TFreiburgs alter Deich soll abgetragen werden: 140 Leute lehnen das ab
Das Haus von Detlef Heinsohn steht direkt am alten Deich. Foto: Heinsohn
Was passiert mit dem alten Deich in Freiburg? Knapp zwei Monate nachdem die Verwaltung über die Deichabtragung informiert hat, wird im Ort spekuliert.
Freiburg. Das ist das Szenario: Der alte Deich umschließt den äußeren Ortskern. Wird der neue Ringdeich überflutet, hält der alte Schutzdamm das Wasser im Ortskern fest. Durch den Ringdeich, der Richtung Elbe um den Ort führt, könne sich das Wasser nicht nach Norden ausbreiten. Es werde wie in einem Becken festgehalten und überflute den Flecken.
Nun soll der alte Deich verschwinden. Detlef Heinsohn, der auf der westlichen Seite eng am Deich wohnt, wäre froh, wenn die historische Deichlinie endlich aufgebrochen würde. Er erinnert sich noch gut an die beiden Fluten 1962 und 1976: Bei der 62er Flut reichte das Wasser bis zu einer Handbreite an die Deichkrone.
Der alte Deich schmiegt sich an die Häuser der Deichshörne. Foto: Heinsohn
Von zwei Seiten umfasst der inzwischen entwidmete Deich Heinsohns Haus. „Der Deich rutscht“, sagt der 73-Jährige, „insbesondere Starkregenfälle belasten den Deich.“ Drei Generationen haben in dem kleinen Haus gewohnt. „Wir an der Deichshörne wären alle froh, wenn der Deich bis auf Höhe Optiker Friesecke wegkommt“, spricht Heinsohn für seine Nachbarn.
Anwohner östlich des Ortskerns wollen Deich behalten
Aber es gibt da auch die andere Seite: Die Anwohner in östlicher Richtung, vom Hafenhaus bis zur Reithalle, wollen den Deich behalten. Ein Anwohner, der nicht genannt werden will, fürchtet, dass bei einem Rückbau des Deiches sein Haus Schaden nimmt und an Wert verliert.
T Verkehrte Welt: Deich soll zum Schutz von Freiburg abgetragen werden
„Hier ist es ruhig, ortsnah und das Wasser nah an den Grundstücken“, sagt er. Der Deich, dessen Bau im 12. Jahrhundert begonnen haben soll, biete Schutz, und viele Freiburger verbänden schöne Erlebnisse mit dem Deich: Wenn etwa im Winter Kinder mit ihren Schlitten hinunterrutschen oder im Frühjahr die ersten Osterlämmer geboren sind.
Knapp 140 Bürger unterzeichneten die Petition
Sein Nachbar Bernd von Borstel hat eine Petition an den Flecken Freiburg, die Gemeinde Nordkehdingen, den Deichverband, das Amt für Denkmalschutz sowie an den Landrat geschickt. „Hände weg von unseren Deichen! Nein zum Abbau der historischen Deichlinien in Freiburg“, lautet der Titel der Petition.

Detlef Heinsohn zeigt, wie hoch die Flut 1962 gestiegen ist. Foto: Helfferich
Knapp 140 Leute haben sie unterzeichnet. „Wir könnten noch 500 weitere Unterschriften bekommen“, ist sich von Borstel sicher.

Alf Kober kann beide Seiten verstehen. Foto: Helfferich
Als Gründe für die Petition werden Verlust an Hochwasserschutz, Zerstörung des historischen Ortsbildes, Eingriff in Natur- und Naherholungsgebiete sowie fehlende Einbindung der Bürger aufgeführt.

Der alte Elbdeich im östlichen Bereich Freiburgs. Foto: Helfferich
Wenn der Deich verschwindet, seien die Häuser an den Straßen Am Deich und Am Bassin Wind und Wetter ausgeliefert, so Bernd von Borstel. Er befürchtet außerdem, dass durch den Transport mit schweren Lkw diese Straßen kaputtgefahren würden. Er schlägt vor, den Deich zu schlitzen, damit das Wasser ablaufen kann. Und der Deich selbst bliebe erhalten.
Soll mit der Deicherde der Hauptdeich aufgestockt werden?
Bei der Info-Veranstaltung der Gemeinde sei gesagt worden, dass mit der Deicherde der Hauptdeich aufgestockt werden soll, so von Borstel. Das Szenario, das das Bauamt vor zwei Monaten ausschließlich den Anwohnern vorstellte, überzeugt offensichtlich nicht jeden. „Dass beide Deiche brechen - erst der Landesschutzdeich und dann der Ringdeich -, das ist doch sehr unwahrscheinlich“, sagt Alf Kober, der kein betroffener Anlieger ist, aber zur „Informationszentrale“ Freiburgs gehört.
„Den Grund, warum der Deich abgebaut werden soll, verstehe ich“, sagt hingegen Detlef Heinsohn, „so kann sich das Wasser im Hinterland besser verteilen.“ Es gebe aber auch die Möglichkeit, im Osten Freiburgs das Wasser abzuleiten und einen Abfluss in Richtung Ruthenstromer Nase zu schaffen; oder Deichüberfahrten zu Deichdurchfahrten umzugestalten und so das Wasser durchlaufen zu lassen.
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