T„Geredet und getrunken“: Wie in Harsefeld aus Partnerschaft Freundschaft wurde
Seit 22 Jahren enge Freunde: Didier und Mireille Fleury (Mitte) aus Asfeld und Ina Hildebrandt-Heins aus Harsefeld. Foto: P. Meyer
Vor 22 Jahren lernten sich Familie Heins und Familie Fleury kennen. Heute verbindet die deutsch-französische Freundschaft weit mehr als nur ein Austauschprogramm zwischen Harsefeld und Asfeld.
Harsefeld. Es ist eine Freundschaft wie aus dem Bilderbuch: Familie Heins aus Harsefeld und Familie Fleury aus Asfeld teilen eine Verbindung, die sogar Ländergrenzen überbrückt. Vor mehr als 60 Jahren wurde der Grundstein dafür gelegt: als die Städtepartnerschaft von Asfeld und Harsefeld ins Leben gerufen wurde. Zum Jubiläum sind auch Didier und Mireille Fleury wieder zu Besuch bei ihren langjährigen, engen Freunden in Harsefeld.
Eng verbunden (von links): Nico und Mailin Timmermann, Didier und Mireille Fleury mit Enkelin Mila Légère, Ina Hildebrandt-Heins sowie Vandimilli und Florian Heins Lima mit Miguel und Lia-Sophie. Foto: P. Meyer
„Die Verbindung war sofort da“, erinnert sich Ina Hildebrandt-Heins an die erste Begegnung mit den Fleurys vor 22 Jahren. Sie und ihr Mann Jörg Heins, der im vergangenen Jahr unerwartet verstarb, verbrachten das Wochenende bei der Asfelder Gastfamilie. Schon zuvor hatten sie Asfeld besucht, doch so eng wie mit den Fleurys war zuvor keine Verbindung gewesen.
Der erste Besuch blieb im Gedächtnis: „Wir haben viel geredet - und Wein getrunken“, erzählt Ina Hildebrandt-Heins, die damals als Gastgeschenke Spielsachen für die Asfelder Grundschüler im Gepäck hatte.
Gemeinsame Urlaube und Meilensteine
Die Chemie zwischen den Ehepaaren habe einfach von Beginn an gestimmt. Der Gegenbesuch folgte bereits ein Jahr später in Harsefeld. Jahr für Jahr festigte sich die deutsch-französische Freundschaft, und so trafen sich die Familien auch außerhalb des Austauschs, der jährlich durch die Gemeinde organisiert wird. Es entstand eine intensive Freundschaft. Besondere Geburtstage oder Hochzeiten wurden besucht und gemeinsame Urlaube verbracht.

Im Jahr 2016 in Asfeld (vorne von links): Didier, Clément und Mireille Fleury mit (hinten) Ina Hildebrandt-Heins und Jörg Heins in Asfeld während der EM 2016 in Frankreich. Foto: privat
Ein gemeinsamer Trip mit einem Hausboot auf dem Canal du Midi vor einigen Jahren war eines der Highlights ihrer Freundschaft. Nicht weniger schön, aber chaotischer verlief es in Paris: „Wir fuhren Kolonne und haben uns im Pariser Verkehr verloren. Didier fuhr rechts, wir fuhren links herum“, erzählt Ina Hildebrandt-Heins. „Am Ende haben wir uns unterm Eiffelturm wiedergefunden.“
Städtepartnerschaft
Reise von Apensen nach Ploërmel in der Bretagne - Austausch seit 1973
Dass die Fleurys sogar in den Norwegenurlaub der Familie Heins mitgenommen wurden, sei etwas ganz Besonderes, erklärt Sohn Florian Heins Lima: „Das bedeutet eigentlich schon die Aufnahme in die Familie“, sagt er. Und im Gegensatz zu ihm, hätten die Fleurys sogar einen Schlüssel zum Haus. „Auch unsere Türen stehen immer offen“, so Didier Fleury.
Von deutscher Grammatik und französischem Essen
Diese Offenheit und das gewisse Laissez-faire habe Familie Heins durch den Austausch mitgenommen. „Die große Gastfreundschaft hat uns sehr imponiert“, so Ina Hildebrandt-Heins. Wer zu Gast in Frankreich ist, müsse sich auf viele Gänge und viel gutes Essen einstellen, ergänzt ihre Tochter Mailin Timmermann. Ihr Mann Nico Timmermann weiß, trotz geringer Französischkenntnisse: „Man lernt eine Kultur nie so gut kennen wie über solch ein Austauschprogramm.“

Im September 2025 bei einem Besuch in Asfeld (von links): Nico und Mailin Timmermann, Jörg Heins und Ina Hildebrandt-Heins sowie Mireille und Didier Fleury. Foto: privat
Miteinander sprechen die Familien größtenteils Deutsch. „Ich habe damals in der Schule Deutsch gelernt“, erklärt der ehemalige Schulleiter Didier Fleury. Doch das habe eher weniger zum Sprechen gereicht. „Das war viel Grammatik“, sagt er. Durch den Austausch habe Fleury sein Deutsch verbessern und auch anwenden können. „Ina spricht aber auch Französisch“, so Didier Fleury. „Nur nicht mit mir“, lacht er.
An Deutschland und Harsefeld schätzt der 63-Jährige die Ordnung und Struktur. „Es ist eine Kultur, die ich mag“, sagt er. Zum ersten Mal war Didier Fleury 1997 in Harsefeld, als die Freiwillige Feuerwehr Asfeld Harsefeld einen Besuch abstattete. Das habe ihm so gut gefallen, dass er sich dazu entschied, am Austauschprogramm teilzunehmen. Dass daraus solch eine Freundschaft entstehen würde, hätte er damals nicht ahnen können.
Schicksalsschlag brachte Familien noch näher zusammen
Wie tief diese Verbindung geht, zeigte sich besonders 2025, als Jörg Heins unerwartet verstarb. Als Teil des Asfeld-Komitees hatte er einen großen Anteil am Ausbau und Bestehen der deutsch-französischen Städtepartnerschaft. Zu seiner Beerdigung kamen viele seiner französischen Weggefährten und Freunde. Didier Fleury hielt eine Rede.

Ein gemeinsamer Ausflug nach Lübeck im Mai 2023: Didier Fleury (links) und Jörg Heins. Foto: privat
Um die Freundschaft zwischen den Familien in die nächste Generation zu tragen, werden auch die Enkel miteinbezogen. Didier und Mireille Fleury haben in diesem Jahr Enkelin Mila Légère nach Harsefeld mitgebracht. Die Enkel von Ina Hildebrandt-Heins, Lia-Sophie und Miguel, hören schon gerne französische Kinderlieder - und schwenken mit Begeisterung die französische Flagge.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.