TEndlich in Zeven: Happy End für drei Waisenkinder aus Simbabwe
Der erste Ausflug in Norddeutschland: Uwe Kudlick fotografiert seine Frau Linda und seine drei Kinder am Strand der Nordseeküste. Foto: privat
Uwe Kudlick und seine Frau Linda haben jetzt offiziell drei Kinder. Sie sind eine Familie und sie leben unter einem Dach in Zeven. Bis dahin war es ein beschwerlicher Weg.
Zeven. 18 Monate ist es her, dass Betha Mhepo im Alter von 33 Jahren in Harare, der Hauptstadt Simbabwes, nach wochenlanger Krankheit gestorben ist. Die Alleinerziehende hinterließ eine Tochter (9) und zwei Söhne (6 und 4).
Nachdem ihre Schwester Linda Kudlick und ihr Mann Uwe aus Zeven von ihrem Tod erfahren hatten, setzten sie sich ins Flugzeug und reisten nach Harare. Das war Anfang Juli 2024.
Das erste Weihnachten mit den Adoptivkindern?
Mit Bethas Tod wurde deren Wunsch, die drei Kinder zu sich zu nehmen, zum Gebot für die Schwester und deren Mann. Anfang Juli 2024 begann 8200 Kilometer südlich von Zeven das Projekt Adoption mit ersten Behördengängen und damit, das weitere Leben der drei Waisen zu organisieren. Tante und Onkel waren von der Hoffnung beseelt, dass sie Weihnachten 2024 mit den Kindern in Zeven werden feiern können.
Die Hoffnung zerstob nach wenigen Monaten. Die behördlichen Mühlen mahlen in Simbabwe wie in Deutschland langsam. Mehr als einmal geriet der Prozess ins Stocken. Mal galt es, weitere Dokumente beizubringen. Mal ging es mit deren Übersetzung nicht voran.
Zevener Familie muss viele Hürden überwinden
War eine Hürde genommen, so tauchten zwei neue auf. Zu der wachsenden emotionalen Belastung gesellten sich finanzielle Engpässe. Den Kudlicks ging nach drei Monaten die Puste aus.
Zu diesem Zeitpunkt war bereits eine fünfstellige Summe für Gebühren, Versicherungen, Schulgeld, Lebensunterhalt, Betreuung der Kinder nach Harare geflossen.
Die Ungewissheit, die Anspannung, das Warten zerren an den Nerven
Die Kudlicks bemühten sich um Spenden, um den steinigen Weg fortsetzen und Monat für Monat mehr als 2000 US-Dollar aufbringen zu können. Das Jahr verging, ohne dass ein Ende des Verfahrens absehbar war. Die Ungewissheit, die Anspannung, das Warten zerrten in Zeven wie Harare gleichermaßen an den Nerven.
Erst im Frühjahr 2025 ließ es der Gang der Dinge zu, dass die Eheleute Kudlick beim Familiengericht in Harare einen Antrag auf Adoption ihrer Nichte und Neffen stellen konnten. Ende Juli erging dort der ersehnte Beschluss. Aus Tante und Onkel wurden dadurch Mutter und Vater. Und doch war damit nicht der Zeitpunkt gekommen, um die Koffer der Kinder zu packen.
Behördengänge in Hamburg, Rotenburg, Celle und Harare
Die weiteren Stationen waren die Adoptionsbehörde in Hamburg, die Ausländerbehörde in Rotenburg, die Deutsche Botschaft in Harare und das Familiengericht in Celle. Einmal mussten die Kudlicks persönlich in Harare erscheinen. Ein weiteres Mal musste Linda Kudlick Behördentermine in ihrem Geburtsland wahrnehmen. Das war im August 2025. Es galt, die deutschen Pässe der drei Kinder zu beantragen.
Dann hieß es wieder zu warten, die Ungeduld auszuhalten, die schwindenden Kräfte zu sammeln. Im Oktober kam die Nachricht, dass die Pässe vorliegen. Nunmehr könnten die Einreisevisa beantragt werden.
Die letzte Hürde vor der Familienzusammenführung. Linda Kudlick (48) setzte sich Mitte Oktober vergangenen Jahres ins Flugzeug mit Ziel Harare. In der Deutschen Botschaft beantragte sie die Visa für die drei Kinder.
Zu viel Stress: Zwei Meter vor dem Ziel kollabiert Linda Kudlick
Doch wieder lag ein Stein im Weg. Die Krankenversicherungsnachweise der Kinder lagen nicht vor. Uwe Kudlick (57) übersandte die fehlenden Dokumente und folgte seiner Frau am 23. Oktober. Die war zwischenzeitlich kollabiert. Im Krankenhaus bekam sie den Ratschlag, Stress zu vermeiden und sich zu erholen.

Das letzte Foto in Simbabwe. Gleich besteigen Uwe Kudlick und seine drei Kinder das Flugzeug nach Deutschland. Foto: privat
Zu fünft holte die Familie die Visa ab. Geschafft. Endlich. Eltern und Kinder lagen einander in den Armen. Auf nach Hause. Doch nicht, ohne ein Abschiedsfest zu feiern.
