THausarztmangel im Landkreis Stade: Viele Praxen vor Schließung
Der niedergelassene Kardiologe und Sportmediziner ist Bezirksausschuss-Vorsitzender der Bezirksstelle Stade der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Foto: Wisser
Ärztemangel in Niedersachsen: Drohende Praxisschließungen und unbesetzte Hausarztsitze – wie sich die Lage zuspitzt und welche Auswirkungen das auf die Patienten hat.
Landkreis. Einen niedergelassenen Hausarzt zu finden oder einen Facharzt-Termin zu bekommen, bleibt ein Problem. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Lage in den kommenden Jahren schlechter wird“, sagt Dr. Stephan Brune. Der niedergelassene Kardiologe und Sportmediziner ist Bezirksausschuss-Vorsitzender der Bezirksstelle Stade der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN).
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Brune warnt seit Jahren vor dem Praxissterben. Das liegt daran, dass viele Ärzte in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen und zu wenig Mediziner an den Universitäten ausgebildet werden.
Hausarztpraxis in Harsefeld steht vor Schließung
Laut KVN sind in Niedersachsen derzeit 577 Hausarztsitze unbesetzt. Die derzeit praktizierenden Ärzte seien im Schnitt 56 Jahre alt – viele stünden kurz vor dem Ruhestand. Gleichzeitig würden viele junge Medizinerinnen nur in Teilzeit arbeiten.
Aktuell droht eine Praxisschließung. In Harsefeld soll die Hausarzt-Praxis von Dr. Köper zum 31. März geschlossen werden. Aktuell werden die Patienten informiert. Es geht unter anderem um die Patientenakten. Die KVN bestätigt auf TAGEBLATT-Nachfrage den Vorgang. Ebenfalls nach TAGEBLATT-Informationen konnte keine Nachfolge-Lösung gefunden werden.
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Obwohl die Perspektive für die kommenden Jahre schlecht ist, hat sich die Ärzteversorgung besonders im Südkreis in den vergangenen Monaten etwas verbessert. „Wer einen Hausarzt braucht, muss oft viel telefonieren, bekommt in der Regel aber einen“, sagt Bezirksausschuss-Vorsitzender Stephan Brune.
Leichte Verbesserung im Bereich Buxtehude
Die Ärzteversorgung im Bereich Buxtehude ist bei 84 Prozent. Dazu gehören neben der Hansestadt Buxtehude Harsefeld, Apensen, Horneburg und Jork. Im Bereich Stade sind es 86 Prozent. Die Stadt Buxtehude galt zwischenzeitlich sogar als offiziell unterversorgt. Dass die Lage jetzt besser ist, liegt auch daran, dass Dr. Johanna Lemb gerade in Buxtehude eine neue Hausarztpraxis eröffnet hat. Eine Region gilt erst ab einem Versorgungsgrad von unter 75 Prozent als unterversorgt.
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Stephan Brune warnt aber davor, die Versorgungsgrade als alleinigen Maßstab für die Problematik Ärzteversorgung zu benennen. „Es ist auch entscheidend, wie viele Patienten ein Arzt tatsächlich versorgt“, sagt Brune. Ein Hausarzt oder eine Hausärztin hat 2024 rein rechnerisch im Schnitt mehr als 1200 Menschen in einem Quartal „versorgt“.
Hausarzt versorgt in Niedersachsen 1356 Menschen
Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilte, gab es zwischen den Bundesländern große Unterschiede. In Brandenburg (1436), Bremen (1369) und Niedersachsen (1356) waren es demnach 2024 überdurchschnittlich viele Menschen, die auf einen Hausarzt kamen. Der Durchschnitt sage wenig darüber aus, wie viele Patienten ein Arzt in der Praxis versorgen würde.
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Sicher ist dagegen: Die Versorgung durch einen niedergelassenen Arzt ist für das Gesundheitssystem insgesamt die günstigere Variante. 716 Euro pro Patient kostet die ambulante Versorgung in der Praxis durchschnittlich im Jahr, die stationäre Krankenhausversorgung dagegen 9.465 Euro pro Patient laut Zahlen der KVN.
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