Zähl Pixel
Junioren-DM

TFaustballdorf im Ausnahmezustand: Ganz Essel packt für das Highlight an

Wenn der beste Faustballnachwuchs Deutschlands am Wochenende ins 280-Seelen-Dorf Essel kommt, packen alle in Essel mit an.

Wenn der beste Faustballnachwuchs Deutschlands am Wochenende ins 280-Seelen-Dorf Essel kommt, packen alle in Essel mit an. Foto: T. Meyer

Holstein, Geest oder Schwabenland: Die „Faustballfamilie“ spielt am Wochenende die Deutschen Meisterschaften beim TSV Essel. Dabei geht es um Zusammenhalt und eine Papiertasche.

author
Von Thies Meyer
03.09.2026, 17:45 Uhr

Essel. Tim Schomacker hält eine kleine Papiertragetasche in der Hand. Gerade war er mit Lucas Sievers unterwegs im Ort und hat einen Teil der Tasche von Haustür zu Haustür an die Esseler verteilt. Darin sind ein Helfershirt und -bändchen für den Verzehr. In Essel ist was los, am Samstag und Sonntag kommen Menschen aus der ganzen Republik in das 280-Seelen-Dorf.

Das Duo faustet am Samstag und Sonntag selbst Bälle, wenn die Deustchen Meisterschaften (DM) der U18-Juniorinnen und -Junioren im Faustball mit insgesamt 20 Mannschaften auf dem Sportplatz stattfinden.

Vom Faustballer bis Landwirt helfen alle

Seit zwei Wochen treffen sich die Esseler mehrmals in der Woche und bauen drei bis vier Stunden am Tag auf, sagt Lars Dausel, 1. Vorsitzender. Er sagt einen Satz, der beschreibt, wie alle mitanpacken.

„Eigentlich hatte ich nur acht Leuten Bescheid gesagt, aber komischerweise kamen auf einmal 16 oder 18 um die Ecke, wie das denn so häufig ist.“ Das wichtigste für diesen Tag steht: ein Zelt für die „Players Night“, die gleichzeitig auch Dorffest ist. Ein paar Helfer sind noch auf dem Sportplatz. Die Landwirte seien schon nach Hause, sie müssen im Stall füttern, sagt Dausel.

Die Deutsche Meisterschaft in Essel wird auf vier Feldern gespielt. „Auf jeden Fall über 1000 Leute“ erwarten Marco Bartsch und der TSV Essel am Wochenende auf der Sportanlage.

Die Deutsche Meisterschaft in Essel wird auf vier Feldern gespielt. „Auf jeden Fall über 1000 Leute“ erwarten Marco Bartsch und der TSV Essel am Wochenende auf der Sportanlage. Foto: T. Meyer

Der Großteil der Helfer sind Eltern der U18-Faustballer. Es gebe aber auch einige, die helfen und mit Faustball nichts zu tun haben - „weil es das Dorf ist“, sagt Dausel. Als Dank gibt es die Papiertragetasche.

Großereignisse sind nichts Neues für den TSV Essel

Vor eineinhalb Jahren bewarb sich der Verein auch, weil sie ihrer weiblichen U18 einen „krönenden Abschluss“ ermöglichen wollte. Für den Großteil der Mannschaft sei es die letzte Saison, in der sie zusammen eine Jugend-DM spielen wird.

Hier in Essel sind sie verrückt nach Faustball. Nach einer Randsportart. „Alle Vereine müssen in den Nachwuchs investieren, im Endeffekt einen Neustart machen“, sagt Sportwart und Faustballtrainer Marco Bartsch. Viele Vereine - auch aus dem Kreis - hätten sich „ein bisschen ausgeruht auf früheren Erfolgen“ und wenig in die Jugendarbeit investiert. Zwischen 2012 und 2016 erlebte der TSV eine „Delle“ und hatte nur vier Jugendmannschaften. Seitdem habe Essel die Zahl verdreifacht, so Bartsch. Der Gastgeber stellt auch bei den Jungs ein Team.

„Faustballfamilie versteht sich unheimlich gut“

Den Zusammenhalt im und über den TSV hinaus spüren auch die Protagonisten. Das Faustballspielen vererbt sich von Generation zu Generation in Essel. Schomackers Vater hat gespielt und seine Geschwister auch. Schwester Lina steht am Wochenende für die weibliche U18 auf dem Platz. Sievers Eltern spielten zwar kein Faustball, aber beide großen Geschwister. Warum Faustball?

