TEnde einer langen Tradition: Das Freiburger Schuhhaus Krüger schließt
Linda und Uwe Krüger haben mit dem Ausverkauf begonnen. Foto: Helfferich
„Alles muss raus“, steht auf den Plakaten, die im Fenster des Schuhhauses Krüger hängen. Ein weiterer Traditionsbetrieb in Freiburgs Ortsmitte schließt. Was dahintersteckt.
Freiburg. Das Schuhhaus Krüger hat eine lange Tradition und ist seit 1911 vor Ort. Uwe Krügers Urgroßvater hatte sich zunächst als Schuhmacher in Krummendeich niedergelassen. 1911 machte sich Großvater Claus Wist in Freiburg selbstständig und übergab das Geschäft 1954 an seinen Schwiegersohn Karl-Heinz Krüger, den Vater von Uwe Krüger. Dieser übernahm 1996 die Geschäftsführung.
Das Schuh-Haus noch mit dem Namen des Firmengründers Claus Wist Mitte der 50er Jahre.
Sohn Björn blieb dem Metier treu, ist aber Orthopädieschuhmacher in Hessen. „Ich wollte die Tradition weiterführen“, sagt Uwe Krüger. Doch zunächst absolvierte er in einem Schuhgeschäft in der Hamburger Mönckebergstraße die Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Anschließend lernte er das Schuhmacherhandwerk, legte mit einem Paar zwiegenähte Herrenschuhe aus Leder die Meisterprüfung ab und stieg 1973 in den Familienbetrieb ein.
Agile Geschäftswelt im Freiburg der 70er Jahre
Nie wieder fertigte Uwe Krüger Schuhe selbst an, war er doch der Kaufmann im Betrieb. Erst später kümmerte sich der Schuhmachermeister auch um die Werkstatt, reparierte und passte Schuhe an, wenn es drückte. „Man nannte mich den Schuhflüsterer“, erzählt er schmunzelnd. Anfang der 70er Jahre war viel los in Freiburg.
Der Flecken hatte noch ein eigenes Krankenhaus und eine Post. Es gab vier Bäcker, mindestens zwei Schlachter, ein Milchgeschäft, eine Drogerie, drei Lebensmittelgeschäfte, Uhrmacher, Juwelier, die Textilhäuser Steffens und Rath, drei Schuhgeschäfte – darunter das Schuhhaus Krüger. Das hatte neben dem üblichen Schuhwerk auch Sportschuhe und Sportbekleidung im Angebot und ein ganz besonderes Alleinstellungsmerkmal.
Katastrophe 1978/1979
T Als der Schnee auch Nordkehdingen zudeckte: Ein Betroffener erinnert sich
Polizeistation
Umzug: Polizei bezieht neue Räume in Freiburg
Denn das Schuhgeschäft hat nicht nur die großen Namen, wie Ara, Ecco, Gabor, Rieker und für die Kinder Ricosta und Elefanten, im Sortiment. Seit mehr als 50 Jahren bietet das Fachgeschäft auch Tanzschuhe der Marke Diamant an. Für Diamant ist Uwe Krüger Vertreter im Elbe-Weser-Dreieck.
Das macht einen guten Tanzschuh aus
Die Merkmale eines guten Tanzschuhs: Er soll gleiten können, aber nicht wegrutschen, und er muss bequem genug sein, um bis zum Morgen durchtanzen zu können. Vorne weich und eine geschlossene Hinterkappe für festen Halt.
Das mache einen guten Tanzschuh aus, so Linda Krüger, die 1976 als Verlobte in den Betrieb einstieg. Sie weiß, wovon sie spricht. Schließlich tanzten auch sie und ihr Mann leidenschaftlich gern.

Das Schuhhaus Krüger hat sich mit Tanzschuhen einen guten Ruf gemacht. Foto: Helfferich
Zum 100-jährigen Bestehen vor 15 Jahren schauten Linda und Uwe Krüger noch optimistisch in die Zukunft. Er mit seiner zurückhaltenden Art bei der Beratung, sie mit ihrem Pragmatismus verfingen bei der Kundschaft. Aus Stade, Bremervörde und Cuxhaven seien die Kunden nach Freiburg gekommen, um bei Krüger Tanzschuhe zu kaufen, gerade weil auch Tanzen und Bälle insbesondere bei jungen Leuten wieder angesagt waren. Und wenn sie schon einmal da waren, kauften die Kunden häufig, je nach Saison, auch anderes Schuhwerk: „verkäufliche Schuhe“, wie Linda Krüger sie nennt, „solides Schuhwerk, praktisch und bequem“.
„Das Internet zieht uns den Boden weg“
Hin und wieder erleben sie auch heute noch diesen Mitnahme-Effekt. Kürzlich etwa: „Da kam eine Familie aus der Wingst und kaufte zehn Paar Schuhe, davon fünf Paar Tanzschuhe“, erzählt sie. Doch inzwischen blieben viele Kunden aus, kauften lieber im Internet. „Das Internet zieht uns wirtschaftlich den Boden unter den Füßen weg“, so der gelernte Kaufmann.
Das Paar fürchtet, dass in den nächsten Jahren in Freiburg immer mehr Läden schließen. Die meisten Geschäftsleute seien schon jenseits der üblichen Altersgrenze - auch die Krügers mit 70 und fast 72 Jahren. „Wir waren über viele Jahre mit Herzblut dabei“, sagt er, „aber jetzt ziehen wir die Reißleine.“ Viele Kunden kämen nun vorbei und bedauerten die absehbare Schließung. „Das erfüllt auch mich mit Wehmut“, sagt Uwe Krüger, „aber wir haben uns entschieden, und das ist gut so.“ Noch keine Pläne gibt es für die Ladenflächen mitten im Ort. Sowohl Vermietung als auch Verkauf sind für Linda und Uwe Krüger, die über dem Geschäft wohnen, denkbar.
Wie lange der Ausverkauf dauern wird, steht noch nicht fest. Regale und Lager seien noch reichlich gefüllt, so Uwe Krüger. Es gebe Nachlässe von 20 bis zu 70 Prozent auf die Ware. Kinder- und Fußballschuhe kosteten jetzt die Hälfte. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9.30 bis 12 Uhr und von 14.30 bis 18 Uhr, Dienstag und Samstag ist nur vormittags geöffnet. Telefon: 04779/396
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.