TGeocaching feiert Geburtstag: Die ewige Suche nach dem perfekten Versteck
Petra Isanowski und Holger Krzywdzinski haben einen Cache geschaffen, der nicht nur erwachsene Geocacher entzückt. Foto: Helfferich
Geocaching - die Schnitzeljagd nach GPS-Daten - ist 25 Jahre alt. Aktive aus der hiesigen Community laden zu Geo-Games in Gräpel ein. Was ist so faszinierend an der Suche?
Gräpel. Ob Schnitzeljagd mit Papierschnipseln, Letterboxing mit kartografischen Hinweisen in Behältern oder Geocaching mit GPS-Daten: Der Mensch ist offenkundig ein ewig Suchender und erfreut sich an Miniaturen, die er in unterschiedlichsten Verstecken findet - so auch beim Geocaching.
„Wir sind eine große Gemeinschaft“, sagt Petra Isanowski aus Elm. Weltweit soll es 1,7 Millionen Geocacher geben, in Deutschland etwa 280.000 (Quelle: geoclimbing.de). Wer nicht dazugehört, ist ein Muggle - ein Unwissender, wie bei Harry Potter.
Petra Isanowski ist kein Muggle mehr. Vor sieben Jahren stieß sie zufällig auf einen Petling, als sie ihrem Hobby Baumklettern nachging. Ein Petling ist ein kleiner Rohling aus PET, der erst noch zur Flasche aufgeblasen werden muss - oder als Dose für einen Cache (Versteck) verwendet wird.
„Ich fragte mich damals, wie die Dosen in die Bäume gelangten“, erinnert sich die 52-Jährige. Petra Isanowski forschte im Internet. Seither geht auch sie mit dem Handy auf Jagd nach Caches. „Das Tolle ist, dass ich das Geocaching mit dem Baumklettern verbinden konnte.“
Weltweit 3 Millionen Verstecke sind zu entdecken
Geocaching ist in diesem Jahr 25 Jahre alt geworden. Am 2. Mai 2000 schaltete die US-Regierung für nicht-militärische Nutzer die künstliche Verschlechterung von GPS-Daten ab. Damit steigerte sich die Genauigkeit der Daten von etwa 100 Metern auf zehn Meter, wodurch der Einsatz von GPS bei Schnitzeljagden wesentlich interessanter wurde. Laut der Datenbank des inzwischen größten Geocache-Verzeichnisses Geocaching.com existieren heute weltweit insgesamt mehr als 3 Millionen Caches (Quelle: Wikipedia).
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Auch Holger Krzywdzinski aus Stade ist mit dem Geocaching-Virus infiziert. Im Frühjahr 2020 hatte ihm ein Freund von der digitalen Schnitzeljagd erzählt. „Ich fand das faszinierend, wie mich mein Handy zu Plätzen führte, die ich vorher nicht kannte oder nie beachtet hatte“, erzählt auch er.
Holger Krzywdzinski meldete sich zunächst bei einer kostenlosen App an und entdeckte die ersten Caches in nur 300 Meter Entfernung von seinem Zuhause. Beim Besuch eines Freundes in Hamburg suchten sie - stets mit dem Handy vor der Nase - erfolgreich im dortigen Umfeld mehrere Verstecke.
Corona-Pandemie ließ Zahlen der Geocacher steigen
Doch zehn Tage später legte ein anderes Virus Deutschland lahm: die Corona-Pandemie, die soziale Kontakte nicht mehr zuließ. Der 56-Jährige lernte das Geocaching noch mehr zu schätzen: „Es ist ein tolles Hobby, bei dem man niemandem zu nahe kommen muss“, sagt er. Wenngleich die Suche in Gemeinschaft mehr Spaß mache.
Holger Krzywdzinski zählt weitere Vorteile von Geocaching auf: Man kommt raus, hat soziale Kontakte, bewegt sich zu Fuß oder per Rad an der frischen Luft und nimmt die Natur ganz anders wahr. Während der Pandemie war die Zahl der aktiven Geocacher in Deutschland auf 375.000 angestiegen.

Mit einer ausziehbaren Angel wird ein neuer Cache hinterlegt. Foto: Helfferich
Der Logistiker ist stets vorbereitet, sein Kofferraum ist gut sortiert. Dort liegen Gummistiefel und Wathose, falls er mal ins Wasser steigen muss, um einen Cache zu erreichen. Auch hat er einen ausziehbaren Klapphocker dabei, eine Strickleiter und Schlaufenschlingen, um sich beim Baumklettern abzusichern.
Nicht fehlen darf eine Teleskop-Angel, mit der er die unterschiedlichsten Dosen aus Baumkronen fischen kann, wenn er nicht selbst zum Versteck klettern kann. Aber: „Kein Cache der Welt ist es wert, sich in Gefahr zu begeben“, sagt Holger Krzywdzinski.
Gut ausgerüstet für die ewige Suche nach den Caches
In seiner Packtasche liegen verschiedene Petlings und Logbücher unterschiedlicher Größen, die Kleinsten sind so groß wie ein Fingernagel. Auch kleine Bleistifte hat Holger Krzywdzinski dabei, falls mal ein Stift verloren geht oder der Cache zu klein ist, um einen Stift vorzuhalten. Denn der jeweilige Finder soll sich mit seinem Namen und dem Datum in das Logbuch eintragen.

Geocacher tragen sich in ein Logbuch ein. Foto: Helfferich
Außerdem gibt es Tauschgegenstände: kleine Spielzeuge, die die Aktiven auswechseln; nicht wertvoll, aber für einen Geocacher von emotionaler Bedeutung. Petra Isanowski hat seit sie Geocaching betreibt rund 13.000 Caches gefunden und 136 Caches selbst hinterlegt. Holger Krzywdzinski, der als Frührentner mehr Zeit hat, entdeckte rund 21.000 Verstecke, 100 legte er selbst.
Petra Isanowski betont, dass Geocaching ein naturschonendes Hobby sei: „Wir betreten weder Brutzonen, noch andere Schutzgebiete“, versichert sie. „Petlings im Wald müssen von den Waldbesitzern genehmigt werden“, ergänzt Holger Krzywdzinski.
Beide freuen sich auf die Geo-Games am 13. September von 10 bis 18 Uhr beim Gasthaus Plate in Gräpel. Angeboten werden unterschiedliche Schwierigkeitsgrade für verschiedene Altersgruppen. Das sechsköpfige Organisationsteam hat rund 50 Helfer um sich geschart, die beim Aufbau helfen. Inzwischen gebe es 550 Anmeldungen für das Geburtstagsfest an der Oste.
„Das können aber schnell 800 Leute sein, denn manche gehen in Gruppen los. Daher gehen wir von 1,5 Doppel-Accounts aus“, erzählt Holger Krzywdzinski. Wer mitmachen will, kann auf der Seite geocaching.com kostenlos ein Konto anlegen und sich mit Mailadresse und selbst ausgedachtem Nickname anmelden.
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