TMit 20 km/h zum Schnitzel: Ahlerstedter Wirt lockt Oldtimer-Fans
Klaus-Dieter Bockelmann lässt sich immer neue Aktionen einfallen, um den Ahlerstedter Schützenhof bekannter zu machen. Foto: P. Meyer
Mit kreativen Ideen wirbt Gastwirt Klaus-Dieter Bockelmann um neue Gäste. Zum Piesel tuckerten jetzt Oldtimer-Fans mit ihren Treckern, um zum halben Preis zu essen.
Ahlerstedt. Wer bestehen will, muss kreativ sein: Dieses Motto hat sich Klaus-Dieter Bockelmann auf die Fahne geschrieben. Mit immer neuen Aktionen in seiner Ahlerstedter Kneipe Piesel funktioniert das seit Jahrzehnten.
Eine davon findet immer am ersten Donnerstag nach den Betriebsferien des Schützenhofs Ahlerstedt statt. Wer in der vergangenen Woche mit einem Oldtimer-Trecker vorfuhr, konnte zum halben Preis essen.
Zufällig trafen sich an diesem Tag auch Oldtimer-Motorrad- sowie Auto-Clubs. Foto: P. Meyer
Rund 40 historische Traktoren stehen an diesem Donnerstag auf dem Gelände des Schützenhofs. Manche sind mehrere Jahrzehnte alt, einige haben schon bei der Anfahrt ordentlich Zeit gebraucht. Für ihre Besitzer ist das allerdings kein Grund zur Eile. Im Gegenteil: Gerade das langsame Unterwegssein gehört für viele zum Reiz der alten Maschinen.
Ältester Trecker ist Baujahr 1949
Jens Lüchau aus Mulsum hat von der Aktion auf Instagram erfahren. Der 53-Jährige ist schon häufiger Gast im Schützenhof gewesen, diesmal kommt er zum ersten Mal mit seinem Traktor.

Kam aus Mulsum: Postbote Jens Lüchau vor seinem Porsche Diesel Super - Baujahr 1959. Foto: P. Meyer
Sein roter Porsche Diesel Super ist Baujahr 1959, hat drei Zylinder und 40 PS. Knapp 29 Kilometer pro Stunde schafft die Maschine. Rund eine Stunde war Lüchau unterwegs. „Das nimmt man gerne in Kauf“, sagt er. Was später auf seinem Teller landet, weiß er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Gegessen wird à la carte - zum halben Preis.

Der älteste Teilnehmer ist Baujahr 1949. Foto: P. Meyer
Noch älter ist der Schlepper von Andreas und Jürgen Meyer aus Klein Meckelsen. Ihr Algaier stammt aus dem Jahr 1949 und ist damit die älteste Maschine auf dem Platz. Mit maximal 18 Kilometern pro Stunde haben auch sie gut eine Stunde für die Fahrt gebraucht. Zur Belohnung gibt es für die beiden die Ahlerstedter Bratenplatte. „Sehr lecker“, lautet das Urteil von Andreas Meyer.
Für Ludwig Aldag gehört die Trecker-Aktion längst zum festen Termin im Kalender. „Ich bin jedes Jahr dabei gewesen, außer das erste Jahr“, erzählt der 75-Jährige. Diesmal hat er seinen zwölfjährigen Enkel Jannis dabei.
Der wartet schon darauf, alt genug für den Führerschein zu sein. Bis dahin nimmt er auf dem Beifahrersitz Platz. Gemeinsam sind die beiden mit einem MAN Ackerdiesel, Baujahr 1952, nach Ahlerstedt gekommen. „Weil‘s Spaß bringt“, sagt Aldag.
Entschleunigung bei 20 km/h
Aldag ist mit dem Oldtimer-Traktor-Club Ahlerstedt „Mööt wi mool seen“ in der Kolonne gekommen. Der Verein besteht seit 25 Jahren. Für Clubmitglied Heiko Klindworth steckt darin mehr als nur die Freude an alten Maschinen. „Wir sind alle auf dem Weg der Entschleunigung“, sagt er. „Bei 20 km/h bekommt man ja auch viel mehr mit von der Umgebung.“

Ludwig Aldag mit seinem Enkel Jannis Aldag auf dem Ackerdiesel von 1952. Foto: P. Meyer
Michael Wichern aus Buxtehude gehört zu den Mitgliedern der ersten Stunde. Sein Deutz aus dem Jahr 1952 stammt von seinem Schwiegervater. „An dem kann man noch schrauben“, sagt Wichern. Und der alte Traktor ist bei ihm nicht nur ein Ausstellungsstück: Auf zwei Hektar Fläche kommt er noch bei der Arbeit zum Einsatz, etwa um gefällte Bäume zu ziehen.
Legendärer DDR-Schnellzug ist zurück
Dass die Treckerfreunde an diesem Tag gemeinsam zum Schützenhof kommen, ist auch dem Ideenreichtum von Klaus-Dieter Bockelmann zu verdanken. Die Aktion gibt es bereits seit rund 20 Jahren. Voraussetzung für den halben Preis ist ein Oldtimer-Traktor mit Baujahr vor 1980. Doch der Gastwirt hat in all den Jahren noch zahlreiche weitere Einfälle entwickelt.

Michael Wichern aus Buxtehude Ottensen hegt und pflegt seinen Deutz von 1952. Foto: P. Meyer
Denn die Zeiten, in denen eine Gaststätte allein von ihren Stammgästen leben konnte, sind schwieriger geworden. „Die Menschen gehen ja nicht mehr in die Kneipe“, sagt Bockelmann. Also versucht er, Gründe zu schaffen, warum sie es doch tun und warum sie vielleicht jemanden Neues mitbringen.
Bockelmann gehen die Ideen nicht aus
Im August gibt es für Geburtstagskinder das Essen zum halben Preis. Beim Straßenabend können Bewohner bestimmter Straßen vergünstigt essen. Auch für Gäste, die mehr als 90 Kilogramm wiegen, gab es schon eine entsprechende Aktion. Wer sein Instrument mitbringt, kann ebenfalls von einer Aktion profitieren. Dazu kommen Veranstaltungen wie das Schützenhof-Diplom, ein Gruseldinner oder Eisstockschießen.
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Wie er auf solche Ideen kommt? „Ich rede mit den Leuten“, sagt Bockelmann. Er wolle immer wieder neue Menschen ansprechen: „Dann kommen die auch gerne“, sagt er.

Um die Oldtimer zu fotografieren, steigt Klaus-Dieter Bockelmann sogar aufs Dach. Foto: P. Meyer
Die Geschichte des Familienunternehmens mit Hotel, Restaurant und Kneipe reicht bis ins Jahr 1802 zurück. 1986 übernahm Klaus-Dieter Bockelmann den Betrieb von seinem Vater, seit einigen Jahren führt sein Sohn Nils das Unternehmen in siebter Generation.

Ludwig Aldag parkt rückwärts ein. Foto: P. Meyer
An Ideen mangelt es Klaus-Dieter Bockelmann trotzdem nicht. Mit Elan und Herzblut ist er Gastwirt und tüftelt weiter an Aktionen, die Menschen an seinen Tisch bringen.
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