TBedrohter Feuersalamander: Harsefelder Wald wird zur Schutzzone
Der Feuersalamander ist in Deutschland neben dem Alpensalamander eine von zwei Arten der Echten Salamander und streng geschützt. Foto: Joachim Looks
Im Waldgebiet Braken bei Harsefeld wurden viele der streng geschützten Feuersalamander überfahren. Deshalb wurden Amphibientunnel und Leitzäune gebaut.
Harsefeld. Eine Aufgabe in meiner Familie, die uns Kindern ziemlich rasch übertragen wurde, als wir sie ausführen konnten, war Schuhe-Putzen, erzählt Christiane Looks. Eigentlich eine lästige Tätigkeit, die ich dazu nutzte, am Ende der Arbeit verbliebene Reste von Schuhcreme in der Putzbürste zum „Aufhübschen“ von Ziegelsteinen aus der Mauern jener Dorfschule zu verwenden, in der ich aufwuchs.
Das langweilige Schuhe-Putzen wurde gelegentlich dadurch belebt, dass mein Vater Veranstaltungen besuchte, bei der „offizielle“ Kleidung angebracht war. Dann kramte er die Salamander-Schuhe heraus, die seine Eltern ihm zur Abiturfeier gekauft hatten. Ohne in dem Alter eines Grundschulkindes etwas von der erst spät aufgearbeiteten Salamander-Firmengeschichte zu wissen, regten die Firmenlogos einer Schuhcreme mit Frosch und der Schuhe mit dem Salamander zum Grübeln an, wieso ich noch nie einen Salamander in unserer Umgebung gesehen hatte. Mein Vater beantwortete eine entsprechende Frage mit dem Hinweis, es gäbe in Schleswig-Holstein keine Salamander, ganz im Gegensatz zu Sachsen-Anhalt, wo er früher gewohnt hatte.
In der Tiefebene ist mit Feuersalamandern zu rechnen
Unter Salamander werden Amphibien aus der Familie der Echten Salamander gefasst. Sie haben keinen Flossensaum wie Molche, sondern sind als sogenannte Schwanzlurche im Gegensatz zu Molchen ans Landleben angepasst. Molche dagegen benötigen Wasser als Lebensraum. Es gibt weltweit über einhundert Arten aus der Familie der Echten Salamander, in Deutschland aber nur zwei: Alpensalamander und Feuersalamander. Wie der Name es bereits verrät, ist in der norddeutschen Tiefebene nicht mit Alpensalamandern zu rechnen, aber mit Feuersalamandern.
T Tierisch gute Nachrichten und Tränen auf dem Weihnachtsmarkt
Die 20 bis 28 Zentimter langen, glänzend schwarzen Schwanzlurche mit breitem Kopf, dottergelben bis orangen Flecken fühlen sich in feuchten Wäldern nahe von klaren, sauerstoffreichen Gewässern in hügeliger, bergiger Regionen wohl. Gejagt werden in der Dämmerung Gliederfüßler wie Tausendfüßler, Spinnentiere, Nacktschnecken oder Würmer. Tagsüber verstecken sich Feuersalamander in Erdlöchern, unter Laub oder Steinen.
Nach der Paarungszeit entwickeln sich in 20 bis 70 Eiern vierbeinige, 2,5 cm lange, kiemenbüscheltragende Larven, die im folgenden März in flachen Gewässern abgesetzt werden und in 2 bis 3 Monaten zu landlebenden Feuersalamandern heranwachsen. Ihre Vorliebe für feuchte, alte Wälder führt zu Konflikten mit Erholungssuchenden, besonders an der Peripherie von Großstädten.
Beweglicher Amphibien-Schutzzaun errichtet
Das Naturschutzgebiet Braken bei Harsefeld im Landkreis Stade beherbergt das nördlichste Vorkommen des streng geschützten Feuersalamanders. Hinweise aus der Bevölkerung wiesen 2022 darauf, dass auf Wanderwegen viele tote Tiere gesichtet wurden.
Daraufhin wurde ein beweglicher Amphibien-Schutzzaun errichtet, der innerhalb von einem Monat fünfzig Feuersalamander an der Querung eines stark frequentierten Weges hinderte. Da der Braken ein beliebtes Naherholungsgebiet mit einem der nachgefragtesten Radwege der Region für Harsefeld ist, musste eine Lösung gefunden werden, um die Zahl der Totfunde zu reduzieren.

Auch andere Waldtiere wie Igel und hier ein Eichhörnchen nutzen den neuen Amphibien-Tunnel. Foto: Böttger/NFL-Pils/ÖNSOR
Geplant wurde eine dauerhafte Leiteinrichtung mit speziellen Amphibientunneln, so dass die Tiere die betroffenen Wege-Abschnitten sicher passieren können sollten. Bekannt ist dieses System für Frösche und Kröten, wo es gut funktioniert. 2025 konnte das Vorhaben nach anspruchsvollen Arbeiten fertiggestellt werden und wächst sich jetzt in seine Umgebung ein, sodass bald nichts mehr an die aufwändigen Aktivitäten erinnert, die nötig wurden, um damit der Bestand des Feuersalamanders im Braken zu sichern.

Der Hauptweg im Braken wurde mit Betonelementen versehen. Foto: Laudien
Im Landkreis Rotenburg sind zwei weitere Bestände bekannt, die jedoch so abgelegen sind, dass hier keine zusätzlichen Erhaltungsmaßnahmen ergriffen werden müssen, außer den Lebensbereich nicht gravierend zu verändern.
Zum Thema Feuersalamander
Der Feuersalamander (Salamandra salamandra) ist eine europäische Amphibienart aus der Familie der Echten Salamander. Die Spezies wurde erstmals 1758 von dem schwedischen Naturforscher Carl von Linné beschrieben. Je nach regionaler Mundart wird sie unter anderem auch als Feuermolch, Erdmolch, Erdsalamander, Regenmolch, Regenmännchen, Gelber Schneider, Bergnarr, Wegnarr, Regenmolli oder Tattermandl (bayerisch) bezeichnet. Diese volkstümlichen Namen unterscheiden allerdings nicht immer eindeutig zwischen Feuer- und Alpensalamander.
Die Schwanzlurche leben in größeren Laub- und Mischwaldgebieten mit naturnahen Bachläufen. Sie sind überwiegend nachtaktiv. Anders als bei vielen anderen mitteleuropäischen Lurchen werden keine Eier, sondern in der Regel weit entwickelte, kiementragende Larven ins Wasser abgesetzt (Larviparie). Die Hauptlaichzeit erstreckt sich witterungsbedingt von Anfang März bis in den Mai.
Wie andere Salamander sind sie seit den 1980er Jahren bedroht durch den Chytridpilz und seit 2015 auch durch die verwandte Salamanderpest (Bsal). Der Feuersalamander war Lurch des Jahres 2016. Aufgrund seiner Vorliebe für unterirdische Verstecke wurde er für das Jahr 2023 zum Höhlentier des Jahres in Deutschland und der Schweiz ernannt. (js)
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.