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Gästeführerin

TDen Flecken im Herzen: Seit 40 Jahren führt sie Gäste durch Harsefeld

Seit 40 Jahren ist Grethild Korn Gästeführerin in Harsefeld.

Seit 40 Jahren ist Grethild Korn Gästeführerin in Harsefeld. Foto: P. Meyer

Seit 1985 gibt Grethild Korn ihr Wissen über Harsefeld weiter. Das brachte sie sogar ins Fernsehen - und zu einem Schnaps mit einem bekannten Schauspieler.

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Von Pauline Meyer
Samstag, 28.03.2026, 13:50 Uhr

Harsefeld. In ihrer traditionellen Tracht, mit rotem Rock und floraler Haube, ist Grethild Korn schon von weitem als eine der Harsefelder Gästeführerinnen zu erkennen. Jeden zweiten Sonntag im Monat, zwischen Mai und September, führen die sechs Frauen interessierte Teilnehmer durch die Geschichte des Fleckens. Grethild Korn macht das seit mehr als 40 Jahren - sie ist eine Frau der ersten Stunde.

Grethild Korn in ihrer Tracht, die sie als Gästeführerin in Harsefeld trägt.

Grethild Korn in ihrer Tracht, die sie als Gästeführerin in Harsefeld trägt. Foto: Martin Elsen

„Man braucht ja ein Hobby“, sagt die 76-Jährige lachend. „Sonst wird‘s langweilig.“ Stillstand war noch nie ihre Sache. Das war von klein auf Teil ihres Lebens. Geboren wurde Grethild Korn in Hamburg - aufgewachsen ist sie an vielen Orten, denn ihre Familie musste berufsbedingt häufiger umziehen. Geprägt habe sie damals besonders ihre Zeit im Internat in St. Peter-Ording, erzählt sie. „Da musste man sich als junges Mädchen durchsetzen.“ Dort lernte sie auch ihren Mann kennen - ihre Jugendliebe, mit der sie inzwischen seit 50 Jahren verheiratet ist.

Ihre Heimat fand Grethild Korn 1974 in Harsefeld. Frisch aus dem Studium begann sie hier ihre Laufbahn als Lehrerin an der Mittelpunktschule - ohne Praxiserfahrung, dafür gleich mit einer ersten Klasse. „Die habe ich nie vergessen“, sagt sie.

Wissen zu vermitteln liegt ihr bis heute. Eine Führung mit Grethild Korn ist aber kein trockener Frontalunterricht. Sie bringt den Teilnehmern Harsefelds Geschichte mit Witz, Charme und kleinen Anekdoten nahe.

Die Neugier war ihr Antrieb

Ihr Weg zur Gästeführerin begann 1985. In Kooperation mit Samtgemeinde und Volkshochschule entstand damals ein Ausbildungskurs. Zwölf Frauen und ein Mann meldeten sich an. Darunter Grethild Korn. Zu der Zeit hatten gerade die Ausgrabungen rund um den Klosterhof begonnen, und im Ort wusste kaum jemand, was dort eigentlich genau entdeckt wurde. Auch Grethild Korn war neugierig, letztlich gab ihr Mann den entscheidenden Anstoß: „Lass dich doch ausbilden. Du redest doch gerne.“ Daraus wurden über 40 Jahre als Gästeführerin.

Seit 40 Jahren ist Grethild Korn Gästeführerin in Harsefeld.

Seit 40 Jahren ist Grethild Korn Gästeführerin in Harsefeld. Foto: MARTIN ELSEN

Zu ihren Spezialgebieten gehören die Burg- und Klosterausgrabungen mit Kirche und Museum sowie Busrundfahrten durch die Samtgemeinde. Eine klassische Führung dauert rund anderthalb Stunden und beginnt vor der St. Marien- und Bartholomäikirche am Denkmalsweg.

