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Eishockey

TJonne aus Beckdorf wird zum heimlichen Star auf dem Eis der Pinguins

Jonne Ikemeyer schoss sein erstes Eishockeytor vor wenigen Wochen.

Jonne Ikemeyer schoss sein erstes Eishockeytor vor wenigen Wochen. Foto: Berlin

Für einen Sechsjährigen aus Beckdorf erfüllt sich ein Traum. Er bringt den Puck vor 4000 Fans in die Arena. Jonne ist in seiner Familie nicht der einzige Eishockeyverrückte.

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Von Daniel Berlin
Dienstag, 06.01.2026, 16:50 Uhr

Beckdorf. Kurz vor 14 Uhr fährt Jonne Ikemeyer (6) aus Beckdorf auf das Eis der Fischtown Pinguins. Schlittschuhe, Schläger, volle Montur eines Eishockeyspielers, das rote Trikot des Hauptsponsors darüber, gelber Helm. Unter dem Visier lächelt der kleine Mann, der an diesem Nachmittag ganz groß ist.

Jonne bringt den Puck vor mehr als 4000 Zuschauern zum Schiedsrichter und fährt dann zum Goalie zum Abklatschen.

Jonne bringt den Puck vor mehr als 4000 Zuschauern zum Schiedsrichter und fährt dann zum Goalie zum Abklatschen. Foto: Masorat

Auf der Tribüne der Bremerhavener Eisarena sitzen mehr als 4000 Menschen. Die Pinguins spielen gegen den EHC Red Bull München in der ersten deutschen Eishockeyliga. Der Sechste gegen den Vierten. Jonne Ikemeyer bringt als Puckkind das Spielgerät in die Arena. Alle Augen sind auf ihn gerichtet. Jonne posiert in der Mitte mit dem Schiedsrichter für die Fotografen und fährt dann zum Abklatschen zum Torwart der Gastgeber. Ein, zwei Minuten, die der Junge nicht vergessen wird.

Mit Handschuh und Puck auf dem Babyfoto

Die Fotos und Videos von seinem großen Tag wird Jonne hüten wie einen Schatz. Ein paar Tage vorher zeigt seine Mutter Melana Doepner bei einem Interview in der Stube ihrer Wohnung in Beckdorf die anderen Schätze. Schon kurz nach seiner Geburt hatte eine Babyfotografin auf Wunsch der Eltern Utensilien aus der Welt des Eishockeys für die ersten Bilder von Jonne um ihn herum drapiert. Die sechsköpfige Familie ist ganz verrückt nach Eishockey.

Die ganze Familie ist verrückt nach Eishockey.

Die ganze Familie ist verrückt nach Eishockey. Foto: Berlin

Stiefvater Patrick spielt in einer Hobbymannschaft in Harsefeld. Mutter Melana schnürt für die Damenmannschaft der TuS Harsefeld Tigers die Schlittschuhe. Jonnes Geschwister Matilda (3), Jahwe (5) und Tayler (9) spielen Eishockey. An Freitagabenden oder Sonntagen sitzen die Sechs gemeinsam in der Eishalle, um die Pinguins anzufeuern oder sie schauen die Spiele gemeinsam zu Hause auf dem Sofa. Wegen Jonnes großem Auftritt in Bremerhaven verschob die Familie den Dänemark-Urlaub um einen Tag.

Erstes Tor im HSV-Trikot

Beim Interview-Termin wühlt Jonne stolz einen Puck aus dem Schrank. Die Ränder sind mit Tapeband abgeklebt. Darauf steht „1. Tor“. Jedes Kind darf den historischen Puck behalten. Jonne knipste das erste Mal am 29. November 2025. „Ich schieße gerne Tore“, sagt der Sechsjährige. Ausgerechnet seinen ersten Treffer markierte Jonne im Trikot des HSV bei einem Turnier in Harsefeld.

Jonne spielt in zwei Mannschaften - in Hamburg und bei den Tigers. Als er drei Jahre alt war, stand er das erste Mal auf Kufen. Seine Eltern nahmen ihn früh mit in die Eishalle und kurvten mit Jonne auf dem Arm übers Eis.

Heute trainiert er fast jeden Tag. Mutter oder Vater kutschieren den Kleinen nach Hamburg-Eidelstedt oder Harsefeld. Sie fahren zu Turnieren nach Dresden, Wolfsburg oder Salzgitter. „Eishockey gibt es eben nicht an jeder Ecke“, sagt Melana Doepner. Allein für den Sport kommen pro Monat gut 1000 Autokilometer zusammen.

Angebot von der Talentschmiede aus Hannover

Warum kein Handball oder Fußball? „Eishockey ist einfach cooler“, sagt Jonne. Vor ein paar Wochen startete der Junge eine Ausbildung zum Torwart, oder wie es in der Szene heißt, zum Goalie. Angst vor den Schüssen habe er nicht. Er sei ja dick eingepackt. Talent scheint Jonne auf allen Positionen zu besitzen. Melana Doepner erzählt, dass die Talentschmiede aus Hannover schon angefragt habe. Aber dafür sei es noch zu früh. Und ganz billig ist der Sport ja auch nicht.

Jonnes großen Auftritt in Bremerhaven gab es geschenkt. Eine PR-Agentur hatte im Auftrag des Hauptsponsors, einer Supermarktkette, in den sozialen Medien ein Puckkind für die Partie der Pinguins gegen München gesucht. Unter Dutzenden Kindern wurde Jonne ausgelost.

An diesem Sonntag war er seinen großen Idolen ganz nahe: Bremerhavens Goalie Kristers Gudlevskis oder Kapitän und Stürmer Jan Urbas. Glück gebracht hat Jonne den Pinguins nur bedingt. Bremerhaven kassierte eine 2:6-Niederlage. Aber die Erinnerung bleibt.

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