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Beckdorf gegen Horneburg

TFeinde in der Halle, Freunde danach: Das Derby der Derbys ist zurück

Ein Beckdorfer Derbysieg hatte schon fast Tradition.

Ein Beckdorfer Derbysieg hatte schon fast Tradition. Foto: Wisser

Eine Derby-Hochzeit, ein hölzernes Sammeltaxi und ein meisterliches Remis: Das Duell SV Beckdorf gegen VfL Horneburg schrieb Geschichten, an die man sich erinnert.

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Von Lars Wertgen
Sonntag, 17.05.2026, 07:50 Uhr

Landkreis. Die Ur-Mutter aller Handball-Derbys ist zurück im Kreis. Nach mehr als 18 Jahren Pause treffen der SV Beckdorf und der VfL Horneburg in der kommenden Saison wieder aufeinander - in der Regionalliga, wo sich Beckdorf etabliert hat und wohin Horneburg zuletzt aufgestiegen ist. Nur zehn Kilometer Landstraße trennen die beiden Orte.

Fit gespritzt, um dabei zu sein

Die Spiele waren immer mehr als Pflichtspiele. Über 500 Fans drängten sich damals in die Halle. „Das war eine extreme Stimmung“, erinnert sich Thorsten Detjen, der als Torhüter für Beckdorf rund zehn Derby-Partien bestritt.

Wer spielen konnte, der spielte - egal, was der Körper sagte. Detjen hatte sich vor einem Derby bei einem Schlittenunfall das Knie verdreht und ließ sich vom Arzt eine Spritze geben, um dabei zu sein. Gegen andere Gegner wäre er ausgefallen. „Man wollte unbedingt dabei sein“, sagt er. Die Spiele waren hart, meist spannend und fast immer fair.

Die Derbys zwischen Beckdorf und Horneburg waren meist umkämpft.

Die Derbys zwischen Beckdorf und Horneburg waren meist umkämpft. Foto: Jürgens

Feinde in der Halle, Freunde davor und danach

Die Rivalität dauerte aber nur 60 Minuten. Nach dem Abpfiff legte ein Handschlag die Fehde auf Eis - bis zum nächsten Aufeinandertreffen

Denn viele Akteure hatten ansonsten ein gutes Verhältnis zueinander. Die Spieler beider Vereine kannten sich oft aus der Jugend oder hatten gemeinsam beim VfL Fredenbeck gespielt. Zahlreiche wechselten auch direkt - von Horneburg nach Beckdorf oder umgekehrt.

Man traf sich fernab der Halle im Partykeller, in Discotheken, einige fuhren gemeinsam in den Urlaub, feierten Geburtstage zusammen. Der damalige Horneburger Jens Westphal war sogar am Abend vor dem Derby 2007 Partygast auf der Hochzeit des Beckdorfers Kim Franz.

Pfiffe als Antrieb

Das Derby-Gift aber kam meist von den Rängen. „Der Beckdorfer Fanclub beleidigte die Horneburger Spieler mit Sprüchen weit unter der Gürtellinie. Lustig ist etwas anderes. Das war Hass“, schrieb das TAGEBLATT nach dem letzten Derby. Der damalige Zweite Vorsitzende des VfL Horneburg, Olaf Matthies, forderte danach öffentlich eine Entschuldigung.

Im Mittelpunkt der Pfiffe standen häufig die Hagedorn-Brüder, Stefan und Christoph, die für Horneburg aufliefen. „Das hat mich aber nie negativ beeinflusst. Das hat mich nur angestachelt“, sagt Christoph Hagedorn. „Ich habe gegen Beckdorf immer relativ viele Tore gemacht.“

Blieb es oberhalb der Gürtellinie, hatten T-Shirts, Banner und Sprechchöre in ausverkauften Hallen einen Charme, den die Region bei keinem anderen Spiel kannte. Legendär auch die Fahrten im hölzernen Sammeltaxi zurück nach Beckdorf.

Stefan Hagedorn war und ist eine der prägendsten Figuren beim VfL Horneburg.

Stefan Hagedorn war und ist eine der prägendsten Figuren beim VfL Horneburg. Foto: Wisser

Zehn Duelle, kein Sieg für Horneburg

Im direkten Duell holte Horneburg in keiner der letzten zehn Begegnungen einen Sieg. „Wir sind die Nummer eins im Kreis“, skandierten die Beckdorfer immer. „Das sind immer zwei geile Punkte gewesen“, erinnert sich Sven Jonas, der legendäre Rechtshänder auf Rechtsaußen des SV Beckdorf. „Wenn man am nächsten Morgen Brötchen geholt hat, haben einen alle gefeiert“, sagt er.

Eine Niederlage im Derby traf Christoph Hagedorn nach eigener Aussage aber nicht härter als jede andere: „Ich wollte jedes Spiel gewinnen und habe gegen andere Teams genauso wenig gerne verloren, egal ob sie 5 oder 500 Kilometer entfernt sind.“

Das schönste Remis der Vereinsgeschichte

In der Gesamttabelle allerdings stand Horneburg am Ende fast jeder Saison vor Beckdorf - was für Stefan Hagedorn mehr zählte als jedes Derby-Ergebnis. „Was hätte ich mir für einen Derbysieg kaufen können, wenn ich am Ende hinter der anderen Mannschaft stehe?“, fragt er.

Nur in der gemeinsamen Regionalliga-Saison gelang es Horneburg nicht, vor Beckdorf zu stehen, als der VfL abstieg und fortan für viele Jahre hinter Beckdorf zurückfiel.

Den einzigen direkten Punktgewinn sicherte sich Horneburg am 4. Mai 2002, dem letzten Spieltag der Saison. In einer epischen Partie erkämpften die Horneburger Sekunden vor Schluss ein Unentschieden. Das Remis wog schwerer als jeder Sieg: Horneburg wurde Meister, Beckdorf Vizemeister. „Ja, ja, ja, ja“, schlug Stefan Hagedorn damals immer wieder jubelnd auf den Hallenboden.

Nach mehr als 18 Jahren: das Derby lebt wieder

Dann, nach dem letzten Derby im Januar 2008, war Schluss. Horneburg stieg ab, die Wege der Rivalen trennten sich für viele Jahre.

Der damalige Beckdorfer Spieler Alexander Kientopf bedauert das. „Das war schade. Die Spiele haben immer Spaß gemacht und die Punkte haben wir gerne mitgenommen“, sagt er.

Nun sind die Derbys zurück. Stefan Hagedorn hofft auf massenbewegende Handballspiele - und darauf, dass sie auch ein Multiplikator für den Nachwuchs sind. Was diese Partien einst für die Region bedeuteten und bewirken konnten, hat diese Generation nicht vergessen.

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