Von dort spannt Korn den Bogen über die Geschichte Harsefelds: vom Bau der Burg im Jahr 969 über das spätere Stift bis hin zum Benediktinerkloster ab 1101, dessen Auflösung nach dem Dreißigjährigen Krieg und der Nutzung des Amtshofes bis in die Gegenwart. Auch humorvolle Details dürfen nicht fehlen. Die Kirche sei nach ihrer Renovierung 2014 mit Fußbodenheizung ausgestattet worden: „Wahrscheinlich die wärmste Kirche im Landkreis“, sagt Korn schmunzelnd.

Das Stader TAGEBLATT berichtete in seiner Ausgabe am 3. Mai 1985 über den Ausbildungkurs der Gästeführerinnen.

Das Stader TAGEBLATT berichtete in seiner Ausgabe am 3. Mai 1985 über den Ausbildungkurs der Gästeführerinnen. Foto: privat

Grethild Korn war stets im Harsefelder Gemeindeleben engagiert. Gemeinsam mit Mitstreitern rief sie den Ostermarkt ins Leben, der bis heute besteht, und organisierte Veranstaltungen wie den Advent im Rathaus. „Ich habe immer viel nebenbei gemacht“, sagt sie. „Sonst wäre ich nicht ausgelastet gewesen.“ Neben Arbeit und Engagement spielte die Kunst stets eine wichtige Rolle im Leben von Grethild Korn.

Die Kunst war schon immer Teil ihres Lebens. Dieses Bild hat Grethild Korn für ihren Mann gemalt.

Die Kunst war schon immer Teil ihres Lebens. Dieses Bild hat Grethild Korn für ihren Mann gemalt. Foto: P. Meyer

Eigentlich habe sie Kunst studieren wollen, erzählt sie, „aber das fand meine Mutter nicht so toll“. Losgelassen hat sie die Leidenschaft nie. In ihrem Zuhause hängen zahlreiche eigene Gemälde: Blumenstillleben, ein Äffchen aus einer Urlaubserinnerung oder ein Jagdstillleben, das sie einst als Geschenk für ihren Mann malte.

Ein Schnaps mit einem Ohnsorg-Star

So sorgfältig Grethild Korn in allen Bereichen ihres Lebens ist, so unbedarft und offen geht sie Dinge an. Das bringt natürlich auch die eine oder andere Überraschung mit sich. So führte sie ihre Aufgabe als Gästeführerin schon zu Radio- und Fernsehauftritten. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr der Besuch von Ohnsorg-Theater-Star Edgar Bessen, der für die Sendung „Das!“ nach Harsefeld kam.

„Ich habe die ganze Nacht vorher nicht geschlafen“, erinnert sie sich. Doch als der Schauspieler kurzerhand einen Schnaps hervorholte und mit norddeutschem Humor die Situation auflockerte, wich die Nervosität. Dass Improvisation zu ihren Stärken gehört, zeigte sich auch bei einem Radiointerview über Kräuter, für das sie spontan einsprang. Und das, obwohl sie, wie sie selbst sagt, „eigentlich gar keine Ahnung“ gehabt habe. 30 Minuten sprach sie dennoch souverän.

Wie gründlich Grethild Korn ist, zeigt sich auch an ihrer historischen Tracht. Weil es einst nur zwei Exemplare für acht Gästeführerinnen gab, ließ sie sich kurzerhand eine eigene anfertigen. Sie besteht aus Rock, Hemd mit Perlen- oder Plisseekragen, Weste, einer Haube mit Seidenbändern sowie traditionellem Silberschmuck mit Glassteinen, wie er auf der Geest zu besonderen Anlässen im späten 17. Jahrhundert getragen wurde.

Die Gästeführungen sind ganzjährig auch für Gruppen buchbar.

Die Gästeführungen sind ganzjährig auch für Gruppen buchbar. Foto: MARTIN ELSEN

„Ich zeige unseren Gästen immer noch sehr gerne unser schönes Harsefeld“, sagt Grethild Korn. Am wichtigsten sei ihr dabei eines: „Dass die Gäste mit zufriedenen Gesichtern nach Hause gehen.“ Und mit einer Handvoll neuer Geschichten über Harsefeld.

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