TJonas Gerkens kreiert in Horneburg schon die nächste Generation
Jonas Gerkens und Horneburgs 2011er-Jahrgang sind gemeinsam gewachsen. Foto: Szymanska-Minkus
Jung begonnen, weit gekommen: Als Jonas Gerkens in Horneburg noch selbst B-Jugendlicher war, übernahm er Verantwortung für eine Mannschaft, die künftig in der Bundesliga spielt.
Horneburg. Noch vier Minuten auf der Uhr. Die männliche C-Jugend des VfL Horneburg liegt zwei Tore hinten gegen den TSV Burgdorf, die Nachwuchsschmiede des Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf.
Wer jetzt aufgibt, verliert nicht nur das Spiel, sondern auch das Saisonziel aus den Augen. Jonas Gerkens steht an der Seitenlinie und weiß: Sein Team kommt zurück.
Was macht diesen Jahrgang so besonders?
Es kommt zurück. Simon von Bargen wirft das entscheidende Tor. Der Sieg im März steht symbolisch für das, was Gerkens in den Jahren zuvor mit diesem Jahrgang aufgebaut hat.
Der 23-jährige Wirtschaftsstudent begleitet den 2011er-Jahrgang von der E-Jugend bis in die Regionalliga - und ebnet so den Weg für die Bundesliga.
Gerkens übernahm als Teenager
Der Beginn ist unspektakulär. Als der Verein Leute sucht, die Verantwortung übernehmen wollen, steigt Gerkens ins Trainergeschäft ein. Er ist damals selbst noch B-Jugendlicher. Zunächst ist er Co-Trainer in der E-Jugend, dann immer eigenständiger, bis er die Mannschaft als Cheftrainer übernimmt.
Er erlebt, wie aus kleinen Kindern Jugendliche werden - wie sie menschlich und sportlich wachsen. Von Beginn an fällt auf, dass dieser Jahrgang sich nicht auf Training und Spiele beschränkt, sondern Handball als Gesamtpaket begreift: Sie verfolgen andere Partien und setzen sich mit dem Sport auseinander. „Es zeichnet die Jungs aus, dass sie etwas lernen wollen“, sagt Gerkens.

Quali geschafft: Die früheren Gerkens-Schützlinge spielen künftig als B-Jugend in der Bundesliga. Foto: Szymanska-Minkus
Meisterschaften und eine Serie ohne Niederlage
Diese Haltung trägt Früchte. Die Mannschaft holt mehrere Meisterschaften und absolviert zwei komplette Saisons in der D-Jugend ohne Niederlage. Seinen persönlichen Antrieb findet Gerkens im sichtbaren Fortschritt - die Entwicklung der Jugendlichen ist das Spiegelbild der eigenen Arbeit.
Fehler öffnet Tür zur Bundesliga
Die vergangene Saison geht die Mannschaft ohne großen Druck an. Ziel ist mindestens Platz vier, der Mindestrang für den Verbleib in der Regionalliga. Den sichern sie sich - und plötzlich öffnet sich eine Tür: HC Bremen setzt am letzten Spieltag einen nicht spielberechtigten Akteur ein und bekommt einen Punkt aberkannt.
Einen Tag später braucht Horneburg nur noch ein Remis gegen Tabellenführer HSG Schaumburg-Nord - und holt es. Mit dem Punkt sichert sich die Mannschaft die Teilnahme an den Bundesliga-Aufstiegsspielen. „Das war eines der besten Spiele der Saison“, sagt Gerkens.

Quali geschafft: Die früheren Gerkens-Schützlinge spielen künftig als B-Jugend in der Bundesliga. Foto: Szymanska-Minkus
Klein schlägt Groß - das eigentliche Spiel der Saison
Noch wichtiger ist das Duell gegen Burgdorf wenige Wochen zuvor. Horneburg - ein Verein, der seinen Spielern mitunter nur eine Hallenhälfte anbieten kann, weil der Zulauf in der Sparte so groß ist - schlägt einen Gegner mit professionellen Strukturen. „Es war stark zu sehen, dass wir als kleines Horneburg mit den großen Namen konkurrieren können“, sagt Gerkens.
Er weiß, dass es seine letzte Saison als Cheftrainer dieser Mannschaft ist. „Ich gönne es den Jungs und freue mich für sie. Für mich persönlich war es die Kirsche auf der Sahnetorte.“
T VfL Horneburg sichert sich Meisterschaft und Aufstieg
Was kommt nach dem schönsten Moment?
Gerkens wagt indessen selbst den nächsten Schritt. Der gebürtige Horneburger, der zuletzt für den SV Beckdorf in der Regionalliga spielte, wechselt zum VfL Fredenbeck in die 3. Liga.
Im Fredenbecker Rückraum variabel einsetzbar, sieht er sein sportliches Doppelleben als Vorteil: „Man denkt als Trainer anders über das Spiel, weil man andere Blickwinkel kennt.“ Dem VfL Horneburg bleibt er als Co-Trainer der A-Jugend erhalten, die in der 2. Bundesliga spielt.

Jonas Gerkens gilt als wurfgewaltiger Rückraumspieler. Er wechselte von Beckdorf nach Fredenbeck. Foto: Klein (nomo)
Wann trifft er auf sie als Gegner oder Mitspieler?
Aus den Augen verliert er seine ehemaligen Schützlinge nicht. Wenn möglich, will er zu den Spielen kommen - die C-Jugend, die künftig als B-Jugend antritt, hat sich mittlerweile in den Aufstiegsspielen für die Bundesliga qualifiziert. Betreut werden sie bereits von Dennis Klingbiel und Christoph Hagedorn. „Da sind sie in guten Händen“, sagt Gerkens.
T Ist der VfL Horneburg schon bereit für die Regionalliga?
Gut möglich, dass sich Trainer und Schützlinge irgendwann als Gegner oder Mitspieler auf dem Feld begegnen. „Ich würde mich freuen, wenn man den einen oder anderen mal in höheren Ligen sehen wird.“ Den Ansporn dazu haben sie.
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