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TEnergiewende: Mega-Stromspeicher nördlich von Zeven geplant

Christoph von Goßler von der Firma RenePro schilderte detailliert, wie das Bauwerk aussehen würde.

Christoph von Goßler von der Firma RenePro schilderte detailliert, wie das Bauwerk aussehen würde. Foto: Birgit Pape

Windkraftanlagen und Solarparks erzeugen an optimalen Tagen mehr Energie, als verbraucht wird. Damit die nicht verlorengeht, plant eine Hamburger Firma einen großen Stromspeicher. Doch es gibt Nachfragen.

Von Birgit Pape 17.09.2024, 16:38 Uhr

Selsingen. Neben dem Stromtrassenbau in Richtung Süden sollen große Stromspeicher die Energiewende sinnvoll begleiten. Projektentwickler Christoph von Goßler stellte dem Bauausschuss der Gemeinde Selsingen ein Projekt vor, das die Hamburger Firma RenePro in der Gemarkung Lavenstedt realisieren möchte. Die Firma möchte dort auf rund drei Hektar Fläche einen 150-Megawatt-Stromspeicher errichten. Das Projekt beinhaltet neben dem Speicher selbst noch ein Hochspannungs-Umspannwerk.

Mit dem Eigentümer der Fläche sei man sich bereits einig geworden. Der Landeigentümer Sven Schröder ist Mitglied im Selsinger Gemeinderat und leitete am Donnerstag, stellvertretend für Jan Pape, die Ausschusssitzung. Samtgemeindebürgermeister Gerhard Kahrs wies Schröder darauf hin, dass er zukünftig bei Beschlüssen zum Thema Batteriespeicherbau am besten nicht mit abstimmen dürfe.

Alternativ-Standort zu nahe an der Wohnbebauung

Die Firma RenePro hatte zunächst auch andere Standorte in der Gemeinde Selsingen ins Auge gefasst. Alle liegen entlang einer Hochspannungsleitung. Doch in der Nähe des Strommastes 41 („Witte Masch“) und Mast 49 („Fünf-Wege-Kreuz“) würde zu nahe Wohnbebauung das Projekt unmöglich machen. So blieb schließlich der Lavenstedter Standort am Mast 51 übrig.

Hier plant die Hamburger Projektentwicklungsfirma nun den Bau eines Batteriespeichers. Christoph von Goßler schilderte detailliert, wie das Bauwerk aussehen würde. Die Stromspeicher bestehen aus Batterien in klassischer Lithium-Ionen-Bauweise, Wechselrichtern und Transformatoren. Sie werden auf Streifenfundamenten auf einer geschotterten Fläche errichtet.

Zudem werden Klimaanlagen-Lüfter errichtet, die rauschende Geräusche verursachen. Auch entsteht auf der rund drei Hektar großen Fläche ein Umspannwerk, bestehend aus Trafo, Betriebsgebäude und einem Schaltfeld. Das Umspannwerk verursache Knistern und Rauschen.

Pieptöne keine Belästigung für die Anwohner

Besorgt reagierte Ausschussmitglied Walter Lemmermann auf den Hinweis von Goßlers, dass die Wechselrichter hochfrequente Pieptöne erzeugen würden. Von Goßler betonte, dass diese Lautstärke im Rahmen der Immissionsrichtlinien seien und die nächsten Bewohner nicht darunter zu leiden hätten.

Lemmermann sorgte sich jedoch auch um den Lärmschutz für Tiere in der unmittelbaren Umgebung. „Unter anderem könnten Brutvögel und Fledermäuse gestört werden“, befürchtete er. Von Goßler erklärte, dass dies im Rahmen der Planung im Blick behalten werde und auch Ausgleichsflächen in der Nähe geschaffen würden. Erste Gespräche zwischen ihm und der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises hätten ergeben, dass der Lavenstedter Standort grundsätzlich gut für das Projekt geeignet sei. Die gesamte Anlage werde maximal zehn Meter hoch sein. Nur ein Blitzableiter rage 20 Meter hoch.

Über- oder Unterversorgung ist die Normalität

Christoph von Goßler betonte noch einmal detailliert, wie wichtig solche Stromspeicher für die Umsetzung der Energiewende seien. Windkraftanlagen und Solarparks erzeugen an optimalen Tagen erheblich mehr Energie, als verbraucht werde. „Die Konsequenz ist eine Über- oder Unterversorgung und eine Instabilität in den Stromnetzen, die bis zum Blackout in der Stromversorgung führen kann“, erklärte der Projektentwickler.

Das anhaltende Wachstum der erneuerbaren Energien verschärfe das Problem weiter. Es wird derzeit häufig so gelöst, dass Windräder und Solaranlagen runtergeregelt würden, was volkswirtschaftlich wenig Sinn mache.

Drei solche Großspeicher in jedem Landkreis in Niedersachsen

„Laut einer Studie des Fraunhofer Instituts benötigt Niedersachsen 27 Gigawatt an stationären Stromspeichern. Rein rechnerisch braucht dann jeder Landkreis drei solcher Großspeicher, wie er in Lavenstedt entstehen könnte“, erklärte von Goßler. Der Netzbetreiber Avacon habe bereits einer Netzverknüpfung in Lavenstedt zugestimmt. „Die Gemeinde Selsingen profitiert von einer Stabilisierung des Stromnetzes und Gewerbesteuereinnahmen“, betonte von Goßler.

Die Ausschussmitglieder hakten noch einmal nach, warum der Standort Witte Masch nicht infrage komme. „Dort ist ein Wohnhaus von Lärmimmissionen betroffen. Rechtlich wäre es so, dass dieses Haus eine 18 Meter hohe Lärmschutzwand bekommen müsste. Das ist natürlich unzumutbar“, erklärte der Projektentwickler.

Die Ausschussmitglieder stimmten der Planung auf der Lavenstedter Fläche einstimmig zu. Nun müsse zunächst der Flächennutzungsplan geändert werden und ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Darüber wird nun zunächst der Verwaltungsausschuss und anschließend der Selsinger Gemeinderat beraten. Die nächste Gemeinderatssitzung findet am 25. September statt.

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