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Angstraum

T„Als Frau habe ich Angst“: Nachbarn treiben Mieterin zur Verzweiflung

Brennpunkt Eschenweg in Zeven: Hier fühlt sich Mieterin Nicole Stichert nicht mehr sicher.

Brennpunkt Eschenweg in Zeven: Hier fühlt sich Mieterin Nicole Stichert nicht mehr sicher. Foto: Harder-von Fintel

Brennpunkt Eschenweg in Zeven: Mieterin Nicole Stichert will aus Angst um die eigene Sicherheit unbedingt raus aus ihrer Wohnung. Doch bezahlbarer Wohnraum ist knapp.

Von Kathrin Harder-von Fintel Freitag, 15.05.2026, 12:00 Uhr

Zeven. Der Eschenweg in Zeven genießt keinen guten Ruf: Immer wieder mussten in den vergangenen Wochen Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr dorthin ausrücken. Besonders kurios: Vor Ort bietet sich ihnen immer dasselbe Bild: Ein Rauchmelder im Keller eines Mehrparteienhauses ist abgebrannt. Kürzlich waren es allerdings brennende Schuhe, die einen Feuerwehreinsatz im Eschenweg ausgelöst hatten.

In den Sozialen Medien wird diskutiert und sich ausgetauscht über diese Wohngegend in Zeven. „Ich bin echt froh, nicht mehr dort zu wohnen“, schreibt jemand. „Seitdem wir hier im Eschenweg wohnen, kommen wir nicht mehr wirklich zur Ruhe. Wir wollen auch schnell wieder hier weg“, lässt ein anderer User die Community wissen.

Eschenweg in Zeven: Mieterin will nach Bränden und Streit umziehen

Auch Anwohnerin Nicole Stichert möchte weg aus dem Eschenweg und sucht eine neue Wohnung in Zeven. Die Feuerwehreinsätze der kuriosen Brandserie haben ihren Entschluss, sich eine neue Bleibe zu suchen, noch bekräftigt.

Mehrmals hat es in den vergangenen Monaten im Eschenweg gebrannt. Die Anwohnerin bekommt alles mit, wenn sie abends im Wohnzimmer sitzt und plötzlich Blaulicht an der Wand schimmert. „Nicht schon wieder, denke ich dann“, so die 47-Jährige im Gespräch mit der „Zevener Zeitung“. Seit 2023 lebt sie mit ihrer Katze „Roxi“ in einem der zahlreichen Mehrparteienhäuser. Obwohl sie im Haus tolle Nachbarn hat, die einander unterstützen und auch zusammen im Garten sitzen, gefällt ihr die Gegend nicht. „Ich wusste damals schon, dass das Gebiet nicht so gut ist zum Wohnen, brauchte aber dringend eine Wohnung“, erzählt sie.

„Man hört dann Schritte und weiß nicht, woher sie kommen.“

Anwohnerin Nicole Stichert

Und auch die Gründe, warum diese Straße bei Anwohnern so unbeliebt ist, nennt sie: Kinder und Jugendliche werfen mit Steinen, andere Mieter hören zu laut Musik oder es herrscht irgendwo Geschrei. Mülleimer werden auseinandergebaut, Autos beschädigt, Gläser aus Containern genommen und davor zerdeppert. Manche Leute stellen einfach Sperrmüll an die Straße, ohne diesen zur Abholung anzumelden. „Unser Vermieter lässt das dann kostenpflichtig entsorgen“, sagt sie und befürchtet, dass solche Aktionen und auch notwendige Sanierungen nach Bränden oder blanker Zerstörung auf die Betriebskosten aller umgelegt werden. Und sie vermisst einen respektvollen Umgang auf der Straße. „Man wird einfach blöd angemacht, das ist echt nicht schön.“

Anwohnerin im Eschenweg hat nachts Angst auf der Straße

Der Eschenweg ist ein Brennpunkt der Stadt Zeven. Insbesondere nachts, wenn die Laternen abgeschaltet werden und es stockfinster ist, mag Nicole Stichert nicht mehr das Haus verlassen. „Als Frau habe ich Angst, nachts hier durch die Straße zu gehen. Man hört Schritte und weiß nicht, woher sie kommen.“

Ist sie bei Freunden zu Besuch, sitzt ihr die Zeit im Nacken. „Ich gehe dann rechtzeitig nach Hause, bevor das Licht aus ist.“ Um Mitternacht gehen die Laternen aus, morgens um 5 Uhr beleuchten sie dann wieder den Eschenweg.

Die 47-Jährige kann nicht nachvollziehen, warum die Laternen in dieser Gegend überhaupt ausgeschaltet werden. „Das darf nicht sein, auch wenn es ein Konzept ist. Es gibt viele, die Nachtschicht haben. Im Sommer ist es morgens hell, aber im Winter geht das gar nicht.“

Brennpunkt Eschenweg in Zeven: Hier fühlt sich Mieterin Nicole Stichert nicht mehr sicher.

Brennpunkt Eschenweg in Zeven: Hier fühlt sich Mieterin Nicole Stichert nicht mehr sicher. Foto: Harder-von Fintel

Sie selbst fährt unter der Woche in den Landkreis Verden, fängt dort um 6 Uhr an zu arbeiten. „Ich warte immer bis kurz nach 5 Uhr und fahre erst los, wenn das Licht an ist. Ganz im Dunkeln gehe ich hier bestimmt nicht raus.“

Im Winter muss sie mehr Zeit einplanen, weil sie ihren Wagen noch freikratzen muss. „Ich habe mich im April auf eine Garage beworben, aber bislang hat das nicht geklappt, ich habe noch nichts vom Vermieter gehört.“

Mehr Polizei im Eschenweg in Zeven? Haustüren sollen geschlossen werden

Für den Eschenweg wünscht sich die Anwohnerin im Dunkeln mehr Polizeipräsenz. „Vielleicht auch mal als Fußstreife, nicht nur mit dem Polizeiauto, das durch die Straße fährt.“

Seit den Bränden der Rauchmelder in Kellern der Mehrparteienhäuser hat der Vermieter eine klare Ansage per Rundschreiben gemacht. „Abends sollen die Haustüren zugemacht werden, damit nicht jeder in den Flur gelangen kann“, erzählt die Mieterin.

Im Eschenweg in Zeven hat es in diesem Jahr schon viele Einsätze für Polizei und Feuerwehr gegeben. Unter anderem brannten mehrmals Rauchmelder.

Im Eschenweg in Zeven hat es in diesem Jahr schon viele Einsätze für Polizei und Feuerwehr gegeben. Unter anderem brannten mehrmals Rauchmelder. Foto: Harder-von Fintel

Für Nicole Stichert ist es schwierig, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Die gibt es erst recht nicht in Jobnähe so kurz vor Bremen. Knapp 630 Euro warm zahlt sie im Monat für ihre 45 Quadratmeter im Eschenweg. „Plus 80 Euro Strom.“ Ein Durchlauferhitzer verursacht diesen hohen Posten. „Ich bewerbe mich öfter auf Wohnungen in Zeven, wo es ruhiger ist.“

Bislang hatte die 47-Jährige allerdings kein Glück. „Dabei bin ich ein vernünftiger Mieter, habe alles schön eingerichtet und gepflegt. Und meine Katze ist lieb und schläft einfach viel.“

Nicole Stichert gibt nicht auf bei der Wohnungssuche und hofft, dass sie irgendwann die Chance bekommt, aus dem Eschenweg wegzuziehen. In ein Zuhause, wo sie sich wohlfühlt.

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