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THolger Falcke im lockeren Endspurt: „Ich bin fein mit der Entscheidung“

Abstimmung über den letzten eingebrachten Etat von Samtgemeindebürgermeister Holger Falcke. Er wird bei der nächsten Wahl nicht wieder kandidieren.

Abstimmung über den letzten eingebrachten Etat von Samtgemeindebürgermeister Holger Falcke. Er wird bei der nächsten Wahl nicht wieder kandidieren. Foto: Klempow

Holger Falcke tritt nicht noch mal als Samtgemeindebürgermeister in Oldendorf-Himmelpforten an. Und nun? Vor dieser Frage stand die Politik und steht auch Falcke. Beide haben Antworten.

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Von Grit Klempow
Sonntag, 04.01.2026, 05:50 Uhr

Oldendorf-Himmelpforten. Im Finanzausschuss Mitte Dezember zückte Holger Falcke ein bemerkenswert dünnes Mäppchen: sein erster Etat, den er als Samtgemeindebürgermeister der Politik vorgestellt hatte. Inzwischen ist der Etat so viele Seiten stark, dass er nur noch digital zur Verfügung gestellt wird. „Mein 27. Haushalt, und es wird auch mein letzter sein“, sagte Falcke - mit einem breiten Lächeln. Das bestätigt, was er dann sagt: „Ich bin fein mit der Entscheidung.“

Entscheidung nach reiflicher Überlegung

Diese Entscheidung hatte die Samtgemeinde und die Politik bewegt, vor allem hinter den Kulissen. Die heimlich organisierte Feier zum 25-jährigen Dienstjubiläum des Rathaus-Chefs im Januar war für ihn eine gelungene Überraschung. Knapp zwei Wochen später aber teilte Falcke zunächst im Samtgemeindeausschuss mit, was ihn im Stillen schon lange bewegt hatte: Es wird für ihn keine weitere Kandidatur geben.

Holger Falcke sprachlos: Überrascht war er im Januar vom Empfang anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums.

Holger Falcke sprachlos: Überrascht war er im Januar vom Empfang anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums. Foto: Klempow

„Für mich war die Phase vorher wesentlich wichtiger als der Moment, die Entscheidung mitzuteilen“, sagt Falcke. Er begründete seinen Rückzug mit der per Gesetz auf acht Jahre verlängerten Amtszeit für Hauptverwaltungsbeamte. Durch sein Engagement im Städte- und Gemeindebund war er schon früh über die Pläne informiert - und konnte die Auswirkungen auf seinen beruflichen Endspurt mit sich selbst und seiner Familie abmachen.

Politik bildet Findungskommission

Als er die Mitarbeitenden im Rathaus informierte, habe das „zu einer gewissen Ruhe im Saal geführt“, sagt Falcke. „Da musste man ein bisschen schlucken“, beschreibt er, wie er die Situation erlebt hat.

Matthias Reichert ist noch Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Landkreis Stade GmbH. Er kandidiert für das Amt des Samtgemeindebürgermeisters in Oldendorf-Himmelpforten.

Matthias Reichert ist noch Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Landkreis Stade GmbH. Er kandidiert für das Amt des Samtgemeindebürgermeisters in Oldendorf-Himmelpforten. Foto: Christian Boldt

Die Politik setzte sich zügig zusammen. CDU, FWG, OLH und SPD bildeten eine Findungskommission, die im Stillen arbeitete und schließlich Ende August mit Matthias Reichert aus Himmelpforten einen gemeinsamen Kandidaten als Samtgemeindebürgermeister präsentierte.

Bislang ein Kandidat als Nachfolger

Reichert machte mit dieser Entscheidung ähnliche Erfahrungen wie Falcke. Er beriet sich mit seiner Familie, überlegte, ob er als dreifacher Papa das Arbeitspensum mit vielen Abendterminen managen kann und entschied sich bewusst für die Kandidatur. Sein jetziges Team zu informieren, fiel ihm nicht leicht.

Dass parteiübergreifend an einem Strang gezogen wird, hat den derzeitigen Chef der Wirtschaftsförderung beim Landkreis aber bestärkt, anzutreten. „Wäre das anders gelaufen, hätte ich es nicht gemacht“, sagt Reichert. Er ist bislang der einzige Kandidat und setzt auf sachliche, vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Schuleinweihung als persönlicher Schüsselmoment

Auch für Holger Falcke zählt die sachliche Debatte. Stolz klingt durch, dass es ihm gelungen ist, alle Mitgliedsgemeinden für die immensen Investitionen im Grundschulbereich an Bord zu haben.

„Eine solche Sachlichkeit ist ein hohes Gut“, sagt Falcke. Ihm persönlich war es immer wichtig, die Balance zwischen der Samtgemeinde und den Mitgliedsgemeinden zu wahren. Die Einweihung der neuen Grundschule in Hammah war deshalb sein ganz eigener Schlüsselmoment des Jahres.

Schlüsselmoment 2025: Holger Falcke und Sabine Dede, Rektorin der Grundschule Hammah.

Schlüsselmoment 2025: Holger Falcke und Sabine Dede, Rektorin der Grundschule Hammah. Foto: Sheila Dolman

„Es macht immer noch Spaß“, sagt Falcke über sein Amt. Aber er beherzigte eben den Rat, den er selbst anderen mit auf den Weg gegeben hatte: „Betrachte den ersten, vor allem aber den letzten Tag einer Amtszeit.“ Mit 69 noch immer im Amt? Nein. Jetzt zählt die Familie.

Falcke will die Überholspur verlassen, „aber nicht auf die Standspur wechseln“. Er bleibe stellvertretender Deichgraf im Ehrenamt. Auch seinen Sitz im Aufsichtsrat der Volksbank Stade-Cuxhaven behält er. „Und ich stehe noch beim Bürgerbusverein im Wort“, sagt Falcke.

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