TAufschlag Reichert: Er ist der Kandidat fürs Himmelpfortener Rathaus
Matthias Reichert hat Glück: Tennis ist seine Leidenschaft - und Himmelpforten hat noch immer eine Tennishalle. Foto: Klempow
Matthias Reichert will Bürgermeister in Oldendorf-Himmelpforten werden. Der Familienvater ist als Wirtschaftsförderer bestens vernetzt - und er bringt andere Talente mit.
Oldendorf-Himmelpforten. Matthias Reichert kennt den Landkreis, die Chefbüros, Tagungsräume, Sitzungszimmer. Als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung des Landkreises berät er, prüft Zahlen, entwickelt Konzepte und vermittelt Kontakte. Er ist gut vernetzt.
Mit dem Tennis-Team in Niedersachsen unterwegs
Und er kennt noch viele andere Plätze. Mit viel Bewegungsspielraum und einer ganz anderen Art von Netz. Reichert gilt noch immer als einer der besten Tennisspieler des Landkreises. Mit seinem Team vom SC Schwarz-Weiß Cuxhaven spielt er in den höchsten niedersächsischen Ligen, zurzeit in der Oberliga. „Und wenn man auf dem Platz steht, will man auch gewinnen.“
Als Teamspieler übernimmt er Verantwortung. Die gab auch den Ausschlag, warum er sich vor einem Jahr entschieden hatte, als Nachfolger von Samtgemeindebürgermeister Holger Falcke zu kandidieren. „Ich hatte viel Bedenkzeit“, sagt er.
Das Ja zur Kandidatur kommt mit Bedacht
Die Politik in der Samtgemeinde hatte sich zwar Verwaltungserfahrung gewünscht - die Anfrage an Reichert kam aber aus dem engeren Kreis der Findungskommission. Leichtfertig hat Reichert nicht Ja gesagt. Den Ausschlag gab dieser Gedanke: „Es muss auch Leute geben, die Verantwortung übernehmen.“

Vor etwa einem Jahr hatten die Vertreter aus der Politik die Kandidatur von Matthias Reichert (vorne) für das Amt des Samtgemeindebürgermeisters verkündet. Foto: Klempow
Den Mangel an Verwaltungserfahrung kann er mit Teamgeist ausgleichen. „Ich bin auf das kompetente Team im Rathaus angewiesen“, sagt er mit Blick auf einen möglichen Amtsantritt zum 1. November. Reichert ist der einzige Kandidat.
Kindheit in Kehdingen
Mitbringen würde er in sein neues Büro im Himmelpfortener Rathaus Berufserfahrung und Fachkenntnis. Nach dem Abitur machte er eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann - und wusste schnell, dass es das noch nicht ist. Er studierte in Lüneburg Wirtschaftsrecht. 2009 fing der Diplom-Wirtschaftsjurist (FH) bei der Handwerkskammer in Stade an. Damit kehrte er in den Landkreis zurück.
Denn aufgewachsen ist er in Wischhafen. „Ich bin ein Kehdinger Jung“, sagt er. Sein Tennistalent war schon früh offensichtlich. Mit sechs Jahren stand er zum ersten Mal auf dem Platz - und er möchte seinen Sport seither nicht missen.
Tennis finanziert das Studium
Mit 15 trainierte er schon Kinder in Drochtersen. Er kannte so gut wie alle Tennishallen im Landkreis. Als Tennistrainer habe er sich sein Studium finanziert, sagt er. Und ist heute froh, sein sportliches Talent nie zum Beruf gemacht zu haben. „Dann hätte ich den Spaß an meinem liebsten Hobby verloren“, sagt der 44-Jährige. Seine Trainerlizenz verlängert er trotzdem jedes Jahr.

Matthias Reichert spielt mit seiner Mannschaft vom SC Schwarz-Weiß Cuxhaven in den höchsten niedersächsischen Ligen. Foto: Jam Unruh
2020 wechselte Reichert als Geschäftsführer in die Wirtschaftsförderung des Landkreises - eine Aufgabe, die ihm liegt, der Abschied von seinem Team wird nicht einfach. Gleichzeitig freut er sich auf das, was kommt.
Gewerbeflächen und Fördermittel
Seine Kompetenz in der Wirtschaftsförderung kann die Samtgemeinde gut gebrauchen. „Ich weiß, wo Flächen, Fachkräfte und Finanzierung zusammenfinden müssen“, so Reichert. Fördermittel-Akquise, die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft und vor allem die verlässliche Entwicklung von Gewerbeflächen hat er auf der Agenda.
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Ebenso steht er für einen abgestimmten Ausbau der erneuerbaren Energien mit Bürgerbeteiligung an Wind- und Solarprojekten, den Ausbau der digitalen Verwaltung, den Erhalt des Discobusses oder ein besseres Radwegenetz.
Er möchte auch junge Familien halten, bezahlbares Bauen ermöglichen, Kita-Plätze sichern. Wo es mitunter hakt, weiß er aus Erfahrung. Als berufstätige Eltern von drei Kindern im Alter von 4, 12 und 14 Jahren wissen Reicherts, wie wichtig ein gutes und verlässliches Betreuungsangebot ist.
Zu Hause in Himmelpforten
2011 sind Nicole und Matthias Reichert nach Himmelpforten gezogen, ganz bewusst, auch wegen der guten Infrastruktur. Sie fühlen sich zu Hause. „Es war die richtige Entscheidung“, sagt er. Dass die Tennishalle Himmelpforten, eine der wenigen, die es noch im Landkreis gibt, in Sichtweite liegt, ist ein Glücksfall für ihn.
Einen Samtgemeindebürgermeister erwartet eine Fülle von Terminen, die oft noch auf die eigentliche Arbeitszeit oben drauf kommen. Reichert macht keinen Hehl daraus, dass er ab und an die Priorität zugunsten seiner Familie setzen muss - und vor allem auch will.
So ganz wird es auch nicht ohne Tennis gehen. „So lange ich kann, spiele ich weiter“, sagt Reichert. „Jeder braucht einen Ausgleich.“ Und Tennisspielern werden nicht nur Kondition, Beweglichkeit und Kraft nachgesagt. Sondern auch Konzentrationsfähigkeit und mentale Stärke.
- Matthias Reichert ist zu Gast beim TAGEBLATT-Talk in Burweg. Das Kneipengespräch im Gasthof Tante Hilda beginnt am Donnerstag, 27. August, um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. Plätze gibt es nach dem Prinzip: Wer zuerst kommt, bekommt sicher einen.
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