TBaugebiet Drochtersen: Warum das Warten für sie ein Glücksfall war
Bauen für Entspannte: Daniel Sölter und Anna Mehlis haben die Wartezeit zu ihrem Vorteil gemacht. Foto: Wertgen
Vier Jahre Stillstand wegen einer überlasteten Kläranlage - für Anna Mehlis und Daniel Sölter aus Drochtersen war das kein Rückschlag, sondern genau die Zeit, die sie brauchten.
Drochtersen. Anna Mehlis und Daniel Sölter haben das Warten zu ihrem Vorteil gemacht. Das junge Ehepaar aus Drochtersen hat sich im Frühjahr 2024 einen Bauplatz im geplanten Baugebiet „An der Elbmarsch“ gesichert - zu einem Zeitpunkt, als noch niemand sagen konnte, wann dort überhaupt gebaut werden darf.
Sie zahlten 1000 Euro Reservierungsgebühr für 830 Quadratmeter auf der Feldseite.
Vorher nicht finanzierbar
Dass das Baugebiet mehr als vier Jahre auf Eis lag, hat dem Paar nicht geschadet. Im Gegenteil. „Es gibt uns Zeit, um Geld zur Seite zu legen, zu gucken, was wir überhaupt wollen, das Haus weiter zu planen“, sagt Mehlis.
Während andere Bauwillige unter Zeitdruck stehen und Entscheidungen über Hunderttausende Euro in wenigen Monaten treffen müssen, besuchen die beiden in aller Ruhe Musterhausparks, vergleichen Grundrisse und sparen.
Denn 2024 hätten sie sich ein Haus noch gar nicht leisten können. Der vermeintliche Nachteil - ein Baugebiet, das sich extrem verzögerte - wurde für sie zum Planungsvorteil.
Knapp 50 Baugrundstücke
Der Grund für den jahrelangen Stillstand war die überlastete Kläranlage der Gemeinde am Gauensieker Hafen. Die 1967 errichtete Anlage war auf circa 7500 Einwohner ausgelegt, reinigte aber das Abwasser von etwa 8000 Bürgern.

Etwa 180 Menschen könnten in dem neuen Wohngebiet leben. Familien sind die Zielgruppe, das freut Mehlis und Sölter. Foto: Cappel + Kranzhoff
Der Landkreis Stade verweigerte deshalb das grüne Licht für die Erschließung des neuen Wohngebiets nahe des Fasanenwegs. Erst seit dem laufenden Ausbau der Kläranlage hat sich die Lage entspannt.
Der Gemeinderat hat nun die Änderung des Flächennutzungsplans und die Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 90 durchgewunken - die formale Grundlage dafür, dass knapp 50 Baugrundstücke erschlossen werden können.
An der Elbmarsch
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Drochtersen statt Buxtehude
Für Mehlis und Sölter war früh klar, dass sie nicht dauerhaft zur Miete wohnen wollen. Möglich ist der Schritt zum Eigenheim auch, weil die beiden derzeit günstig in einem Haus seiner Eltern leben können. „Wenn wir normal Miete gezahlt hätten, wäre ein Hausbau jetzt mutmaßlich nicht möglich“, sagt Sölter.
Drochtersen war dabei nicht immer die erste Wahl. Mehlis gibt zu, dass sie eine Zeit lang lieber in Richtung Hamburg, zum Beispiel nach Buxtehude, gezogen wäre. „Man ist jung und möchte dahin, wo ein bisschen mehr los ist.“
Die Vorteile überwiegen
Doch je intensiver sie sich mit der Frage beschäftigten, desto mehr Argumente fanden sich für den Heimatort. Mehlis merkte, dass sie in Drochtersen weniger vermisst als gedacht: Einkaufen per Fahrrad, ein Hausarzt im Ort, Sportvereine, die Schwimmhalle und die Nähe zur Elbe mit Krautsand als Ausflugsziel.
Das Elbstrand-Festival, das Street-Food-Festival, die Kulturscheune - „Drochtersen hat in den letzten Jahren einiges an Aktivitäten hergebracht“, sagt sie. Die Grundstückspreise sind zudem deutlich günstiger als in Gemeinden, die näher an Hamburg liegen.
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Familie ist Gold wert
Sölter betont zudem einen Aspekt, der bei der Standortentscheidung schwerer wiegt als jeder Preisvergleich: „Ein großer Initialpunkt für mich war immer, dass die Familie hier ist - Eltern, Großeltern, Onkel, Tante.“ Mehlis sieht das genauso.
Wenn irgendwann Kinder dazukommen, ist ein familiäres Netz vor Ort Gold wert. Und in einem Neubaugebiet zieht erfahrungsgemäß vor allem eine Zielgruppe ein: junge Familien - genau das, was sich Anna Mehlis und Daniel Sölter als Nachbarschaft wünschen.
Die Lage des Baugebiets spricht zusätzlich dafür: Kindergarten, Grundschule und weiterführende Schule sind erreichbar, ohne eine Hauptverkehrsstraße überqueren zu müssen.
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Vor dem 30. Geburtstag soll es losgehen
Mehlis Onkel hat ebenfalls ein Grundstück in der Straße reserviert und plant, 2027 zu bauen. Mehlis und Sölter wollen ein Jahr später anfangen. „Vor meinem 30. soll gebaut werden“, sagt Sölter - die Sandplatte soll vorher schon liegen.
Geplant ist ein Haus mit etwa 150 Quadratmetern Wohnfläche, zwei Kinderzimmern und einem Büro. Sie planen kein Standardhaus, aber auch nichts übermäßig Ausgefallenes.
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Erschließung noch 2026
Welches Bauunternehmen den Auftrag bekommt, steht noch nicht fest. Jetzt, wo die Gemeinde die rechtlichen Weichen stellt und für den Spätsommer 2026 mit dem Beginn der Erschließungsarbeiten gerechnet wird, beginnt für viele Hausbauer eine spannende Phase. Mehlis und Sölter müssen trotzdem nicht hetzen. Die Zeit läuft - aber sie läuft für sie.
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