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Historie

THengste, Stolz und Dauerwellen: Die Deckstation in Großenwörden

Foto aus alten Zeiten: die Deckstation des Landgestüts in Großenwörden.

Foto aus alten Zeiten: die Deckstation des Landgestüts in Großenwörden. Foto: Klempow

Burkhard Wick weiß so ziemlich alles über Hengste und Ahnentafeln der Deckstation Großenwörden. Und auch, woher der „Dauerwellenhengst“ seinen Spitznamen hatte.

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Von Grit Klempow
Montag, 22.06.2026, 11:50 Uhr

Großenwörden. Rund um die Hannoveraner-Zucht hat Burkhard Wick aus Engelschoff-Neuland alles gesammelt: Bücher, Zeitschriften und Aktenordner füllen die Regale im Arbeitszimmer. Eine Leidenschaft.

Vergangene Zeiten: Burkhard Wick und sein Vater Helmut beim Ritt zur Deckstelle. Die Stute Dracheneiche, genannt Sabine, ist für Wick unvergessen.

Vergangene Zeiten: Burkhard Wick und sein Vater Helmut beim Ritt zur Deckstelle. Die Stute Dracheneiche, genannt Sabine, ist für Wick unvergessen. Foto: Archiv Wick

„Damit fing es an“, erzählt er und zeigt alte Fotografien. Eine zeigt ihn als Pöks bei einem Ritt an der Seite seines Vaters und mit der Stute namens Dracheneiche, die sie damals nur „Sabine“ nannten. Die hatte er ins Herz geschlossen.

Die Faszination der Ahnentafeln

Wick hat zu jedem Pferd rund um die Deckstelle Großenwörden den Stammbaum parat. Namen, Jahreszahlen, Hengste, Stuten - er rattert sie runter. Die Geschichte der Deckstation fasziniert ihn. Großenwörden als Station des Landgestüts Celle gibt es in diesem Jahr seit 125 Jahren.

Burkhard Wick hat alles rund um die Hannoveranerzucht und die Deckstelle Großenwörden gesammelt.

Burkhard Wick hat alles rund um die Hannoveranerzucht und die Deckstelle Großenwörden gesammelt. Foto: Archiv Wick/RV Engelschoff

Andere gibt es längst nicht mehr: Oberndorf, Baljerdorf, Freiburg, Landesbrück, Drochtersen, Hechthausen, Lamstedt, Jork, Hollern oder Neuenfelde - überall waren Hengste des Landgestüts Celle stationiert. Geblieben sind in der Umgebung noch Deckstellen auf dem Dobrock, in Ihlienworth, Hepstedt, Bargstedt und Großenwörden.

Mit der Prahmfähre nach Hechthausen

Pfarrer Karl August Heinrich Goldbeck soll es gewesen sein, der dafür gesorgt hat, dass Großenwörden eine Deckstelle bekam. Die Landwirte aus der Ostemarsch hatten zuvor ihre Stuten zum Beispiel mit der Prahmfähre über die Oste und nach Hechthausen zur Deckstation gebracht.

Die neue Deckstelle Großenwörden war zunächst bei der Gaststätte Elfers, gegenüber dem heutigen Standort, untergebracht. Fünf Hengste und Gestüter Kohrs zogen im ersten Jahr auf die neue Station.

12 Reichsmark für einen Deckeinsatz

Burkhard Wick hat das Großenwördener Deckstellen-Register durchforstet. Wick blickt auf die Registerkarte aus dem Jahr 1903. Alles ist gestochen scharf notiert. Daten, Ahnentafel, Deckeinsätze. Wick hat dafür gelernt, Sütterlin zu lesen. 1903 deckte der Hengst Nobra II 83 Stuten, die Züchter zahlten jeweils 12 Reichsmark.

Vor der Deckstation: (von links) Helmut Nimmert (Großenwörden), Deckstellenleiter Löhr (1973 bis 1980), Heinrich Jarck (Engelschoff) und Heinz Jungclaus (Neuland).

Vor der Deckstation: (von links) Helmut Nimmert (Großenwörden), Deckstellenleiter Löhr (1973 bis 1980), Heinrich Jarck (Engelschoff) und Heinz Jungclaus (Neuland). Foto: Archiv Wick

Die Vererber-Qualitäten sind schriftlich verbrieft: 22 Stuten sind „güst“ geblieben, wurden also nicht tragend. Eine Stute verfohlte, fünf Hengst- und ein Stutfohlen starben. Am Ende kamen 25 Hengstfohlen und 27 Stutfohlen zur Welt. Insgesamt wurden 290 Stuten per Natursprung in Großenwörden gedeckt - und im Folgejahr kamen 191 Fohlen in den Ställen rund um die Deckstation zur Welt.

Deckstelle arbeitet ohne Hengste

Hengste gibt es seit Ende der 90er Jahre auf der Station in Großenwörden nicht mehr. Das Landgestüt hat längst auf künstliche Besamung umgestellt. In all den Jahren standen 93 Hengste in Großenwörden. 1948 standen gleich elf Hengste auf der Deckstelle. Sie deckten 942 Stuten. Auch daran lässt sich ablesen, wie wichtig die Pferde auf den Höfen noch waren.

Kräftige Pferde waren gefragt, die auf schwerem Marschboden vor dem Pflug richtig ackern mussten. „Am Samstag und Sonntag ging es dann noch zum Turnier, manchmal zehn Kilometer entfernt. Das haben die Pferde alles mitgemacht“, sagt Wick.

Später wandelte sich die Zucht vom starken Allrounder hin zum Sportpferd.

Hengste kommen mit dem Zug an

Junge Männer aus Großenwörden wurden alljährlich zum Bahnhof nach Himmelpforten gefahren, um die Hengste des Landgestüts am Zug in Empfang zu nehmen und nach Großenwörden zu reiten. Auf dem Vorwerk gab es damals noch Kneipen. „Und an jeder wurde angehalten für Bier und Köm. Die Hengste kannten das schon“, weiß Wick aus Erzählungen.

Der Hengst „Der Löwe“ war nur einer von zwei Vollblütern auf der Station. Er musste bei diesen Touren vorweg geritten werden: „Er vertrug es nicht, wenn es flotter wurde. Da kamen dann das Temperament des Vollblüters und die Lust am Rennen durch.“

Der Dauerwellenhengst von Großenwörden

Einen speziellen Spitznamen hatte ein anderer Hengst in Großenwörden. Der offiziell betitelte „Fernruf“ hieß dort nur „der Dauerwellenhengst“. Denn immer, wenn ein Friseurtermin anstand, spannte ein Gestütswärter ihn ein und fuhr die Dame des Hauses zum Friseur.

Die Hengste für die Deckstation wählte das Landgestüt, die Stuten aber gehörten den Bauern. „Ganz früher wurden Stuten auch noch als Mitgift mitgegeben“, weiß Wick. Die über Generationen gezüchteten Stutenstämme sind deshalb auch heute noch der ganze Stolz der Hannoveraner-Züchter.

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