Ein Fest zum Abschied
Zum Grillabend auf der Terrasse der Ferienwohnung waren alle eingeladen, die sich während der zurückliegenden Monate um die Kinder gekümmert und den Kudlicks geholfen hatten. Ein letztes Mal noch in die Schule zum Abmelden und Lebewohl sagen. Dann packen. Uwe Kudlick hatte für die Kinder je einen Kinderkoffer mitgebracht.

Und noch ein Erlebnis: Die drei Adoptivkinder dürfen einen Blick ins Cockpit des Flugzeugs werfen, dessen Pilot sie nach Deutschland fliegt. Foto: privat
Am 3. November, exakt 16 Monate nach dem Tag, an dem die Kinder zu Waisen geworden waren, landete die Maschine nach 13 Stunden Flugzeit in Hamburg. „Es war die erste Flugreise für die Kinder“, erzählt Uwe Kudlick. „Sie durften zum Piloten ins Cockpit.“ Die Passkontrolle am Flughafen sei problemlos verlaufen.
Die ersten Stunden im neuen Zevener Zuhause
Ein Freund nimmt die Familie in Hamburg in Empfang. Auf der Rückbank des Siebensitzers ein Kindersitz für den Fünfjährigen – ein Geschenk an die junge Familie. In Zeven angekommen, werden die Kinder an der Tür ihres neuen Zuhauses mit einem Schild auf Deutsch und in ihrer Muttersprache Shona willkommen geheißen. In der Küche steht ein Kuchen – gebacken von Bekannten aus Kudlicks Kirchengemeinde. Eine Kiste mit Spielzeug steht bereit.
Uwe Kudlick ist gerührt von der Hilfe und Unterstützung, den Spenden und Geschenken, die seine Frau und er bekommen haben. Er ist noch nicht dazu gekommen, allen zu danken. Die Minuten, Stunden, Tage der Eltern wie der Kinder werden vom neuen Sein beansprucht. „Wir haben mehr als ein Jahr darauf hingearbeitet, und jetzt sind die Kinder hier. Das muss man erst mal realisieren“, bekennt Uwe Kudlick.
In Zeven startet das Schulleben mit einer Projektwoche
Und doch verlangt das Leben vieles gleichzeitig. Die Zehnjährige und der Siebenjährige sind mit einer Projektwoche ins Schulleben gestartet. Die beiden Kinderzimmer sind einzurichten, Schulutensilien sind zu besorgen. Der Fünfjährige braucht einen Platz im Kindergarten. Die Wäschemenge hat sich verdoppelt. Der Kühlschrank ist im Nu leer.
Mutter gestorben
T Hoffnung und Hürden: Familie Kudlicks Weg zur Adoption von Nichte und Neffen
Uwe Kudlick muss lernen, jedem Familienmitglied anzukündigen, dass er kurz das Haus verlässt. Und dann geht der regelmäßige Deutschunterricht weiter, den Uwe Kudlick vor Monaten online gestartet hatte. Noch ist Englisch die Verkehrssprache im Hause Kudlick. Bedarf es eines ernsten Wortes, so richtet es Linda Kudlick auf Shona an die Kinder.
An diesem Nachmittag, als ein Fremder am Wohnzimmertisch Platz genommen hat, legt sich die Aufregung bald. Der Jüngste sitzt mit am Tisch und malt. Die beiden Jungs lassen nach einer Weile von Uwe Kudlick ab und vertiefen sich in ihr Spiel mit Autos. Dann scheint es, als seien sie angekommen, geborgen – zu Hause eben.
Alle müssen sich an das neue Leben gewöhnen
Doch die Familienmitglieder gewöhnen sich erst nach und nach an das gemeinsame Leben. Noch fehlt es an Ritualen, noch schlafen die Kinder nur ein, wenn Licht brennt.
Noch wacht mitunter ein Kind nachts auf und sucht im Bett der Eltern Nähe. Noch müssen sich Abläufe im Hause Kudlick einspielen, noch gerät das Zeitmanagement zuweilen aus dem Takt. „Das wird sich alles einspielen“, versichert Uwe Kudlick.
Ein letztes Verfahren steht noch aus
Wenn nicht mehr alles eine Premiere ist, wenn ein Hauch von Alltag zu spüren ist, dann gehen die Kudlicks auf Tour, um Danke zu sagen. Die „Großspender“, wie Kudlick sie nennt, bekommen Besuch, kündigt er an – und auch die Dame aus Rhade, die „wieder Pullover und Mützen gestrickt hat“.
Vielleicht steht dann auch das letzte noch ausstehende Verfahren vor dem Abschluss. Dem Familiengericht in Celle obliegt es, die Adoption nach deutschem Recht anzuerkennen. Und so bleiben die Vornamen der Kinder ungeschrieben. So ist es deren Eltern angeraten.