermeister Mike Eckhoff und Kandidat Sebastian Sieg (AfD).
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Geschulte Moderatoren
Die Neutralität bleibt für Umland trotzdem eine Umstellung. „Ich liebe es, meine Meinung offen und stark zu sagen“, sagt sie. Mit Wandt hat sie einen Ruhepol: Beide kennen sich seit Jahren. Er merkt, wenn es in ihr brodelt, und steuert mit unauffälligen Signalen dagegen. Auch ihm fällt es aber schwer, manches unkommentiert zu lassen, sagt er anschließend. Sie bleiben aber souverän.

Wandt und seine Mitschüler waren gut auf die Diskussion vorbereitet. Foto: Wertgen
Alle Teams sind vorbereitet. Eine Arbeitsgruppe entwickelt mit den Lehrern Jonas Riebeling und Torben Klöckner Fragen, Themen und Ablauf. Auch ein Faktencheck wird vorbereitet. „Ich habe darauf bestanden“, sagt Umland - ein Vorsprung gegenüber TV-Formaten mit späterem Faktencheck vor kleinerem Publikum.
Ihre Moderationskarten schreiben Umland und Wandt selbst und lernen, dynamisch zu reagieren, statt nur abzulesen - etwa als Umland eine Diskussion aufgreift und den Faktencheck aktiviert.
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Schüler sitzen am Handy
Ein Duo achtet auf die Redezeit der Politiker, drei Schülerinnen prüfen die Aussagen. Die Schülerinnen melden sich bei groben Fehlern. Nika Lünstedt korrigiert eine Aussage zur angeblichen Gefahr von Windkraftanlagen für Tiere und Natur.

Nika Lünstedt von den Faktencheckern schaltet sich ein. Foto: Wertgen
„Es ist wichtig zu hinterfragen, egal welcher Partei die Statements angehören“, sagt Wandt - wer falsche Aussagen immer wieder höre, glaube sie irgendwann. Auch im Publikum prüfen Schüler die Statements selbst per Handy und melden sich.
Häme für Entschuldigung
Einmal irrt sich eine Faktencheckerin. Sie versteht eine Zahl von AfD-Politiker Sieg falsch und korrigiert ihn unbegründet. Das Mädchen reagiert gut erzogen und entschuldigt sich umgehend. Sieg applaudiert und ruft höhnisch „Faktencheck“.
„Das gehört sich nicht. Menschen machen Fehler, und erst recht dürfen Kinder welche machen“, sagt Umland später. Wandt unterscheidet: Wer unbewusst irre, korrigiere sich, wer bewusst etwas Falsches behaupte, betreibe Desinformation.
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Weil AfD-Politiker aufsteht: „Das geht gar nicht.“
Routine und Bühnenerfahrung helfen: Umland und Wandt haben unter anderem bereits an „Jugend debattiert“-Wettbewerben teilgenommen. „Vor Publikum zu sprechen, ist für uns Gewohnheit“, sagt Wandt.
Das zeigt sich, als Sieg, der sich zuvor bereits geäußert hatte, auf die Bemerkung eines Kollegen reagieren will: Er steht auf, baut sich vor Umland und Wandt auf und fordert das Mikrofon ein - statt von seinem Platz aus darum zu bitten.
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„Das war im ersten Moment etwas gruselig“, sagt Wandt. Sie reagieren cool. Umland hält das Mikrofon fest. Wandt verweist auf den Zeitplan und schickt Sieg höflich, aber bestimmt zurück auf seinen Platz. Die Mitschüler honorieren das mit Applaus. Die Aktion gehe gar nicht, sagen beide hinterher. „Es gibt Spielregeln, und die gelten für alle“, findet Wandt.

Während Riana Steffens und Ida Schacht mit Bürgermeister Mike Eckhoff und Kandidat Sebastian Sieg auf der Bühne sind, recherchiert der Faktencheck. Foto: Wertgen
Schüler setzen auf Seriosität
Eine Regel setzen sich Umland und Wandt selbst: Bei fast 30 Grad heizt sich die Mensa auf, viele Schüler greifen zu Handventilatoren und kurzer Kleidung.
Wandt und Umland hätten es ihnen gerne gleichgetan, entscheiden sich aber für Seriosität: Wandt für smart casual mit langer Hose und Hemdjacke, Umland für Business-Style mit Nadelstreifenhemd und schwarzer Hose.
„Ich habe ganz schön geschwitzt“, sagt Wandt. Umland: „Als Moderatoren müssen wir uns aber ordentlich kleiden.“

Frischer Wind gegen die Hitze: Aya Mahmmud unterstützt Isabel Umland. Foto: Wertgen
Alle Moderatoren-Teams überzeugen
In mehreren Schnellfragerunden dürfen die Politiker nur mit Ja oder Nein antworten, manche versuchen dennoch auszuholen. Mahmmud und Scherzinger erinnern sie konsequent an die Vorgabe - eine Disziplin, die selbst TV-Moderatoren nicht immer gelingt.
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Jede Runde endet mit Applaus für Politiker - und umso mehr für die moderierenden Schülerinnen und Schüler. „Sie haben das noch besser gemacht, als wir es erwartet haben“, lobt Jonas Riebeling, der das Format bei der kommenden Wahl wiederholen würde. Der letzte Satz des Mittags gehört Riana Steffens: „Vielen Dank, geht wählen.“
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