Zähl Pixel
Kinder-Uni Freiburg

TArchäologie, Kunst und die Geburt: Diese Kinder wollen in den Ferien lernen

Katja (links) und Hanna sammeln bei der Kinder-Uni des Kornspeichers künstlerische Erfahrungen.

Katja (links) und Hanna sammeln bei der Kinder-Uni des Kornspeichers künstlerische Erfahrungen. Foto: Helfferich

Figuren aus Ton gestalten, mit dem Metalldetektor nach Münzen suchen und mehr über das Thema Geburt erfahren: Ein Besuch in drei Kursen der Freiburger Kinder-Uni.

author
Von Susanne Helfferich
18.07.2026, 10:55 Uhr

Freiburg. 34 Kurse sollen Wissen vermitteln und Spaß machen. Das zeigt auch ein Kurzbesuch bei drei sehr unterschiedlichen Kursen der Kinder-Uni des Freiburger Kornspeichers.

Die Künstlerin Margarete von der Decken schafft mit sechs Kindern Figuren aus Draht, Pappmaché und Ton. Hobbyarchäologe und Natureum-Mitarbeiter Jens Steinkühler erklärt seinen Teilnehmern, warum die Erforschung unterschiedlicher Artefakte so viel über die heute lebenden Menschen aussagt. Und Iris Freyer erklärt, wie der Beruf einer Hebamme aussieht.

Eine Pfote des Dinosauriers ist schon fertig.

Eine Pfote des Dinosauriers ist schon fertig. Foto: Helfferich

Kurs 1: „Kunst bietet Freiräume für Fantasie“

Sechs Mädchen haben sich angemeldet. Alle stürzen sich zuerst auf den Ton. Die Ideen ploppen schnell auf: Marthe und Ellie - beide beste Freundinnen - wollen Katzen - ihre Lieblingstiere - gestalten. Emma formt mit viel Ton eine Schildkröte, der Panzer aus Ton ist schon fertig. Emily hat die Pfoten ihres Dinosauriers geformt und Katja kämpft mit ihrer Schlange, die einfach nicht die Form halten will. Hanna hat ein Herz aus Ton so geformt, dass es eine Schale bildet.

Katja merkt, dass sie nur mit Ton nicht weiterkommt. Da bietet Margarete von der Decken ihr Hasendraht an und zeigt, wie sie damit ihrer Schlange Struktur und Halt geben kann. Die anderen Mädchen schauen zu und greifen schon bald auch nach dem Draht. Ist die Form gegeben, wird Papier mit Kleister eingeweicht und um die Figuren gewickelt. Später, wenn sie getrocknet sind, werden sie angemalt.

„Man kann sich beim Basteln inspirieren lassen“, sagt Marthe. Ihre beste Freundin Ellie ergänzt: „Man kann auch Gefühle rauslassen.“ Und auch Kursleiterin Margarete von der Decken bestätigt: „Kunst bietet Freiräume für Fantasie. Den Kopf auszuschalten - das schaffen die Kinder noch.“

Kurs 2: Archäologie ist mehr als Buddeln im Sand

14 Kilometer weiter in Balje sammelt Natureum-Mitarbeiter Jens Steinkühler seine Archäologen ein. „K10 Dig it! - Archäologie live“ heißt das Projekt, das das Natureum anbietet - hier als Kurs der Kinder-Uni des Kornspeichers.

Jens Steinkühler erklärt den Kindern, worum es bei der Archäologie geht.

Jens Steinkühler erklärt den Kindern, worum es bei der Archäologie geht. Foto: Helfferich

Was macht ein Archäologe und welche Werkzeuge benutzt er? Wo und was wird überhaupt ausgegraben? Als fachgerecht ausgestattete Ausgrabungscrew geht die Gruppe mit Kelle, Pinsel und Metalldetektor auf ein Grabungsfeld. Doch zuvor fragt Steinkühler spielerisch den Kenntnisstand der Teilnehmer ab. Denn er möchte, dass die Kinder - acht Jungs und ein Mädchen - Neues mitnehmen und nicht nur buddeln.

Und so bekommen die Kinder einen Metalldetektor an die Hand und suchen das - vorbereitete - Grabungsfeld ab. Nach und nach finden sie ganz unterschiedliche Münzen, Tonscherben, eine alte Feuerstelle. Sorgfalt ist angesagt: Alle Fundstellen der Artefakte, jede einzelne Münze werden nummeriert und in einem Grabungsplan eingezeichnet. Münzen werden verpackt und genau beschriftet.

Große Aufregung um ein menschliches Skelett

Und schließlich ist die Aufregung groß, als die Nachwuchsarchäologen einzelne Knochen finden. Gemeinsam legen die Kinder mit Pinseln die Knochen frei und zu einem Skelett zusammen. Etwas enttäuscht sind sie, dass sie keine Fundstücke mit nach Hause nehmen dürfen. Dafür will Jens Steinkühler Lösungen finden.

Auch für ihn ist der Kurs etwas Neues. Er arbeitet erst seit einem Jahr beim Natureum. „Es macht Spaß, wie aufgeregt die Kinder mitmachten“, sagt der Hobbyarchäologe und Tourguide. Für ihn ist das Dig it!-Format „ein toller Weg, Kinder an Geschichte heranzuführen“.

Kurs 3: Hebamme bietet ihren Kurs ehrenamtlich an

Ein ganz wichtiges Thema, aber an diesem Termin leider nicht gut besucht, ist der Kurs „Was macht eigentlich eine Hebamme?“. Iris Freyer bietet ihn seit ein paar Jahren ehrenamtlich an. „Meine beiden Kinder haben an dem Programm der Kinder-Uni teilgenommen und ich fand die Angebote einfach toll“, erzählt sie.

Hebamme Iris Freyer erklärt dem sechsjährigen Felix, dass die meisten Babys mit dem Kopf zuerst geboren werden.

Hebamme Iris Freyer erklärt dem sechsjährigen Felix, dass die meisten Babys mit dem Kopf zuerst geboren werden. Foto: Helfferich

Der sechsjährige Felix genießt die Zuwendung, die er als Einzelteilnehmer findet. Die Hebamme hat verschiedene Modelle mitgebracht und erklärt, was die Gebärmutter und Fruchtblase sind. Wie lange die Schwangerschaft dauert und was mit dem Mutterkuchen nach der Geburt geschieht. Und warum die Wochenbettbetreuung nach der Geburt so wichtig ist.

Felix ist unbefangen bei der Sache und weiß auch gut Bescheid: dass die Schwangerschaft neun Monate dauert, dass die Babys von der Gebärmutter und durch die Scheide geboren werden, und dass sie „manchmal falsch rum liegen“.

Iris Freyer sieht ihre ehrenamtliche Arbeit auch als ein Stück Vorsorge vor sexuellen Übergriffen: „Kinder stellen ganz andere Fragen als Erwachsene, sind viel unbedarfter. Aber es ist wichtig, dass sie sich ausdrücken können, dass sie Körperteile benennen können.“

Die Kinder-Uni bietet bis zum 10. August weitere Kurse an. Kontakt: kinder-uni-freiburg-elbe.com

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel