TBei diesem Ahlerstedter dürfen Königinnen alt werden - und machten ihn gesund
Lars Schmolinski mit einer Zarge aus seinem Stock: Den Wabenhonig verkauft er in kleinen rechteckigen Holzrahmen. Foto: P. Meyer
Für Lars Schmolinski sind „seine Mädels“ nicht nur fleißige Mitarbeiterinnen in der Honigproduktion. Die Bienen halfen ihm auch in einer schweren Phase seines Lebens.
Ahlerstedt. Es klingt wie das leise Brummen eines Motors, als Lars Schmolinski einen Fuß auf die idyllische Wiese im grünen Herzen von Ahlerstedt setzt. Eingebettet zwischen hochgewachsenem Gras und alten Apfelbäumen, hat er sechs seiner grünen Kästen aufgestellt. Hier wohnen Tausende seiner besten Mitarbeiterinnen: seine Bienen.
Einige der Schmolinski-Bienen stehen in Ahlerstedt. Foto: P. Meyer
„Die Mädels sind heute sehr fleißig“, sagt Lars Schmolinski, als er eine mit Bienen voll besetzte Zarge aus dem Stock zieht. Der rechteckige Holzrahmen ist warm und schwer. In ihn haben die Arbeiterinnen ihre Waben aus Wachs hineingebaut, aus denen goldgelber Honig glänzt.
Über Umwege: Krankheit brachte ihn zur Imkerei
Seit zehn Jahren betreibt Lars Schmolinksi die Imkerei Schmolinski in Ahlerstedt - im vergangenen Jahr ist er zudem in die Zucht eingestiegen. Die Bienen sind die Leidenschaft des 46-Jährigen: „Man wird süchtig“, sagt Lars Schmolinski lächelnd unter seinem Imkerschleier. Dabei kam der gebürtige Mecklenburger erst durch einen beruflichen Rückschlag zur Imkerei. 15 Jahre lang arbeitete Lars Schmolinski als Tischler. „Das war voll mein Ding“, erinnert er sich.
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Doch dann die Hiobsbotschaft: Berufsverbot. Wegen seines Asthmas konnte Schmolinski nicht weiter mit Holzstaub arbeiten. Sein Lungenvolumen war mittlerweile auf 2,5 Liter geschrumpft. Bei einem gesunden Menschen sind es zwischen 4,5 und 6 Liter. Für Schmolinski brach eine Welt zusammen.
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„Ich habe mich dann mit dem Thema Asthma auseinandergesetzt“, so der Familienvater. Dabei stieß er auf eine Therapie mit Bienenpollen. „Drei Tage später hatte ich mein erstes Volk“, erklärt Lars Schmolinski.
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Daraufhin beschäftigte er sich intensiv mit der Imkerei und belegte verschiedene Kurse. Mittlerweile hat er 18 Völker, von denen jedes zwischen 40 und 50 Kilogramm Honig im Jahr schafft. Seit 2016 betreibt er seine Imkerei im Nebenerwerb von Ahlerstedt-Bokel aus. Und sein Lungenvolumen hat dank der Bienen wieder annähernd Maximalkapazität.
Ein schöner Lebensabend für Königinnen
Lars Schmolinski hat ein ganz besonderes Gefühl für „seine Mädels“. Bei der Durchsicht - einer Kontrolle seiner Stöcker - spürt er ganz genau, wie die Stimmung heute ist. Das hänge auch vom Wetter ab, erklärt er. Am besten sollte es sonnig und windstill sein. Bei der heutigen Durchsicht sind die Bienen ruhig, seinen Smoker, der leichten Rauch zur Beruhigung der Tiere ausstößt, braucht Schmolinski kaum.

Wie ein Wimmelbild: Die Königin ist an dem grünen Punkt zu erkennen. Foto: P. Meyer
Auch wo seine Königin gerade ist, weiß er sofort: Ein Griff in den Stock und gleich die erste Zarge ist ein Treffer: „Da ist die Königin, mit dem grünen Punkt“, zeigt Lars Schmolinski. Die grüne Markierung sagt ihm, dass die Königin schon zwei Jahre alt ist - Jahrgang 2024. In der Saison legt eine gesunde Königin bis zu 2000 Eier am Tag.
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Viele Imker tauschen ihre Königinnen allerdings nach zwei Jahren aus, weil ihre Leistungsfähigkeit dann abnimmt. Bei Lars Schmolinski ist das nicht so. Bei ihm dürfen sie ihren Lebensabend fristen. „In der Natur werden die Königinnen bis zu fünf Jahre alt“, sagt er. „Und ich nutze sie weiterhin für die Zucht.“
Reinzucht: Imkerverbot auf Nordseeinseln
In die Honigbienenzucht ist Lars Schmolinski 2025 eingestiegen, die Ausbildung dafür absolvierte er in Hamburg. Eine Handvoll seiner Bienen schickt Schmolinski jeden Mittwoch nach Sylt - nicht zum Urlaubmachen, sondern um die Königinnen begatten zu lassen. Hier befindet sich eine Inselbelegstelle für die Reinzucht der Carnica-Biene.

Die Bienen waren fleißig: Lars Schmolinski mit einer vollen Zarge. Foto: P. Meyer
Durch ihre geografisch isolierte Lage eignen sich Inseln dafür besonders gut. „Deshalb ist die Imkerei auf vielen Nordseeinseln verboten“, erklärt Lars Schmolinski. Damit sich die Zuchtbienen nicht mit fremden Drohnen kreuzen. Etwa 60 Bienenköniginnen schickt er im Jahr nach Sylt, rund 25 kommen begattet zurück. Andere schaffen es nicht, fallen etwa Vögeln zum Opfer.

Die Imkerei Schmolinski vertreibt Wabenhonig in kleinen rechteckigen Holzfassungen. Foto: P. Meyer
Wichtig ist die Reinzucht, um positive Eigenschaften wie Leistungsfähigkeit, Sanftmut oder Schwarmträgheit zu erhalten. Letztere sorgt dafür, dass der natürliche Drang der Bienen, auszuschwärmen und das Volk zu teilen, gemindert ist. Für Imker ist das wichtig, um den Honigertrag zu sichern. Vor allem aber sollen die Zuchtbienen krankheitsresistent gezüchtet werden, erklärt Lars Schmolinski. Etwa gegen die Varroamilbe, die eine große Bedrohung darstellt.
Sebastian Kuhn
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Ebenso tödlich ist die Asiatische Hornisse, eine invasive Art, die sich von Bienen ernährt. „Wer ein Nest entdeckt, sollte es sofort der Feuerwehr oder dem Imkerverein melden“, so Schmolinski.
Wabenhonig aus dem Holzrahmen
Bei seinen Honigprodukten ist Lars Schmolinski kreativ, vertreibt neben klassischen Honigsorten und Met auch Fruchthonige - mit Erdbeere, Himbeere oder Heidelbeere gemischt. „Schokolade kam auch super an“, sagt Schmolinski. Der neueste Renner sei sein Wabenhonig aus dem Holzrahmen. Direkt von den Bienen in die kleine quadratische Zarge gefüllt. „Das spart auch viel Plastik“, so Lars Schmolinski. Zu kaufen gibt es die direkt bei ihm, auf Märkten oder bei Blümels Hofcafé in Grauen.

Die Fruchthonige der Imkerei Schmolinski kommen gut an. Foto: P. Meyer
Etwas Schöneres als das Imkern gibt es für Lars Schmolinski kaum. „Ich will mein Leben lang Bienen haben“, sagt er. „Das einzig Blöde an der Imkerei ist, dass alles klebt.“ So setzt er sich an lauen Sommerabenden gerne zu „seinen Mädels“ zwischen die Apfelbäume, trinkt eine Tasse Kaffee und guckt den fleißigen Bienchen beim Fliegen zu.

Einige der Bienen hatten im Garten der Schmolinskis einen besonderen Bienenstock angelegt. Foto: Schmolinski
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