Der „Teamgeist“ fasziniere Schomacker, der auch im Deutschen Nationalkader spielt. „Wenn man zusammen zu einer WM fährt und auf einem Hotelzimmer ist, kommt man schon nahe zueinander.“

Lucas Sievers (links) und Tim Schomacker helfen mit und spielen in der U18 bei der Heimmeisterschaft mit.

Lucas Sievers (links) und Tim Schomacker helfen mit und spielen in der U18 bei der Heimmeisterschaft mit. Foto: T. Meyer

Das sportliche Ziel: Spaß haben, aber so weit wie möglich kommen, vielleicht die Top 8 erreichen und die Großen ärgern. Das Duo weiß um die ältere und physisch stärkere Konkurrenz. „Wir sind noch recht jung und beide 16 Jahre alt und wir spielen gegen 17- und 18-Jährige“, sagt Schomacker.

Auf dieses Gemeinschaftsgefühl unter den Mannschaften und über ihr TSV-Team hinaus freut sich auch Mara-Sophie Bartsch, Tochter von Marco Bartsch. „Es gibt diese Faustballfamilie, man versteht sich mit den anderen Vereinen unheimlich gut und unterstützt sich gegenseitig.“ Sie sieht Bekannte aus der Nationalmannschaft aus Holstein (Kellinghusen) oder dem Schwabenland (Gärtringen) wieder. Die U18-Faustballerin lechzt nach U14- und U16-Gold auch am Sonntag nach einer Medaille.

Das Wichtigste zur DM in Essel

Am Samstag, 5. September, ab 11 Uhr geht es los mit den Vorrundenspielen der jeweils zwei Fünfergruppen. Zum Abschluss des ersten Tages sorgt ein DJ bei der „Players Night“ ab 19 Uhr für Stimmung.

Der TSV kennt sich mit dem Gastgeber-Sein aus, mehrmals fand eine DM hier statt. „Wir richten des Öfteren - im Zwei-, Dreijahrestakt - Deutsche Meisterschaften im Hallenbereich aus“, erzählt Marco Bartsch.

Der TSV kennt sich mit dem Gastgeber-Sein aus, mehrmals fand eine DM hier statt. „Wir richten des Öfteren - im Zwei-, Dreijahrestakt - Deutsche Meisterschaften im Hallenbereich aus“, erzählt Marco Bartsch. Foto: T. Meyer

Am Sonntag, 6. September, ab 9 Uhr startet die K.o.-Phase von den Platzierungsspielen bis zu den Finals. Die Esseler schmeißen ab 16 Uhr noch eine Helferparty, ihre Abschlussfeier.

Der Spielmodus und die Gruppen im Überblick

Spielmodus: Der Gruppenerste qualifiziert sich direkt für das Halbfinale, der Zweite und Dritte spielt ein Entscheidungsspiel um den Einzug in die Runde der letzten vier. Platz vier und fünf spielen unter sich die Gesamtplatzierungen sieben bis zehn aus.
Weibliche U18 - Gruppe A:
TV Brettorf (Erster Nord), TV Jahn Schneverdingen (Dritter Nord), SV Tannheim (Zweiter Süd), TV Stammheim (Dritter Süd), MTSV Selsingen (Fünfter Nord)

Weibliche U18 - Gruppe B: MTV Wangersen (Zweiter Nord), SG TS Thiersheim/TV Lägenau/TV Hallerstein (Erster Süd), TSV Gärtringen (Vierter Süd), VfL Kellinghusen (Vierter Nord), TSV Essel (Ausrichter)

Männliche U18 - Gruppe A: TV Stammheim (Erster Süd), TSV Kleinvillars (Dritter Süd), TV Brettorf (Zweiter Süd), SC DHfK Leipzig (Zweiter Mitte), TSV Essel (Ausrichter)

Männliche U18 - Gruppe B: SV Kubschütz (Erster Mitte), SG TSV Hagen 1860/USC Bochum (Dritter Mitte), MTV Oldendorf (Erster Nord), TuS Wakendorf-Götzberg (Dritter Nord), TV Ochsenbach (Zweiter Süd)

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel

Verschobener Halbmarathon dennoch auf Rekordkurs

Nach der hitzebedingten Absage im Juni wird Hamburgs größter Halbmarathon am Sonntag ausgetragen. Zwar haben sich weniger Leute angemeldet, dennoch läuft die Teilnehmerzahl auf eine Bestmarke hinaus.