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Pferdeosteopathie

TDie weibliche Tamme Hanken: 21-jährige Luna macht Pferde gesund

Wenn Luna-Marie Maaß behandelt, schaltet sie ab. Mit sanften Griffen löst sie Verspannungen, Blockaden und Verklebungen bei Pferden.

Wenn Luna-Marie Maaß behandelt, schaltet sie ab. Mit sanften Griffen löst sie Verspannungen, Blockaden und Verklebungen bei Pferden. Foto: Willing

In Volkensen beginnt für Luna-Marie Maaß ein neues Kapitel: Auf dem eigenen Hof richtet sie ihre mobile Praxis ein. Die Pferdeosteopathin besticht mit viel Herz, Fachwissen und ehrgeizigen Plänen.

Von Pia Willing Samstag, 04.10.2025, 12:50 Uhr

Zeven. Neun Uhr morgens auf Luna-Marie Maaß‘ neuem, eigenem Hof. Die Sonne scheint, ein paar weiße Wolken ziehen über den Himmel. Schwalben fliegen hoch, im Hintergrund Pferdeschnauben, Hufgeklapper, Vogelgezwitscher - ab und zu tuckert ein Traktor über die Landstraße in Volkensen bei Elsdorf.

Seit September koordiniert Luna von hier aus ihre Termine als Pferdeosteopathin. Die 21-Jährige ist jetzt ein Jahr selbstständig, bisher aber nur auf Abruf unterwegs. Sobald eine Anfrage eingeht, macht sie sich auf den Weg: im Großraum Zeven, Rotenburg, Bremen bis Hamburg.

Ein Anruf ändert alles: Lunas Weg zur Pferdeosteopathie

Wie wichtig ihre Arbeit ist, hat Luna selbst erfahren. „Damals rief mich meine Mutter in der Schule an. Unser Pferd war mit einem akuten Sehnenschaden in der Klinik - ich war total aufgelöst.“ Die Familie setzte schon immer auf Osteopathie. „Unsere Therapeutin hat sofort erkannt, dass es ernst ist, und alles Nötige veranlasst.“ Da wusste Luna: Das will ich auch können.

„Ich war schon immer ein Pferdemädchen“, sagt sie schmunzelnd. Nach der zwölften Klasse bricht sie die Schule ab, beginnt ein Fernstudium zur Pferdephysiotherapeutin und dann die Ausbildung zur Pferdeosteopathin an der Fachschule Welter-Böller in Schneverdingen. Praktische Erfahrung sammelt sie bei ihrem Kindheitsvorbild Katinka Krages von „activehorse“.

Ausbildung zur Pferdeosteopathin war harte Arbeit

Während sie erzählt, wandert ihr Blick zu Djengo, dem Wallach, den sie gleich behandeln wird. Er zieht unruhig seine Runden vor der alten dunkelgrünen Scheune, der Gang steif, der Kopf hoch, er nickt auffällig. Luna beobachtet ihn genau. Ihre Finger wollen schon loslegen.

„Die Ausbildung war kein Ponyhof“, sagt sie lachend. Wochenlang hat ihr Freund - selbst Humanphysiotherapeut - sie abgefragt. „Ich komme zwar nicht aus einer Reiterfamilie, aber Pferde sind mein Leben.“ Ihre größte Stütze: ihre Mutter. „Du kannst alles sein, was du willst“, hat sie immer gesagt – ein Satz, der sie bis heute begleitet.

Lunas Leben als die weibliche Tamme Hanken

Wenn Luna behandelt, schaltet sie ab. „Wie das Pferd sich auf mich einlässt, lasse ich mich auf das Pferd ein.“ Mit sanften Griffen löst sie Verspannungen, Blockaden und Verklebungen. „Ich bin so etwas wie die weibliche Tamme Hanken - nur ohne Knochenbrechen“, sagt sie augenzwinkernd.

