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T„Kurz vor der Pleite“: B73-Sperrung trifft Geschäftsleute

Das B73-Grillhaus hat wegen der Sperrung viele Kunden verloren.

Das B73-Grillhaus hat wegen der Sperrung viele Kunden verloren. Foto: Helfferich

Die Ortsdurchfahrt Düdenbüttel soll bald fertig werden. Doch die Vollsperrung hat Folgen für die Betriebe an der B73. Ein Unternehmer bekommt die Folgen besonders zu spüren.

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Von Susanne Helfferich
Mittwoch, 22.04.2026, 12:05 Uhr

Düdenbüttel. Neun Monate dauerte die Sanierung. Bäckermeister und Geschäftsführer Carsten Richter wirkt frustriert. Die Bauarbeiten sollten wesentlich früher abgeschlossen sein: Drei Monate wurden dafür eingeplant. Aus November wurde Februar - und schließlich zog der Winter ein und ließ die Bauarbeiten ruhen. Zeitfenster wurden neu geöffnet und wieder verworfen.

Der Bäcker hat neben dem Haupthaus mit Backstube in Himmelpforten zehn Standorte. Eine der ältesten Filialen ist die Bäckerei in Düdenbüttel. Sie war insbesondere in den Morgenstunden immer gut frequentiert. Der Mehrzweckstreifen vor der Haustür wurde von vielen Pendlern als Stopp genutzt. Das ist nun vorbei. Die Fläche wird für Radfahrstreifen und Querungshilfen benötigt.

Carsten Richter: 67 Prozent weniger Umsatz

Die Kommunikation mit den Planern habe nicht funktioniert, sagt Richter. Solange die Autos einspurig durch den Ort gelenkt wurden, hatte er nur noch vormittags geöffnet und nachmittags wegen fehlender Kundschaft geschlossen. „Mit der Vollsperrung haben wir komplett zugemacht“, sagt der Bäckermeister.

Er habe einen Umsatzrückgang von 67 Prozent. „Das tut schon weh.“ Eine Entschädigung gebe es nicht. „Das ist dann einfach Pech.“ Personal habe er zum Teil in Urlaub geschickt oder auf andere Filialen umgeschichtet. „Wir werden das überleben“, gibt sich Richter verhalten zuversichtlich, „aber es wird nichts überbleiben für Investitionen.“ Wenn die Sanierung vollbracht ist, feiert der Betrieb das wie eine Neueröffnung seiner Filiale.

Bäckerei Richter an der Ortsdurchfahrt.

Bäckerei Richter an der Ortsdurchfahrt. Foto: Helfferich

Mert Topcu: Wir stehen kurz vor der Pleite

Wenige Schritte weiter ist das B73-Grillhaus von Fatma und Mert Topcu, montags bis sonntags von 12 bis 22 Uhr geöffnet. Gerade hat eine Gruppe Bauarbeiter dort zu Mittag gegessen. In den gut gefüllten Behältern des Kühltresens leuchten arabische Vorspeisen.

Wer Mert Topcu fragt, wie es ihm gehe, schaut in tieftraurige Augen. „Furchtbar“, antwortet er, „die Sanierungsarbeiten sollten doch im November fertig sein.“ Er stehe kurz vor der Pleite. „Noch höchstens drei Wochen, dann müssen wir zumachen.“

Er habe 80 bis 90 Prozent weniger Umsatz. „Die Leute denken, wir hätten geschlossen. Dabei haben wir gepostet, dass wir da sind; auch dass wir außer Haus liefern.“ Es sei unberechenbar, jeder Tag sei anders. „Vor zwei Tagen musste ich 40 Kilo Fleisch wegwerfen.“ Er freue sich, wenn die Bauarbeiter bei ihm essen, aber das reiche nicht. Umso mehr freut er sich über Unterstützung. So wie kürzlich, als der HSV-Fanclub mit 30 Mitgliedern zum Essen gekommen sei.

Kathrin Breibach: Sprechstunde zur falschen Zeit

Friseurmeisterin Kathrin Breibach hat vor zweieinhalb Jahren in Düdenbüttel das Geschäft Haartraum gegründet. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und bezeichnet die aktuelle Sperrung der Ortsdurchfahrt als „beschissen“. Dennoch blieb ihr Geschäft weitestgehend geöffnet. Nur eine Woche war es geschlossen. Von sieben Mitarbeitern hat sie vier in Urlaub geschickt.

Kathrin Breibach hofft, dass der Betrieb wieder anläuft.

Kathrin Breibach hofft, dass der Betrieb wieder anläuft. Foto: Helfferich

Während der Vollsperrung kämen nur 40 bis 50 Prozent der Kunden. „Es ist eben auch schwierig, einen Parkplatz zu finden“, sagt sie. Und sie ärgert sich über die wöchentlich angebotene Baustellensprechstunde - und zwar „dienstags um 9.30 Uhr, wenn alle bei der Arbeit sind. Bürgernah wären Sprechzeiten am Abend.“

Ihr selbst sei es nur zweimal gelungen, dieses Angebot wahrzunehmen. „Jetzt müssen wir abwarten und hoffen, dass der Betrieb wieder anläuft.“

Kerstin Engelke: Trotz der Umstände ein dickes Lob

„Wir haben derzeit weder Kundenverkehr noch Anrufe“, sagt Kerstin Engelke, Ehefrau des Geschäftsführers Willm Engelke.

Kerstin und Willm Engelke haben auch ein Lob parat.

Kerstin und Willm Engelke haben auch ein Lob parat. Foto: Helfferich

Auch das gleichnamige Autohaus leidet unter der Vollsperrung. Zwei Drittel ihrer Fahrzeuge sind nun in Hemmoor, in dem zweiten Autohaus der Familie untergebracht. Die Werkstatt bleibt für die Zeit der Vollsperrung geschlossen. Stattdessen werden Gebrauchtwagen und Mietfahrzeuge auf Vordermann gebracht.

Trotz vieler Umstände während der Sanierungsphase hat Kerstin Engelke ein Lob parat: „Vor Beginn der Vollsperrung am 30. März erhielten wir die Telefonnummern von allen wichtigen Ansprechpartnern und konnten Zeiten verabreden, sodass wir unsere Autos vom Hof holen konnten.“ Dafür sei extra die Fahrbahn aufgeschüttet worden. Engelke sieht das Positive: „Wir machen jetzt Renovierungsarbeiten. Kunden kommen eh nicht.“

Lukas Hagenah: Sperrung zum Saisonstart

Am Ortsausgang Richtung Stade brummt es. Bei den Rasenmäher-Spezialisten von Motorgeräte Hagenah ist Saisonstart. Deshalb war der Termin für vier Wochen Vollsperrung nicht gerade günstig. „Die Laufkundschaft ist ausgeblieben“, sagt Inhaber und Geschäftsführer Lukas Hagenah.

Der Betrieb war zwar über Mittelsdorf erreichbar - die Sperrung kostete aber Zeit und Sprit. Denn die Mitarbeiter im Außendienst mussten Umwege in Kauf nehmen. „Wir sind froh, dass die Bauarbeiten jetzt zu Ende gehen“, sagt Hagenah und hofft, dass in Düdenbüttel nun „für 25 Jahre Ruhe“ ist.

„Mit der Vollsperrung mussten wir komplett schließen“, sagt Carsten Richter, Chef der Bäckerei Richter.

„Mit der Vollsperrung mussten wir komplett schließen“, sagt Carsten Richter, Chef der Bäckerei Richter. Foto: Helfferich

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