Deinste

TGerettete Dampflok fährt ab Deinste: Letzte Gelegenheit für eine Weihnachtstour

Oliver Reinecke und Heizer Ralph-Ludwig Gehrke (links) sind bereit, der Schwartzkopff-Dampflok einzuheizen.

Oliver Reinecke und Heizer Ralph-Ludwig Gehrke (links) sind bereit, der Schwartzkopff-Dampflok einzuheizen. Foto: Reinecke

Nur der Schornstein ragte aus dem Schrotthaufen heraus. Das Schicksal der Schwartzkopff-Lok in Harburg schien besiegelt. Aber ein paar Eisenbahn-Liebhaber retteten sie gerade noch. Fast 50 Jahre später fährt sie jetzt in Deinste zum Nikolaus.

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Von Miriam Fehlbus
02.12.2023, 15:50 Uhr

Deinste. Nicht Lummerland, sondern Lütjenkamp heißt der besondere Ort, an dem die Lok Nummer 7 derzeit wohnt. Und nicht Lukas der Lokomotivführer und seine Emma sind auf den Gleisen unterwegs, sondern Oliver Reinecke und seine Schwartzkopff Baujahr 1936.

Dafür geht es auch nicht zur Wilden 13, sondern zum Nikolaus. Fahrgäste können in 100 Jahre alten Waggons mit wärmenden Kanonenöfen mitreisen. Erst einmal ist es die letzte Gelegenheit.

Segelmacher schraubt an alten Loks

„Zwei Wochenenden fährt sie noch, dann kommt sie wieder nach Hause“, sagt Oliver Reinecke über seine Lok. Sie ist eine von zwölf, an denen der Hobby-Eisenbahner privat herumschraubt.

Beruflich ist er Kaufmann und gelernter Segelmacher. Aber die stählernen Zugpferde aus Torfabbau und Raffinerie haben es ihm angetan. Nummer 7 ist seine einzige Dampflok, der Rest fährt mit Diesel - wenn die Schienenfahrzeuge denn mal fahren.

Durch die Feldmark geht es nach Lütjenkamp. Die Fahrt hin und zurück mit kurzer Pause beim Nikolaus dauert etwa 50 Minuten.

Durch die Feldmark geht es nach Lütjenkamp. Die Fahrt hin und zurück mit kurzer Pause beim Nikolaus dauert etwa 50 Minuten. Foto: Reinecke

Einst fuhr die Schwartzkopff-Dampflok durch die „Affi“

2000 hat der 56-Jährige als Vereinsmitglied des Deutschen Feld- und Kleinbahnmuseums in Deinste die Lok gekauft. Weit mehr als 1000 Stunden Arbeit hat er seitdem reingesteckt. „Dampfloks sind sehr arbeitsintensiv und schwierig in der Unterhaltung“, sagt Reinecke.

Irgendwann hakte es bei Nummer 7. Die Instandsetzung hätte der Verein nicht zusätzlich zur Pflege seiner Henschel-Dampflok von 1927 und der Pflege der anderen 22 fahrbaren Museumsstücke geschafft. Oliver Reinecke konnte sie erwerben.

Mit einem Rad beim Schrotthändler

Damit wurde die Lok wohl ein zweites Mal gerettet. Richtig eng war es für sie Anfang der 1970er Jahre. Da stand die Bahn, die auf dem Gelände der „Affi“, der damaligen Norddeutschen Affinerie, ihren Dienst tat, schon bereit zur Abholung durch den Schrotthändler.

„Nur der obere Teil des Schornsteins hat noch aus dem Haufen Altmetall herausgeschaut“, weiß Oliver Reinecke zu berichten. Selbst dabei war er natürlich noch nicht. Aber die älteren Mitglieder des damals im Buchholzer Stadtteil Holm-Seppensen in der Nordheide beheimateten Vereins erzählten ihm davon.

1979 musste der Verein umziehen. Die Loks waren zu laut für die Anwohner. Deinste wurde die neue Heimat des Vereins. Besonders passend: das alte Deinster Bahnhofsgebäude von 1898. Neben der Bahnstrecke für den Moorexpress ist eine kleinere Feldbahnspur entstanden. Inzwischen ist sie zwei Kilometer lang.

Zwei Dampfloks pendeln im Halbstundentakt

Eingefleischte Eisenbahnfreunde und Familien können noch an diesem Sonntag, 3. Dezember, sowie am Wochenende 9./10. Dezember auf Tour gehen. Mit zwei historischen Dampfloks geht es vom Deinster Bahnhof nach Lütjenkamp und zurück.

Dort wurde auch schon in den Vorjahren etwas verfrüht und auch noch nach dem 6. Dezember der Nikolaus gesehen. Im Lokschuppen hat er für jedes Kind, das mit der Bahn anreist, eine süße Überraschung. Die Abfahrten erfolgen alle halbe Stunde.

So viel kostet eine Fahrt

Die erste Fahrt beginnt jeweils um 10.40 Uhr ab Deinste. Die letzte Fahrt startet um 16.10 Uhr. Eine Fahrt inklusive Ausstieg und Bescherung in Lütjenkamp dauert etwa 50 Minuten. Der Eintrittspreis für Erwachsene beträgt 6 Euro, für Kinder 3 Euro. Eine Vorbestellung ist nicht notwendig. Auch für die Erwachsenen gibt es etwas für das leibliche Wohl in Lütjenkamp. Der Würstchengrill hat geöffnet.

An den nächsten zwei Wochenenden wird ordentlich Kohle geschaufelt, damit die Dampfloks fahren können.

An den nächsten zwei Wochenenden wird ordentlich Kohle geschaufelt, damit die Dampfloks fahren können. Foto: Reinecke

Richtig einheizen will gelernt sein

Für das „Personal“, zu dem auch Oliver Reinecke gehört, heißt es an vier Tagen Schuften und Schwitzen. Auf Knopfdruck fährt die Dampflok nämlich nicht. Ihr muss tüchtig eingeheizt werden.

Oliver Reinecke hat einen Großteil seiner „Dampffahrten“ nicht auf der Schiene, sondern auf dem Wasser absolviert: auf dem Dampfschiff Schaarhörn in Hamburg. „Ich mochte es schon immer, wenn es qualmt, stinkt und dampft“, sagt er. In den Feinschliff der Ventile, des richtigen Drucks und der Technik hat er sich selbst eingearbeitet.

Dampflok fährt locker durch den TÜV

Seine Schwartzkopff, gebaut in Berlin, hat jedenfalls alle TÜV-Prüfungen bestanden. Umso stolzer war er, als er sie beim Bahnhofsfest zum 125. EVB-Strecken-Geburtstag wieder fahren sah. Da nämlich wurde seine neun Tonnen schwere Lok mit dem Tierflader nach Deinste gebracht. Und so wird sie auch wieder zurück in den Landkreis Rotenburg reisen.

Für das Deutsche Feld- und Kleinbahnmuseum geht es nach den Nikolausfahrten in die Winterpause. Und auch für Olaf Reinecke geht es von draußen häufiger auf die Modellbahn nach drinnen. Zu Hause hat er nämlich seine Lieblingsbahn, die Sylter Bahn, in H0m. Falls er Deinste vermisst: Auch den Deinster Bahnhof gibt es für 59,50 Euro als Modell im Maßstab 1:87.

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