Noch arbeitet sie nebenbei im Büro ihrer Eltern, babysittet und gibt Reitunterricht. „Mein Tag bräuchte 48 Stunden.“ Doch sie ist stolz, dass sie ihren Traum lebt. Auf dem Hof soll ein Rehazentrum entstehen: Zwei bis drei Pferde sollen künftig für längere Behandlungen untergebracht werden.

Mit geschultem Blick und sicheren Händen ertastet Luna Becken, Rücken und Hüfte - jeder Griff sitzt.

Mit geschultem Blick und sicheren Händen ertastet Luna Becken, Rücken und Hüfte - jeder Griff sitzt. Foto: Willing

Wenn der Patient ruft, kennt Pferdeosteopathin Luna kein Halten mehr

Ein Wiehern unterbricht das Gespräch. Djengo meldet sich. Luna nimmt Block und Stift zur Hand und stellt sich gemeinsam mit der Besitzerin auf die Wiese. Ruhig beginnt sie mit der Anamnese: Wie lange ist das Pferd bei der Besitzerin? Wie alt ist es? Welche Vorerkrankungen gibt es? „Wenn Besitzer ihre Tiere gut kennen, erleichtert das die Diagnose enorm“, sagt Luna.

Dann beobachtet sie Djengos Bewegungen. Der Wallach läuft auf und ab, während Luna prüft, wie er sich dreht, wie er den Schweif hält, wie die Hüften schwingen. Es folgt das Longieren: Djengo trabt, wechselt in den Schritt. Aufmerksam analysiert sie das Zusammenspiel von Hals, Rücken und Gliedmaßen.

Entspannung durch sanfte Bewegungen für Wallach Djengo

Wenig später beginnt die Behandlung. Mit ruhigen, routinierten Bewegungen tastet Luna Becken, Brust- und Lendenwirbelsäule ab, kontrolliert den Stand der Hüfte. Djengo zeigt erste Reaktionen: Er kaut, gähnt, seine Ohren zucken - Zeichen, dass er die Behandlung annimmt. „Man muss sehr genau hinsehen“, erklärt Luna. „Diese kleinen Reaktionen sagen mir, ob ich richtig liege.“

Luna-Marie Maaß hebt Djengos linken Vorderhuf, platziert ihn sicher auf ihrem Oberschenkel und mobilisiert das Gelenk mit kleinen, rotierenden Bewegungen.

Luna-Marie Maaß hebt Djengos linken Vorderhuf, platziert ihn sicher auf ihrem Oberschenkel und mobilisiert das Gelenk mit kleinen, rotierenden Bewegungen. Foto: Willing

Sie hebt den linken Vorderhuf an, legt ihn auf ihren Oberschenkel, bewegt den Unterschenkel in kleinen, kreisenden Bewegungen. Der Wallach beginnt sich zu entspannen: Der Kopf senkt sich, die Unterlippe hängt locker, die Augen halb geschlossen, die Atmung wird gleichmäßiger.

Zum Abschluss hat sie noch eine besondere Maßnahme vorbereitet: die Lichttherapie. Behutsam legt sie Djengo eine spezielle Maske an, durch die Nahinfrarotlicht tief ins Gewebe dringt - gut für Sehnen, Muskeln und Gelenke. Parallel klebt sie gezielt kleine Patches auf Stellen seines Körpers. „Sie wirken wie Akupunktur, nur ohne Nadeln“, erklärt sie.

Lunas Erfolgsrezept bei der Arbeit mit Pferden: Herz, Hand und Vision

Immer wieder sucht sie währenddessen den Kontakt zu Djengo, streichelt ihm über die Nüstern, prüft seine Reaktionen. Nach zehn Minuten nimmt sie ihm die Maske wieder ab. Ein letztes Mal beobachtet sie sein Gangbild - und ist zufrieden. Djengo wirkt deutlich lockerer, grast ruhig auf der Wiese und schnaubt kräftig ab.

„Das ist es, was ich will“, sagt Luna mit einem Lächeln. „Den Pferden helfen - und ein Teil der Reise sein, die sie mit ihren Menschen gehen.“

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