TFast kam die Mauer dazwischen: Kochs feiern 65 Ehejahre in Ahlerstedt
Erika und Erich Koch aus Ahlerstedt feiern ihre Eiserne Hochzeit. Foto: P. Meyer
Seit 1961 sind Erika und Erich Koch verheiratet. Auf einem Sportfest begann ihre Liebesgeschichte, der selbst 207 Kilometer und der Mauerbau nichts anhaben konnte.
Ahlerstedt. Wenn Erika (86) und Erich Koch (88) von ihren 65 gemeinsamen Ehejahren erzählen, spürt man ihre tiefe Verbundenheit zueinander. Gemeinsam gründeten sie eine Familie, prägten das Vereinsleben in Ahlerstedt und überbrückten Hunderte Kilometer. Nachdem selbst der Mauerbau ihre Hochzeit nicht verhindern konnte, feiern Kochs jetzt ihre Eiserne Hochzeit.
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Kennengelernt hatten sich Erika und Erich Koch 1957 in Groß Wohnste auf dem jährlichen Sportfest. Seine spätere Ehefrau, eine geborene Löhden, sei ihm damals sofort aufgefallen, erinnert sich Erich Koch. „Irgendwann, irgendwo haben wir uns immer wieder gesehen“, sagt er. Den ersten Kuss gab es vor Erikas Elternhaus, in dem die beiden später ihr gemeinsames Leben verbringen sollten.
Der Krieg prägte ihre Kindheit
Nach ihrer Ausbildung und einer Anstellung als Kinderpflegerin kehrte Erika nach Ahlerstedt zurück, um ihre Großeltern zu pflegen. Ihre Mutter sei inzwischen ausgezogen und hatte neu geheiratet. „Zufällig auch einen ‚Koch‘“, erklärt sie. Mit Erich Koch war der neue Stiefvater allerdings nicht verwandt. „Er wurde für uns beide wie ein Vater“, erklärt das Ehepaar. Denn die leiblichen Väter von Erika und Erich Koch waren in Russland gefallen.

Am 20. August 1961 gaben Erika und Erich Koch sich das Jawort. Foto: privat
Der Krieg hatte die Familiengeschichte der beiden geprägt, besonders die frühe Kindheit von Erich Koch. 1945, mit sechs Jahren, war er mit seiner Mutter und zwei Schwestern aus seiner Heimat im Warthegau über Berlin nach Groß Wohnste gekommen. „Wir hatten auf unserer Flucht alle Gräueltaten erlebt, die ein Krieg hervorbringen kann“, so Erich Koch.
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In Groß Wohnste kamen die vier bei den bereits zuvor geflohenen Großeltern unter. Zu sechst hatten sie zwei Zimmer: „Trotz aller Widrigkeiten hatte ich hier eine wunderschöne Kindheit“, sagt Erich Koch.
Jahre später sollte Groß Wohnste auch für seine Liebesgeschichte eine wichtige Rolle spielen.
Mauerbau gefährdete Hochzeitstermin
Es war der 20. August 1961 - der Tag, an dem sich Erika und Erich Koch das Jawort gaben. Geheiratet wurde in Ahlerstedt, danach ging es mit etwa 120 Gästen ins Gasthaus Dunckers. „Am Morgen hat es noch geregnet“, erinnert sich Erika Koch. Doch gen Nachmittag sei der Himmel aufgebrochen und die Sonne habe geschienen. Dass die Hochzeit beinahe ausfallen musste, erfuhren die damals 21- und 23-Jährigen erst acht Tage vor dem Termin.
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„Ich hatte mich für drei Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet“, erklärt Erich Koch. Zum Zeitpunkt des Mauerbaus befand er sich in Lingen im Emsland und musste wegen der angespannten Situation um seinen Diensturlaub fürchten. Dass es dann doch klappte, sei ein großes Glück gewesen, schließlich war in der Heimat bereits alles für den großen Tag vorbereitet.
Um eine dreimonatige Verlängerung seines Dienstes kam Erich Koch allerdings nicht herum, bevor er endgültig zu seiner Erika nach Ahlerstedt ziehen konnte.
Für die Liebe fuhr er Hunderte Kilometer
Bis es so weit war, lagen allerdings noch 207 Kilometer zwischen dem jungen Paar. „Es war eine Fernbeziehung, die durch Vertrauen und Achtung gefestigt wurde“, erklären Kochs. Und durch Ideenreichtum: Internet gab es damals nicht, ein Telefon hatte Erikas Familie ebenfalls noch nicht. „Erich hat dann immer beim Kaufmannsladen nebenan angerufen und die haben mich rübergeholt“, erinnert sich Erika Koch.
Sie schrieben sich mindestens zwei Briefe pro Woche, am Wochenende kam Erich mit dem Motorrad nach Ahlerstedt. „Zwei Jahre lang, bei Wind und Wetter“, so Erika Koch. Erst der blaue VW Käfer der Schwiegermutter sorgte dafür, dass Erich trocken in Ahlerstedt ankam.

Bereits die Goldene Hochzeit feierten Erika und Erich Koch im engen Familienkreis. Foto: privat
Nach der Hochzeit kehrte schließlich Alltag ein. Kochs bauten das Haus aus und gründeten ihre Familie: 1966 und 1974 kamen Tochter Claudia und Sohn Rüdiger zur Welt. Später schenkten diese den beiden vier Enkel und eine Urenkelin.
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Für Erich Koch begann zudem ein neuer beruflicher Lebensabschnitt: 1965 begann er eine Ausbildung bei der Polizei Hamburg, bei der er sich zum Oberkommissar hocharbeitete und 33 Jahre verbrachte. Sein Fachgebiet war der Straßenverkehr. „Das würde ich auch heute noch machen, wenn ich könnte“, sagt er.
Vereinsleben in Ahlerstedt: Kochs mischten mit
Fit halten sich Erika und Erich Koch durch den Sport - das sei schon immer ein großer Teil ihres Lebens gewesen: Gymnastik, Fuß- und Faustball, Tennis, Radfahren oder Schwimmen probierten sie aus. Beim MTV Ahlerstedt und bei der Spielvereinigung Ahlerstedt/Ottendorf war Erich Koch lange Zeit im Vorstand. Ebenso bei den Auetaler Ziehharmonikaspielern.

Lange Jahre war Erich Koch im Vorstand der Auetaler Ziehharmonikaspieler. Noch heute spielt er gerne auf seinem Instrument. Foto: P. Meyer
Den Rücken für dieses Engagement hielt ihm stets Erika frei: „Ohne meine Frau hätte ich das alles nicht machen können“, sagt er. An einem Strang zu ziehen, sei den beiden wichtig, erklären sie. Immer schon entschieden sie alles gemeinsam.
So hätten ihnen auch gesundheitliche Rückschläge, ein Lendenwirbelbruch und eine Herz-OP nichts anhaben können - darum sind die beiden weiter sportlich aktiv. Und für die Zukunft wünschen sich Erika und Erich Koch genau das: „Gemeinsam gesund zu bleiben.“
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