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TGeschwister auf Torejagd: Familie Lenzsch träumt vom ganz großen Wurf

Santino, Georgina und Leano Lenzsch (von links): Sie wollen in die 3. Liga.

Santino, Georgina und Leano Lenzsch (von links): Sie wollen in die 3. Liga. Foto: Thumann

Der Älteste spielt in Beckdorf, Schwester und Bruder in Stade und Fredenbeck. Santino, Georgina und Leano Lenzsch leben für den Handball und haben große Ziele.

Von Rainer Thumann Freitag, 20.02.2026, 14:05 Uhr

Fredenbeck. Sie sind Geschwister. Sie heißen Santino, Georgina und Leano Lenzsch. Sie mögen die Sporthalle. Sie mögen den Geruch nach Harz und das Klebrige an den Fingern. Sie verbringen viel Zeit im Mannschaftsbus und im Auto. Sie verfolgen ehrgeizige Ziele. Sie sind Handballer.

Und alle drei eint ein Traum: Irgendwann wollen sie in der 3. Liga Leistungssport betreiben. Diesem Ziel am nächsten ist derzeit Santino. Der 20-Jährige spielt beim Regionalligisten SV Beckdorf als Rechtshänder auf halblinks oder auf der Spielmacherposition. Zuletzt bekam er wieder mehr Spielzeit nach einer Leidenszeit, die Geduld verlangte.

Santino Lenzsch spielt beim Regionalligisten SV Beckdorf.

Santino Lenzsch spielt beim Regionalligisten SV Beckdorf. Foto: Potreck

„Ich war sechs Monate verletzt. Zunächst Mittelhandknochen gebrochen, und als das ausgeheilt war dann einen Muskelbündelriss im rechten Oberschenkel mit Bluterguss im Muskel“, erzählt der BWL-Student. Vier Monate Belastungsverbot liegen hinter ihm. Jetzt ist er zurück.

Sie spult Pensum einer Top-Athletin ab

Noch härter traf es seinen Bruder Leano (15). Er stürzte im Training auf die Hüfte, zunächst ganz unspektakulär. Doch Bakterien setzten sich auf die Knochenoberfläche. Krankenhaus, Operation in einer Hamburger Spezialklinik, lange Pause. „Ich musste langsam im vergangenen März in der B-Jugend der HSG Stade/Fredenbeck/Harsefeld wieder reinkommen und bin jetzt in der Jugend-Regionalliga wieder gut dabei“, berichtet Leano. Ein Satz, der nüchtern klingt und doch eine kleine sportliche Wiederauferstehung beschreibt.

Santino Lenzsch spielt beim Regionalligisten SV Beckdorf.

Santino Lenzsch spielt beim Regionalligisten SV Beckdorf. Foto: Potreck

Schwester Georgina blieb von solchen Rückschlägen verschont. Die 18-Jährige schnuppert im blauen Fredenbeck-Trikot ebenfalls Bundesliga-Luft im Jugendbereich. Sechs Tage pro Woche steht sie in der Halle: vier Trainingseinheiten, dazu am Wochenende zwei Spiele - Jugend und Damen. Ein Pensum wie bei einer Profiathletin.

Georgina Lenzsch steht an sechs Tagen pro Woche in der Sporthalle.

Georgina Lenzsch steht an sechs Tagen pro Woche in der Sporthalle. Foto: Potreck

Was man dabei nicht sieht: den Aufwand hinter den Kulissen. Die Familie lebt in Bad Bederkesa, 6000 Einwohner, viel Natur, viel Ruhe. „Unsere Familie mag es etwas ländlich ruhiger und wohnt daher in Bad Bederkesa, aber da kann man leistungsmäßig keinen höherklassigen Handball spielen“, sagt Georgina, die im kommenden Jahr ihr Sport-Abitur in Bremerhaven ablegen möchte.

So viele Kilometer kommen für den Handball zusammen

Also heißt es pendeln. Täglich geht es ins 20 Kilometer entfernte Bremerhaven. Georgina und Leano zur Schule, Santino zur Uni, Mutter Anja als pädagogische Fachkraft an die Oberschule, Vater Manuel zur Schicht in den Hafen. Und danach weiter in die Hallen: nach Beckdorf (74 Kilometer), Fredenbeck, Stade oder Harsefeld (55 Kilometer) und am Wochenende nach Bad Schwartau, Berlin und Leipzig. Ein Familienleben auf der Straße. Abendbrot gibt es schon mal als Stulle auf dem Beifahrersitz, Hausaufgaben entstehen zwischen Umkleidekabine und Tribüne.

Mindestens ein Elternteil ist bei jedem Spiel dabei. „Ich habe es mal ein halbes Jahr aufgeschrieben und bin auf 20.000 Kilometer in sechs Monaten gekommen“, berichtet Anja Lenzsch. Sie selbst wurde zu DDR-Zeiten nach dem dortigen Sportsystem vermessen und in Frankfurt/Oder dem Handball zugeteilt. Das war der Beginn einer Leidenschaft, die heute in der nächsten Generation weiterlebt.

Die sportliche Reise begann einst in Bederkesa. Georgina und Leano spielten dort sogar gemeinsam in einem Team. „Unser großer Bruder Santino war immer ein Vorbild für uns, und da er das Trikot mit der 15 bei HC Bremen trug, wollten wir es auch und wechselten auch gleich mit an die Weser“, erzählt Georgina Lenzsch. Sie ging zu Werder Bremen, Leano zum HC.

Außergewöhnliche Namen: Besser auf dem Spielplatz

Und wie landet man schließlich im Landkreis Stade? „Ich habe in der Kreisauswahl gespielt für die DHB-Sichtung, und da waren dann Jungs vom VfL Fredenbeck mit drin. Auch der Sohn von VfL-Manager Lars Müller, und daher kennen die mich von klein auf“, sagt der ehrgeizige Santino. „Mich hat die Jugendtrainerin Sylvana Zasendorf-Motzkus in der Halle zum Probetraining angesprochen“, berichtet Georgina. Wenn eine(r) geht, gehen alle - die drei wechselten geschlossen.

Sportlich zeigt die Kurve nach oben. Und beruflich? Die Pläne reifen ebenfalls. „Polizistin oder Lehramt mit dem Fach Deutsch“, sagt Georgina. „Wasserschutzpolizei fände ich cool. Wir sind mit den Großeltern in Schweden oft mit dem Boot rausgefahren zum Angeln. Das hat viel Spaß gemacht“, erläutert Leano seine Vorstellungen. Santino kann sich einen Weg ins Marketing oder Controlling passend zum BWL-Studium vorstellen.

Bleibt noch die Frage nach den ungewöhnlichen Vornamen, die auf norddeutschen Spielberichtsbögen eher selten zu lesen sind. Die Antwort liefert Mutter Anja mit einem Lächeln: „Ich wollte außergewöhnliche Namen. Wenn ich auf dem Kinderspielplatz rufen würde, dann drehen sich auch nur meine Kinder um.“

Santino, Georgina, Leano - drei Namen, drei Karrieren, ein Ziel. Und sehr viele Kilometer dazwischen.

Leano verletzte sich bereits als junger Handballer schwer.

Leano verletzte sich bereits als junger Handballer schwer. Foto: Potreck

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